Scania und Gruber testen Wasserstoff-Lkw in Italien

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Sebastian Henßler
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Gruber Logistics und Scania starten im Frühjahr eine Partnerschaft, die einen der ersten Praxistests eines wasserstoffbetriebenen Schwerlastfahrzeugs in Italien ermöglichen soll. Ab Mai wird ein mit Brennstoffzellentechnologie ausgestatteter Scania 40R im Auftrag des Südtiroler Logistikunternehmens unter realen Betriebsbedingungen erprobt. Eingebettet ist das Vorhaben in das europäische ZEFES-Projekt, das die Dekarbonisierung des Güterverkehrs auf der Straße vorantreiben soll.

Scania konzentriert sich strategisch auf die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs, sucht parallel aber ein vertieftes Verständnis für weitere emissionsarme Antriebsformen. Wasserstoffbetriebene Schwerlastfahrzeuge befinden sich europaweit noch in einer frühen Erprobungsphase und werden bislang vorrangig in Pilotprojekten eingesetzt. Die Kooperation mit Gruber Logistics soll dazu beitragen, Italien unter den führenden Ländern bei der Entwicklung und Erprobung von Wasserstofflösungen für den Schwerlastverkehr zu positionieren.

Das ZEFES-Projekt verfolgt das Ziel, batterieelektrische Fahrzeuge und Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge im realen Straßenbetrieb zu testen und so die Marktreife emissionsfreier Antriebe für den Güterverkehr zu beschleunigen. Der nun anlaufende Versuch in Italien ist Teil dieser breiteren europäischen Initiative und soll Erkenntnisse liefern, die über den Einzelfall hinausweisen.

„Es ist wichtig zu betonen, dass dieses Fahrzeug, obwohl es noch nicht in Serie ist, dank der Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen aus der Fertigungsbranche wie Nestlé, P&G, Verallia, ABB und Spezialbier-Brauerei Forst im realen Betrieb eingesetzt wird“, sagt Martin Gruber, CEO von Gruber Logistics. Der Praxiseinsatz soll laut Gruber dabei helfen, die Einführung neuer Technologien zu beschleunigen und frühzeitig zu erkennen, welchen Herausforderungen ein Logistikunternehmen bei deren Nutzung begegnen kann.

Modulare Plattform als Brücke zwischen Wassserstoff und Batterie

Eingebettet ist der Versuch in die übergeordnete Pilot-Partner-Strategie von Scania. Diese sieht vor, neue Technologien und Architekturen gemeinsam mit ausgewählten Kund:innen zu erproben, um praktisches Wissen für den Übergang zu emissionsarmem oder emissionsfreiem Verkehr aufzubauen. Die dreiachsige Sattelzugmaschine basiert auf einer batterieelektrischen Plattform, in die Wasserstofftanks und ein Brennstoffzellensystem integriert wurden. Wasserstoff wird dabei nicht verbrannt, sondern dient als Energieträger und wird über die Brennstoffzelle in Strom umgewandelt.

Im Vergleich zu einem rein batterieelektrischen Lkw ergeben sich aus dieser Konfiguration mehrere Unterschiede. Das Brennstoffzellensystem ermöglicht in der Regel längere Strecken als vergleichbare BEV-Konfigurationen mit ähnlichen Batteriepacks. Hinzu kommt eine kürzere Betankungszeit: Das Auffüllen der Wasserstofftanks ist in rund 20 Minuten möglich, deutlich schneller als ein vergleichbarer Schnellladevorgang an der Batterie. Auch die Verteilungsinfrastruktur lässt sich nach Angaben der Partner in bestimmten Anwendungsfällen leichter dezentral organisieren, was sie für komplexe Logistikprozesse interessant macht.

„Aufbauend auf dem für Scania typischen modularen Ansatz haben wir die BEV-Plattform genutzt und sie mit Brennstoffzellentechnologie kombiniert“, erläutert Simone Martinelli, Sales Manager E-Mobility, Urban & Construction Sales von Scania Italien. Es handle sich nicht um ein in seiner endgültigen Konfiguration optimiertes Fahrzeug, sondern um eine Übergangslösung, mit der das Verhalten des Brennstoffzellensystems unter realen Bedingungen bewertet werden könne. Im nächsten Schritt sollen das Layout angepasst sowie der Platzbedarf und die derzeit überdimensionierten Batteriepacks reduziert werden.

Quelle: Scania / Gruber Logistics – Pressemitteilung per Mail

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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