PWC-Analyse: Elektro-Bus setzt sich zunehmend durch

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Daniel Krenzer
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Elektro-Busse sind in Deutschland inzwischen bereits Normalität auf den Straßen, während Wasserstoff-Busse mit Brennstoffzellen weiterhin nur eher selten genutzt werden – das zeigt eine aktuelle Veröffentlichung von PWC. Das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsnetzwerk PricewaterhouseCoopers International hat im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) der vorherigen Bundesregierung eine begleitende Untersuchung zur Förderung von Elektro-Bussen im Öffentlichen Personennahverkehr vorgenommen und nun im „E-Bus-Radar 2026“ Ergebnisse daraus sowie aus weiteren Untersuchungen veröffentlicht.

Die Entwicklung, Busse für die öffentliche Personenbeförderung zu elektrifizieren, gewinnt demnach deutlich an Tempo. „Fast jeder zweite Stadtbus, der 2025 in Dienst genommen wurde, fährt elektrisch. Insgesamt sind inzwischen 4752 emissionsfreie Busse auf Deutschlands Straßen im Einsatz, verteilt auf 222 Städte und Regionen“, heißt es im Bericht. Somit seien Elektrobusse aus der Pilotphase entwachsen und als etablierte Beschaffungsoption für Verkehrsunternehmen zu betrachten. „Neben der weiterhin hohen Bedeutung verlässlicher Förderstrukturen gewinnen mit zunehmender Marktreife Themen wie Standardisierung, Beschaffungsprozesse und wirtschaftliche Betriebskonzepte an Gewicht“, schreibt PWC. Auch die Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen und die Sicherstellung der erforderlichen Energieversorgung erforderten jedoch weiter hin große Anstrengungen.

Von den knapp 4800 E-Bussen in Deutschland wurden im vergangenen Jahr allein 1397 in Betrieb genommen, was nahezu 30 Prozent des Bestandes entspricht. Bundesweit wurden 2025 insgesamt etwa 2900 Busse für den ÖPNV neu zugelassen, sodass E-Busse mehr als 48 Prozent aller Neufahrzeuge ausmachten. 4034 Busse auf deutschen Straßen waren Ende 2025 einzig mit einer Antriebsbatterie ausgestattet (85 Prozent aller E-Busse), hinzu kommen 628 Brennstoffzellen-Busse (13 Prozent) sowie 90 Oberleitungsbusse (2 Prozent).

Hamburg setzt voll auf E-Busse

Fast jeder vierte Elektrobus in Deutschland ist in Nordrhein-Westfalen unterwegs (1113). Dahinter folgt die Pionierregion Hamburg mit 709 E-Bussen gefolgt vom viel größeren Bayern mit 598 E-Bussen. Beim Städte-Ranking folgen auf den unangefochtenen Spitzenreiter Hamburg die Hauptstadt Berlin (277) und Köln (118 Stadt Köln, 129 Regionalverkehr Köln) auf den nächsten Plätzen. Die meisten Brennstoffzellen-Busse (inklusive E-Bussen mit H2-Range-Extender) sind im Regionalverkehr Köln (127) in Rostock (71) und Wuppertal (52) unterwegs. Zumindest in Deutschland ein Exot ist zudem Solingen mit 66 Oberleitungsbussen.

Zumindest die bayerische Landeshauptstadt München will bei E-Bussen aber deutlich aufholen. Bis 2035 sollen dort voraussichtlich 314 E-Busse unterwegs sein, was dann Platz drei im Städte-Ranking bedeuten würde. Zu diesem Zeitpunkt werden laut PWC für Berlin aber bereits 1323 E-Busse und für Hamburg sogar 1484 E-Busse im Bestand erwartet.

Getrieben wird die Anschaffung emissionsfreier Stadtbusse auch vom Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz. Dieses verpflichtet Verkehrsunternehmen zu verbindlichen Beschaffungsquoten. Dass dies nicht der einzige Treiber ist, zeigt aber der Umstand, dass auch immer mehr Überlandbusse elektrifiziert werden, obwohl dazu noch keine Quoten bestehen. Allerdings spielen auch die CO2-Flottengrenzwerte der EU für die Bushersteller hinein, die dadurch mehr oder minder gezwungen sind, attraktive emissionsfreie Fahrzeuge auf den Markt zu bringen.

Aufgrund der Quoten ist davon auszugehen, dass in diesem Jahr allein knapp 1000 neue emissionsfreie Busse in Deutschland zugelassen werden dürften – plus denjenigen, die Verkehrsunternehmen freiwillig zusätzlich anschaffen. Denn trotz zunächst hoher Anschaffungskosten selbst bei entsprechender Förderung stellt ein E-Bus für Verkehrsunternehmen spätestens dann eine wirtschaftlich attraktive Alternative da, wenn man entsprechende eigene Ladeinfrastruktur geschaffen hat. Im Zuge der aktuellen weltweiten Energiekrise dürfte dies für noch mehr Verkehrsunternehmen gelten als bislang. Ohne Förderung kostet ein E-Bus aktuell noch fast doppelt so viel wie ein entsprechender Verbrenner-Bus, doch mit zunehmender Produktionszahl und Skalierung sollte sich der Preis wie bereits bei Elektroautos zunehmend angleichen.

Anteil von Wasserstoff-Bussen dürfte sinken

Etwa 90 Prozent der aktuellen E-Bus-Flotte in Deutschland teilen sich PWC zufolge sechs Hersteller auf. Mercedes-Benz (Daimler) stellt mit 1853 E-Bussen inklusive 94 Brennstoffzellen-Bussen die meisten Fahrzeuge, es folgen Solaris (387 E-Busse, 348 Wasserstoff-Busse), MAN (723), VDL (405), Ebusco (312) und der chinesische Hersteller BYD (247).

PWC betont, dass die Neuanschaffungen von Wasserstoff-Bussen 2025 zwar deutlich angestiegen sind, dies aber noch auf älteren Anschaffungsentscheidungen beruht. Denn in der Betrachtung wurden auch die in den kommenden Jahren weiter geplanten Neuanschaffungen von Bussen näher betrachtet. Und hier liegen die batterieelektrischen Busse ganz klar vorne. Rechnet man die bereits fest eingeplanten Neuanschaffungen zusammen, so kommt man nach 2030 auf einen Bestand von dann 12.829 Batteriebussen und 1493 Wasserstoff-Bussen, deren Anteil im Bestand demnach auf etwa zehn Prozent sinken dürfte. Hinzu kommen freilich die zum Untersuchungszeitpunkt noch nicht fest geplanten neuen Busse.

„In den kommenden Jahren werden insbesondere die Aspekte des Energiebezugs und der Speicherung im Rahmen des wirtschaftlichen E-Bus-Betriebs und des flächendeckenden Ausbaus der notwendigen Infrastrukturen im Fokus stehen“, stellt PWC in seinem Fazit fest. Auch die Dekarbonisierung des Überlandverkehrs werde in den kommenden Jahren weiter stark an Bedeutung gewinnen.

Quelle: PWC – E-Bus-Radar 2026

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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