China fordert: Elektroauto-Technologie muss im Land bleiben

China fordert: Elektroauto-Technologie muss im Land bleiben
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 2 min

China dränge seine Autohersteller, ihre Technologien für Elektroautos im Land zu halten, wie BNN Bloomberg berichtet. Dies soll wohl selbst dann gelten, wenn Unternehmen wie BYD und Chery auch Fabriken im Ausland errichten, um hohe Zölle auf chinesische Exporte zu umgehen. Die Regierung ermutige die Hersteller, sogenannte Knock-Down-Kits zu nutzen. Das bedeutet, dass wichtige Teile der Autos in China gefertigt und zur Endmontage ins Ausland verschickt werden, wenn man dem Bericht sowie den Insidern, die die Informationen geliefert haben, Glauben schenken darf.

Bekannt sei, dass sich im Juli Vertreter des chinesischen Handelsministeriums mit über einem Dutzend Autoherstellern trafen. Dabei soll unter anderem klargestellt worden sein, dass keine Investitionen in Indien erwünscht seien. Diese Maßnahme zielt darauf ab, das Wissen und die Technologien der chinesischen Elektroauto-Industrie zu schützen und regulatorische Risiken zu minimieren, wie eine mit der Situation vertraute Person wohl zu verstehen gab. Wer in der Türkei investieren wolle, müsse dies wohl vorher dem Ministerium für Industrie und Informationstechnologie und der chinesischen Botschaft in der Türkei melden.

Die bisher nicht offiziell bestätigen Anweisungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem viele chinesische Hersteller versuchen, ihre Produktion zu lokalisieren und Zölle zu vermeiden. Die Forderung, zentrale Produktionsschritte in China zu belassen, könnte jedoch die globalen Expansionspläne der Unternehmen behindern. In einem stark umkämpften Markt mit stagnierenden Verkäufen im Inland suchen die Hersteller nach neuen Kunden weltweit. Die Richtlinien könnten auch für europäische Länder, die auf Investitionen chinesischer Unternehmen hoffen, ein Rückschlag sein.

Einige chinesische Autohersteller haben bereits Werke in der EU eröffnet, um Zölle zu umgehen. Valdis Dombrovskis von der Europäischen Kommission betonte jedoch, dass dies nur dann erfolgreich sei, wenn die Unternehmen die Ursprungsregeln erfüllen, die einen Mindestanteil der Wertschöpfung in der EU verlangen.

Zwischen China und Indien herrschen weiterhin Spannungen, besonders seit einem Grenzkonflikt im Jahr 2020. Der chinesische Hersteller SAIC Motor, der MG Motor India kontrolliert, geriet 2022 wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten in die Schlagzeilen. Infolgedessen hat SAIC seine Beteiligung reduziert und plant, seinen Anteil an MG Motor India weiter zu verringern.

Quelle: BNN Bloomberg – China Asks Its Carmakers to Keep Key EV Technology at Home

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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