Comeback des deutschen Start-ups Ego Mobile

Comeback des deutschen Start-ups Ego Mobile
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Ego Mobile

Hannes Dollinger
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Ego Mobile hat in den letzten Jahren eine turbulente Reise durchlebt. Gegründet in Aachen mit dem Ziel, ein bezahlbares Elektroauto für den städtischen Gebrauch zu entwickeln, hat das Unternehmen sowohl Höhen als auch Tiefen erlebt. Nach der Einführung ihres ersten Modells, dem Ego Life, führten finanzielle Schwierigkeiten und die Auswirkungen der Corona-Pandemie zur Insolvenz. Doch trotz dieser Rückschläge hat Ego Mobile einen Weg gefunden, sich neu zu positionieren – und mit einer neuen Finanzierung will man nun in die Zukunft starten.

Im Jahr 2015 wurde in Aachen ein ambitioniertes Start-up gegründet, das die Elektroautomobilindustrie revolutionieren wollte. Ego Mobile, ein Spin-off des Werkzeugmaschinenlabors WZL der Hochschule RWTH Aachen, hatte das Ziel, ein bezahlbares und effizientes Elektroauto für den städtischen Gebrauch zu entwickeln. Das erste Modell, der Ego Life, wurde im März 2017 vorgestellt und konnte seit Mai 2017 vorbestellt werden. Die Auslieferung begann im Mai 2019.

Der ADAC beschreibt den Ego Life in seinem Test als ein besonders ökonomisches und umweltfreundliches Elektroauto, das beweist, dass ein kleines und kostengünstiges Elektroauto nicht auf Komfort und Fahrspaß verzichten muss. Mit einer Länge von 3,35 Metern ist der Ego Life kürzer als vergleichbare Modelle wie der Renault Twingo Electric oder der VW e-Up, was ihn ideal für die Stadt macht. Die Höchstgeschwindigkeit des Ego Life ist auf maximal 122 km/h begrenzt. Die Beschleunigung von null auf 50 km/h dauert laut Hersteller 4,3 Sekunden. Die Reichweite sollte für den Stadtverkehr ausreichen, 120 Kilometer waren vielen vielleicht aber doch zu wenig. Und ein Preis um die 25.000 Euro für ein so kleines Auto erschien vielen wohl zu hoch. Trotz der beachtlichen Leistung für ein Start-up made in Germany, ein solches Fahrzeug zu produzieren, verkaufte sich der Ego Life bis heute nur etwa 1300 Mal.

Dazu kam die Corona-Pandemie und damit verbunden auch Produktionsprobleme. Trotz der positiven Resonanz auf den Ego Life geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Im Juli 2020 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Unternehmen stand kurz vor dem Aus. Um die Insolvenzmasse zu schonen, setzte das Unternehmen zunächst die Produktion sowie alle Entwicklungstätigkeiten aus. Für die betroffenen Mitarbeiter wurde Kurzarbeit vorgesehen.

Doch es sollte weiter gehen. 2022 hat das Unternehmen zwei neue Modelle vorgestellt: den Ego E.Wave X und den Ego E.Xpress. Der E.Wave X ist eine Offroad-Version des Ego Life, der mit diversen Anbauteilen, einem verbesserten Antrieb und einem großen 23-Zoll-Display ausgestattet ist. Mit 86 kW Leistung und 163 km Reichweite (WLTP) hat man an den Schwächen des Fahrzeugs gearbeitet. Der Ego E.Wave X kann über die Website des Unternehmens zu einem Preis von 24.990 Euro bestellt werden.

Der E.Xpress hingegen ist eine Kleinsttransporter-Variante, die als Stadtlieferwagen für die letzte Meile konzipiert ist. Beide Modelle stehen sinnbildlich für die Innovationskraft von Ego Mobile und den Fokus auf das Ziel, effiziente und kostengünstige Elektrofahrzeuge für verschiedene Anwendungsbereiche zu entwickeln.

Frische 75 Millionen US-Dollar

Jetzt konnte das Unternehmen erfolgreich verkünden, dass es eine Fremdfinanzierung in Höhe von 75 Millionen US-Dollar (knapp 67 Millionen Euro) durch Western Asset eingenommen hat. Mit der neuen Finanzierung hat Ego Mobile große Pläne. Man plant, das Geschäft auf den internationalen Markt auszuweiten und bereitet die Notierung an der New Yorker Börse vor. Darüber hinaus hat Ego Mobile eine neue Produktionsstrategie entwickelt und engagiert sich lokal an den Produktionsstätten durch die Unterstützung von Initiativen zur Förderung der Elektromobilität. Mit diesem Credo will sich Ego Mobile als nachhaltiges Unternehmen positionieren und sich attraktiver machen.

Bei der Produktion liege ein besonderer Fokus auf dem E.Wave X. Außerdem ist für 2023 auch ein neuer Ego Life mit einer Reichweite von 252 Kilometern angekündigt.

Die Zukunft von Ego Mobile sieht also vielversprechend aus. Das deutsche Start-up scheint sich von seinen anfänglichen Schwierigkeiten erholt zu haben. Mit der neuen Finanzierung und der fortgesetzten Produktion des E.Wave X hat das Unternehmen sich wieder in die Spur gebracht. Innovative Ideen in der Produktion und die internationale Ausrichtung sind der richtige Schritt. Und wir können hoffen, dass in Zukunft mehr Ego Fahrzeuge auf den Straßen zu sehen sind.

Quellen: ADAC / Ego Mobile: Pressemitteilung

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Hannes Dollinger

Hannes Dollinger

Hannes Dollinger schreibt seit Februar 2023 für Elektroauto-News.net. Profitiert hierbei von seinen eigenen Erfahrungen aus der Welt der Elektromobilität.

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