Der Weinheimer Mischkonzern Freudenberg zieht einen Schlussstrich unter sein Engagement bei Brennstoffzellen und Batteriesystemen. Die Geschäftsgruppe Freudenberg e-Power Systems wurde zum 1. Januar 2026 organisatorisch aufgelöst, die regulären Geschäftstätigkeiten eingestellt. Im laufenden Jahr werden ausschließlich noch bestehende Aufträge abgewickelt, wie das Unternehmen im Rahmen seiner Bilanzvorlage für 2025 mitteilte.
„Unser Batterie- und Brennstoffzellensystemgeschäft hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt enttäuschend entwickelt“, begründet Freudenberg den Schritt. Auch die Perspektiven seien unklar und schwierig. Rund 600 Mitarbeitende sind von der Maßnahme betroffen, schwerpunktmäßig in den USA und am deutschen Standort München. Lediglich der Bau von Komponenten für die Wasserstofferzeugung werde weiterverfolgt.
Für das Familienunternehmen markiert der Rückzug das Ende einer langjährigen Entwicklungsphase. Freudenberg hatte über Jahre hinweg in diesem Bereich geforscht und sich dabei auf Batterie- und Brennstoffzellensysteme für schwere Nutzfahrzeuge sowie Schiffe konzentriert. Die erhofften Marktdurchbrüche blieben jedoch aus – insbesondere in den USA. Als Gründe nannte der Konzern eine schwache Nachfrage in zentralen Anwendungen, fehlende Infrastruktur, hohe Kosten sowie politische und regulatorische Unsicherheiten. Globaler Wettbewerbsdruck und begrenzte Skalierungsmöglichkeiten hätten das Systemgeschäft zusätzlich wirtschaftlich erschwert.
Der Ausstieg hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz: Das Konzernergebnis sank 2025 auf 362 Millionen Euro – nach 725 Millionen Euro im Rekordjahr 2024. Positive Effekte aus Akquisitionen und Verkaufspreisanpassungen konnten ungünstige Wechselkursentwicklungen und die schwächere Nachfrage in wichtigen Märkten, darunter der Automobilsektor, nicht ausgleichen.
Freudenberg setzt auf Disziplin und Zukunftsinvestitionen
Trotz der Belastungen sieht sich das Unternehmen, das Verbraucher:innen vor allem über die Haushaltsmarke Vileda kennen, gut aufgestellt. „Neben der operativen Performance haben wir unseren Fokus konsequent auf finanzielle Disziplin, strukturelle Anpassungen und gezielte Investitionen in Zukunftsthemen gelegt“, kommentierte CEO Claus Möhlenkamp, der die Freudenberg-Gruppe seit Mitte 2025 führt. Mit der Weiterentwicklung des Portfolios sowie Investitionen in Innovation, Digitalisierung und neue Technologien wolle man die Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit schaffen.
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung lagen 2025 bei rund 580 Millionen Euro, etwas unter dem Vorjahreswert von gut 604 Millionen Euro. Ein besonderer Schwerpunkt lag nach Unternehmensangaben auf der Nutzung Künstlicher Intelligenz. Parallel investierte Freudenberg in den Ausbau und die Modernisierung seiner Standorte. Am Unternehmenssitz in Weinheim, wo rund 4000 Menschen beschäftigt sind, flossen etwa 35 Millionen Euro – unter anderem in ein fertiggestelltes automatisiertes Zentrallager für rund elf Millionen Euro und ein neues Mischwerk für Elastomere. Insgesamt beliefen sich die Investitionen in Deutschland auf 143 Millionen Euro, nach 181 Millionen Euro im Vorjahr.
Auch für 2026 rechnet Freudenberg mit technologischen Veränderungen, geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. Risiken bei der Energieversorgung, in Lieferketten sowie Rohstoffengpässe und Preissteigerungen bleiben im Blick des Konzerns. Durch gezielte Investitionen, Akquisitionen und Restrukturierungen habe man jedoch die Weichen gestellt, um sich in einem weiterhin herausfordernden Umfeld zu behaupten und wieder organisch zu wachsen.
Quelle: RNZ – Ausstieg bei Brennstoffzellen kostet 600 Jobs bei Freudenberg







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