Freudenberg steigt aus Brennstoffzellengeschäft aus

Freudenberg steigt aus Brennstoffzellengeschäft aus
Copyright:

shutterstock / 2296248589

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Der Weinheimer Mischkonzern Freudenberg zieht einen Schlussstrich unter sein Engagement bei Brennstoffzellen und Batteriesystemen. Die Geschäftsgruppe Freudenberg e-Power Systems wurde zum 1. Januar 2026 organisatorisch aufgelöst, die regulären Geschäftstätigkeiten eingestellt. Im laufenden Jahr werden ausschließlich noch bestehende Aufträge abgewickelt, wie das Unternehmen im Rahmen seiner Bilanzvorlage für 2025 mitteilte.

„Unser Batterie- und Brennstoffzellensystemgeschäft hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt enttäuschend entwickelt“, begründet Freudenberg den Schritt. Auch die Perspektiven seien unklar und schwierig. Rund 600 Mitarbeitende sind von der Maßnahme betroffen, schwerpunktmäßig in den USA und am deutschen Standort München. Lediglich der Bau von Komponenten für die Wasserstofferzeugung werde weiterverfolgt.

Für das Familienunternehmen markiert der Rückzug das Ende einer langjährigen Entwicklungsphase. Freudenberg hatte über Jahre hinweg in diesem Bereich geforscht und sich dabei auf Batterie- und Brennstoffzellensysteme für schwere Nutzfahrzeuge sowie Schiffe konzentriert. Die erhofften Marktdurchbrüche blieben jedoch aus – insbesondere in den USA. Als Gründe nannte der Konzern eine schwache Nachfrage in zentralen Anwendungen, fehlende Infrastruktur, hohe Kosten sowie politische und regulatorische Unsicherheiten. Globaler Wettbewerbsdruck und begrenzte Skalierungsmöglichkeiten hätten das Systemgeschäft zusätzlich wirtschaftlich erschwert.

Der Ausstieg hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz: Das Konzernergebnis sank 2025 auf 362 Millionen Euro – nach 725 Millionen Euro im Rekordjahr 2024. Positive Effekte aus Akquisitionen und Verkaufspreisanpassungen konnten ungünstige Wechselkursentwicklungen und die schwächere Nachfrage in wichtigen Märkten, darunter der Automobilsektor, nicht ausgleichen.

Freudenberg setzt auf Disziplin und Zukunftsinvestitionen

Trotz der Belastungen sieht sich das Unternehmen, das Verbraucher:innen vor allem über die Haushaltsmarke Vileda kennen, gut aufgestellt. „Neben der operativen Performance haben wir unseren Fokus konsequent auf finanzielle Disziplin, strukturelle Anpassungen und gezielte Investitionen in Zukunftsthemen gelegt“, kommentierte CEO Claus Möhlenkamp, der die Freudenberg-Gruppe seit Mitte 2025 führt. Mit der Weiterentwicklung des Portfolios sowie Investitionen in Innovation, Digitalisierung und neue Technologien wolle man die Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit schaffen.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung lagen 2025 bei rund 580 Millionen Euro, etwas unter dem Vorjahreswert von gut 604 Millionen Euro. Ein besonderer Schwerpunkt lag nach Unternehmensangaben auf der Nutzung Künstlicher Intelligenz. Parallel investierte Freudenberg in den Ausbau und die Modernisierung seiner Standorte. Am Unternehmenssitz in Weinheim, wo rund 4000 Menschen beschäftigt sind, flossen etwa 35 Millionen Euro – unter anderem in ein fertiggestelltes automatisiertes Zentrallager für rund elf Millionen Euro und ein neues Mischwerk für Elastomere. Insgesamt beliefen sich die Investitionen in Deutschland auf 143 Millionen Euro, nach 181 Millionen Euro im Vorjahr.

Auch für 2026 rechnet Freudenberg mit technologischen Veränderungen, geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. Risiken bei der Energieversorgung, in Lieferketten sowie Rohstoffengpässe und Preissteigerungen bleiben im Blick des Konzerns. Durch gezielte Investitionen, Akquisitionen und Restrukturierungen habe man jedoch die Weichen gestellt, um sich in einem weiterhin herausfordernden Umfeld zu behaupten und wieder organisch zu wachsen.

Quelle: RNZ – Ausstieg bei Brennstoffzellen kostet 600 Jobs bei Freudenberg

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Brennstoffzelle / Brennstoffzellenantrieb

Neue Wasserstoff-Subventionsrunde geht wieder am Markt vorbei

Neue Wasserstoff-Subventionsrunde geht wieder am Markt vorbei

Daniel Krenzer  —  

Warum die erneute Förderung von Wasserstoff-Tankstellen und H2-Lkw an der Realität vorbeigeht – und weshalb Akku-Fahrzeuge effizienter und marktreifer sind.

Bund startet Förderprogramm für H2-Tankstellen und -Lkw

Bund startet Förderprogramm für H2-Tankstellen und -Lkw

Tobias Stahl  —  

Das Verkehrsministerium fördert den Bau von Wasserstofftankstellen und die Anschaffung von H2-Lkw mit 220 Millionen Euro. Die wichtigsten Details zur Förderung.

Nur noch 50 Wasserstoff-Tankstellen für Pkw in Deutschland

Nur noch 50 Wasserstoff-Tankstellen für Pkw in Deutschland

Daniel Krenzer  —  

Nicht nur die Neuzulassungen von Wasserstoffautos rutschen in den Keller. Auch das Tankstellennetz wird immer dünner.

Was grüner Wasserstoff für Namibia bedeuten könnte

Was grüner Wasserstoff für Namibia bedeuten könnte

Sebastian Henßler  —  

Namibia setzt auf grünen Wasserstoff, doch nicht nur für den Export. Pilotprojekte wie Daures zeigen, wie eng Energie, Industrie und Politik verknüpft sind.

Wasserstoff-Stromer: Neuer Hyundai Nexo startet ab 69.900 Euro

Wasserstoff-Stromer: Neuer Hyundai Nexo startet ab 69.900 Euro

Sebastian Henßler  —  

Mit dem neuen Nexo zeigt Hyundai, wie Wasserstoffmobilität heute aussehen soll. Größerer Tank, 150 kW Leistung und moderne Assistenzsysteme stehen im Fokus.

Daimler testet Wasserstoff-Reisebus H₂ Coach von Setra

Daimler testet Wasserstoff-Reisebus H₂ Coach von Setra

Michael Neißendorfer  —  

Der Technologieträger „H₂ Coach“ von Setra soll den Weg zur Zukunft von emissionsfreien Busreisen ebnen, zusätzlich zu batterieelektrischen Reisebussen.