Automobil-Analyst Matthias Schmidt hat die E-Auto-Zulassungen von Januar bis Ende Dezember 2025 nach Segmenten sortiert. Aus dieser Perspektive fällt weniger eine einzelne Marke auf, sondern ein Muster: Der Markt wächst dort, wo Preis und Nutzung zusammenpassen. Gleichzeitig bleibt das SUV-Format der große Stabilitätsanker. Die Daten zeigen außerdem, wie stark Förderprogramme und Modellzyklen das Bild in einzelnen Monaten drehen können.
Kleinere Autos gewinnen an Boden, wobei die Stückzahlen in den Einstiegssegmenten aber noch überschaubar bleiben. Der Trend hängt eng mit Batterien zusammen. Geringere Kapazitäten reichen vielen Menschen im Alltag, senken aber Kosten und Gewicht deutlich. Das stützt die Marktrolle von kleinen Modellen, die früher als zu teuer galten. Am anderen Ende des Spektrums stehen große Crossover, die mit ihrer Karosserieform weiterhin die größte Käuferbasis anziehen.
Im A-Segment prägen vor allem in China produzierte Modelle das Geschehen. Leapmotors T03 legte im Dezember sichtbar zu und kam auf 3600 Auslieferungen. Italien spielte dabei eine zentrale Rolle, denn über 60 Prozent des regionalen T03-Volumens landete dort. Ein wichtiger Punkt: Zwischen Bestellung und Auslieferung liegt Zeit. Ein starker Monat kann daher ein Echo früherer Förderimpulse sein. In Italien wurde der T03 zudem mit einem sehr niedrigen Einstiegspreis beworben, der sich aus verschiedenen einkommensabhängigen Prämien und Verschrottungsanreizen speiste.
Auch der Dacia Spring bekam zum Jahresende Rückenwind, diesmal durch den Effekt des französischen Social-Leasing. Über das Gesamtjahr kamen 30.400 Einheiten in der Region zusammen, davon 3050 im Dezember. Rund 40 Prozent dieses Dezember-Volumens entfielen auf Frankreich. Gleichzeitig wirkt der Spring wie ein Auslaufmodell. Ein Nachfolger auf Twingo-Basis aus europäischer Fertigung wird für Ende 2026 erwartet, mit einem Zielpreis ab 18.000 Euro. Bis dahin dürfte Lagerabbau die Zahlen Anfang 2026 noch stützen. Ab Juli 2026 könnten zudem strengere EU-Typgenehmigungsstandards den Druck auf nicht passende Bestände erhöhen.
Wenn Kleinwagen wachsen und Kompakte verlieren
Im B-Segment hält sich der Anteil seit geraumer Zeit in einem Korridor von 10 bis 15 Prozent. 2025 halfen neue Produkte, etwa der Renault 5. Im vierten Quartal kam auch in diesem Segment ein zusätzlicher Schub über das französische Social-Leasing. Für 2026 deuten die Daten auf mehr Rückenwind in diesem Bereich: VW plant mit dem ID. Polo, flankiert von weiteren MEB+-Modellen. Kia setzt auf den EV2, BYD will den Dolphin Surf breiter ausrollen und die Fertigung in Europa starten. Hinzu kommt ein politischer Hebel: Deutschland hat Kaufprämien zwischen 3000 und 6000 Euro wieder eingeführt. Parallel stehen weitere Social-Leasing-Ansätze im Raum, finanziert über EU-Töpfe wie Social Climate und RRF. Eine geplante M1e-Klassifizierung für in Europa gebaute E-Autos könnte solche Förderlinien zusätzlich erleichtern, sofern Parlament und Rat zustimmen.
Ganz anders die Lage im C-Segment. Dort verwässert der Marktanteil im Jahresverlauf. Zu Jahresbeginn lag er laut Auswertung noch bei rund acht Prozent, zum Jahresende nähert er sich sechs Prozent. VW stützte den ID.3 im Heimatmarkt mit hohen Herstellerzuschüssen, sonst hätte der Rückgang wohl stärker gewirkt. Der MG4 kämpft weiter, auch weil sich das Angebot im eigenen Haus verschiebt und interne Konkurrenz durch neue Modelle in 2026 entsteht. Zusätzlich ziehen kompakte SUVs Käufer ab. Modelle wie Škoda Elroq und Kia EV3 treffen die gleiche Preis- und Größenlogik, bieten aber die gefragtere Form.
Im kombinierten D-Segment zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Das Upper-Medium-Volumen endet bei 7,5 Prozent Marktanteil. Teslas Model 3 bleibt übers Jahr das stärkste Modell. Der VW ID.7 kam jedoch bis auf 6500 Einheiten heran und lag im letzten Quartal sogar vor Tesla. Ein weiterer Impuls kommt durch den Mercedes CLA, der das Segment zusätzlich füllt. Firmenflotten spielen hier eine besondere Rolle. Manche Unternehmen begrenzen SUV- und Crossover-Anteile wegen Effizienz- und Verbrauchsvorgaben. Limousine und Kombi werden dadurch zur pragmatischen Alternative, gerade für Dienstwagenprofile.
Dienstwagenlogik, Modellwechsel und die SUV-Dominanz
Im D-Segment-Premium blieb 2025 die Dynamik schwach. Der Grund liegt weniger in der Nachfrage nach Premium, sondern im Produktzyklus. BMW ersetzt den i4 ab 2026 durch ein neues Modell aus München auf Neue-Klasse-Architektur. Der Polestar 2 ist fünf Jahre im Markt und bekommt 2026 eine Überarbeitung. Audi fehlt in dieser Nische, während Mercedes 2026 eine C-Klasse auf neuer Basis bringen will. Daraus ergibt sich ein plausibles Szenario: 2026 steigt das Segment vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlicher.
Im E-Segment dominieren Audi A6 e-tron und Polestar 4. Der A6 führt mit gut 29.800 Neuzulassungen und stellt damit etwa jedes dritte Auto im Segment. Polestar folgt mit 26.100 Einheiten, ein Kombi-Ableger ist für 2026 angekündigt. Beim technischen Profil fällt die 800-Volt-Architektur auf. Produktionsstandorte beeinflussen hier ebenfalls die Wettbewerbsfähigkeit, denn der Polestar 4 kommt aus Korea aus einem Geely-Renault-Horse-Umfeld und umgeht damit direkte EU-Anti-Subventionszollrisiken. Ein steuerlicher Faktor dürfte zusätzlich wirken: Eine Änderung in Deutschland ermöglicht bei Autos unter 100.000 Euro den minimalen geldwerten Vorteil von 0,25 Prozent, was die Dienstwagenattraktivität im Segment erhöht.
Das F-Segment bleibt dagegen in einer Art Pattsituation. Nach dem frühen Erfolg des Taycan findet Luxus rein batterieelektrisch bisher keine breite, stabile Anschlussnachfrage. SUVs und Crossover bleiben am Ende der große Taktgeber. Im Dezember stieg der Anteil wieder Richtung 60 Prozent, gestützt durch die saisonale Model-Y-Auslieferungslogik. Kompakte SUV-Neulinge kommen hinzu, ein günstigeres Model Y unter 40.000 Euro soll 2026 helfen. BMW hält mit dem iX3 in Neue-Klasse-Ausführung den Druck hoch. Volvo kann mit europäischer EX30-Produktion wieder mehr liefern, dazu stehen EX60, Mercedes GLC und GLB als weitere Impulsgeber für 2026 im Raum.
Quelle: Matthias Schmidt – European Electric Car Market Intelligence Study / No. 12/25: Covers Full Year 2025








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