Bei BMW haben Vorstand und Betriebsrat nach ungewöhnlich kurzer Verhandlungszeit eine Einigung über ein umfangreiches Personalstrukturprogramm erzielt. Wie aus Unternehmenskreisen bekannt wurde, sollen rund 8000 Stellen weltweit wegfallen, ein Großteil davon in Deutschland. Vorstandschef Milan Nedeljković und Gesamtbetriebsratsvorsitzender Martin Kimmich stellten die Eckpunkte am Mittwoch bei Betriebsversammlungen an den deutschen Standorten vor. Das Programm soll im Oktober 2026 beginnen und bis Ende 2027 laufen, ab 2028 will der Automobilhersteller dadurch jährlich rund eine Milliarde Euro einsparen.
Im Zentrum des Programms steht ein Angebot von Aufhebungsverträgen an nahezu alle rund 50.000 Beschäftigten in den sogenannten indirekten Bereichen in Deutschland. Dazu zählen Verwaltung, Entwicklung, Einkauf und Kommunikation. Insgesamt beschäftigt BMW hierzulande etwa 80.000 Menschen.
Die Produktion bleibt von den Maßnahmen ausgenommen, da der Konzern für den Hochlauf der Neuen Klasse „jede Hand am Band“ benötige. Neben den Aufhebungsverträgen sollen reguläre Austritte und Altersteilzeit zum Stellenabbau beitragen. BMW betont dabei den freiwilligen Charakter der Angebote und verzichtet nach eigenen Angaben bewusst auf eine selektive Auswahl einzelner Beschäftigter.
BMWs Beschäftigungssicherung bleibt erhalten
Teil der Vereinbarung ist auch eine Verlängerung der bestehenden Beschäftigungssicherung um ein weiteres Jahr, sofern sie nicht gekündigt wird. Sie gilt weiterhin, solange der Konzern einen positiven Vorsteuergewinn erwirtschaftet. Sonderzahlungen wie Urlaubs und Weihnachtsgeld bleiben unverändert bestehen, wobei BMW das Weihnachtsgeld bereits vor zwei Jahren gekürzt hatte.
Die Erfolgsbeteiligung der Belegschaft ist an ähnliche Kennzahlen gekoppelt wie die variable Vergütung des Vorstands, angesichts der Branchenkrise dürfte sie für das laufende Jahr über alle Hierarchieebenen hinweg geringer ausfallen. Für die Umsetzung des Personalprogramms hat der Konzern rund eine Milliarde Euro zurückgestellt, dieser Effekt wird jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte bilanziert und taucht damit noch nicht in den Halbjahreszahlen auf, die BMW am Donnerstag vorlegt.
Produktion bleibt unangetastet
Im Vergleich zur Konkurrenz fällt der Eingriff bei BMW zurückhaltender aus. Porsche hatte kürzlich den Abbau von weiteren 5000 Stellen angekündigt, im gesamten Volkswagen-Konzern stehen sogar 50.000 weitere Arbeitsplätze zur Disposition. Konzernchef Oliver Blume hatte dem Aufsichtsrat zudem Sparpläne vorgelegt, die perspektivisch die Schließung von vier Werken zur Folge haben könnten.
Bei BMW dagegen bleiben die Produktionskapazitäten in Deutschland unangetastet, der Konzern verweist auf eine gute Auslastung seiner Werke. Der indirekte Bereich in der Produktion ist im Verhältnis zu Entwicklung und Verwaltung ohnehin klein, weshalb sich der Stellenabbau fast ausschließlich auf die Zentrale und das Forschungs und Innovationszentrum im Norden Münchens konzentriert.
China bleibt größte Belastung
Auslöser der Sparmaßnahmen ist vor allem die schwierige Lage im China-Geschäft. Lange galt die Volksrepublik als wichtigste Ertragsquelle der deutschen Premiumhersteller, Branchenkennern zufolge stammte in guten Jahren etwa die Hälfte des Gewinns aus dem Markt. Inzwischen tobt dort ein Preiskampf bei Elektroautos, während die Nachfrage nach Verbrennern deutlich zurückgegangen ist.
Hinzu kommen die Folgen des Zollstreits zwischen den USA, Europa und China. Ein Konzerninsider beschreibt die interne Prüfung der Kostenstruktur so: „Man hat jeden Stein umgedreht und geprüft: Ist das noch rentabel?“ Das China-Geschäft selbst ist vom aktuellen Abbauprogramm kaum betroffen, da viele Beschäftigte dort befristet angestellt sind und BMW zahlreiche Verträge bereits im vergangenen Jahr auslaufen ließ. Die Werksauslastung in China liegt Schätzungen zufolge inzwischen nur noch bei 50 bis 60 Prozent.
Wechsel an der Spitze der Personalabteilung
Mit der Umsetzung des Programms wird eine neue Personalvorständin betraut. Dorothea von Boxberg übernimmt das Ressort zum 1. September von Ilka Horstmeier, die die Vereinbarung noch mit ausgehandelt hatte. Für BMW ist die Personalie ungewöhnlich, da die 52-Jährige branchenfremd ist und bislang nicht für den Konzern gearbeitet hat, während alle amtierenden Vorstandsmitglieder zuvor langjährig im Unternehmen tätig waren. Aufsichtsratschef Nicolas Peter würdigte an von Boxberg insbesondere die Führungsstärke für die anstehende strukturelle Transformation des Konzerns.
Die Information der Belegschaft erfolgte einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz an diesem Donnerstag, bei der Nedeljković erstmals als Vorstandsvorsitzender die Zahlen für das erste Halbjahr vorstellt. Bereits Mitte Juni hatte BMW seine Jahresprognose gesenkt und rechnet nun beim Vorsteuergewinn mit einem deutlichen statt einem moderaten Rückgang, für die Marge in der Autosparte erwartet der Konzern nur noch ein bis drei Prozent.
Quelle: Manager-Magazin – BMW streicht 8000 Jobs und siebt im Topmanagement aus / Handelsblatt – BMW baut bis Ende des kommenden Jahres 8000 Stellen ab / Automobilwoche – BMW plant Abbau von 8000 Stellen weltweit









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