BMWs China-Krise: Darum trifft es die Bayern so hart

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Arun Niemann
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Jüngst veröffentlichte Zahlen zum zweiten Quartal zeigen, dass BMW gerade einen massiven Einbruch der Auslieferungen in China verzeichnet. Der Rückgang um 30 Prozent auf 117.815 Fahrzeuge in Q2 bestätigt damit die Gewinnwarnung, die bereits im Juni vom neuen Konzernchef Milan Nedeljković ausgesprochen wurde. Eine Datenanalyse des Handelsblatts auf Basis von Marklines-Daten zeigt klar auf, dass es sich um ein tiefgreifendes, strukturelles Problem handelt.

Besonders drastisch ist der Rückgang bei BMW auch in Bezug auf die Neuzulassungen im chinesischen Markt: Diese haben in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 erstmals seit Corona wieder 200.000 unterschritten und liegen derzeit bei rund 195.000 Fahrzeugen. Zudem ist ein klarer Gegensatz zwischen den Auslieferungen in China und anderen Teilen der Welt sichtbar. Während die Auslieferungen ins Land der Mitte im Q2 wie gesagt um 30 Prozent einbrachen, konnte BMW in Europa einen Anstieg von 7,6 Prozent verbuchen, in den USA stiegen die Auslieferungen sogar um 11,9 Prozent an.

Dabei deutet die Auswertung der Marklines-Daten durch das Handelsblatt darauf hin, dass der Rückgang im chinesischen E-Auto-Geschäft noch drastischer ausfällt. In diesem Marktsektor sind die Neuzulassungen seit 2023 um 71 Prozent eingebrochen und die Produktion von Modellen wie dem i5 musste sogar zeitweise ausgesetzt werden. Auch hier zeigt sich für BMW im chinesischen Markt wieder eine negativere Entwicklung als im globalen Markt. Schließlich stiegen die Elektroauto-Auslieferungen von BMW im letzten Quartal weltweit sogar wieder um über 5 Prozent, was vor allem auch durch den Start des iX3 in Europa angetrieben wurde.

Doch auch der Verbrennermarkt von BMW in China schwächelt. Dabei geht das Interesse unter anderem auch aufgrund der durch den Nahost-Konflikt gestiegenen Kraftstoffpreise zurück. Allein im Mai führte dies laut Branchenverband CPCA zu einem Rückgang der Verbrenner-Neuzulassungen von circa 30 Prozent.

Darum trifft es BMW jetzt härter als Audi und Mercedes

Der Rückgang des Interesses im chinesischen Markt ist für BMW gleich aus mehreren Gründen besonders bitter. Einerseits erwirtschaftete der deutsche Premiumhersteller laut Einschätzungen von China-Berater Thomas Luk in guten Jahren rund 60 Prozent seines Gewinns in China. Allein in dieser Region ist BMW auf mehr als 800.000 Neuzulassungen pro Jahr gekommen; von Januar bis Mai konnte der Konzern dort noch 316.000 Neuzulassungen vorweisen. Die nach den jüngsten Quartalszahlen mehr als 38 Prozent niedrigeren Zahlen treffen den Konzern also aufgrund der Relevanz des Marktes besonders hart.

Andererseits besteht für BMW auch ein klares strukturelles Problem: Das Unternehmen hält nämlich ganze 75 Prozent am für das China-Geschäft verantwortlichen Joint Venture BMW Brilliance. Das ist eine deutlich größere Beteiligung, als Audi und Mercedes an ihren China-Gemeinschaftsunternehmen haben, und belastet BMW dementsprechend überproportional. Dem Bilanzexperten Nikolaj Schmolcke zufolge wird das Joint Venture auch vollständig in die Konzernbilanz einbezogen, was zur Folge hat, dass Verluste hier sich auch in voller Höhe in die BMW-Bilanz niederschlagen.

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Einbruchs für BMW noch einmal deutlich: Lag der Nachsteuergewinn des Joint Ventures in China im Rekordjahr 2023 noch bei 3,2 Milliarden Euro, ist er inzwischen auf nur noch 270 Millionen Euro eingebrochen. Gleichzeitig fiel die Automotive-Ebit-Marge für das Chinageschäft laut Zahlen vom Analysehaus Bernstein von 17 auf aktuell nur noch 7 Prozent. Geringere Nachfrage führt zudem auch zu geringerer Werksauslastung. In Shenyang beläuft sich diese laut Branchenkreisen nur noch auf 50 bis 60 Prozent, was einen klaren Kontrast zu den unter nahezu voller Auslastung laufenden Werken in den USA und Europa darstellt.

BMW muss jetzt dringend gegensteuern

Als Reaktion auf die Einbrüche im chinesischen Markt hat der Vertriebsvorstand Jochen Goller das Händlernetz von BMW in China bereits deutlich verkleinert. Von den einstigen 680 Standorten verbleiben aktuell nur noch 550.

Gleichzeitig setzt man große Hoffnungen auf die Neue Klasse um den iX3 und weitere EV-Modelle. Dieser wurde ja bereits im Rahmen der Automesse in Peking vorgestellt und stößt BMW zufolge auf großen Anklang bei chinesischen Kunden. Die Produktion soll Ende 2026 anlaufen und könnte die Nachfrage im chinesischen Markt in den kommenden Jahren wieder antreiben. Auch ein neues Fahrerassistenzsystem, dass speziell für den chinesischen Markt entwickelt wurde und bis 2027 voraussichtlich in zwölf Modellen verfügbar ist, soll das Chinageschäft in den kommenden Jahren stärken.

In jedem Fall erbt der erst seit der letzten Hauptversammlung am 13. Mai 2026 im Amt befindliche Konzernchef Nedeljković damit eine große Baustelle. Der Erfolg von BMWs Neuer Klasse am chinesischen Markt wird entscheidend dafür sein, ob es dem Unternehmen gelingt, den Negativtrend umzukehren.

Quellen: Handelsblatt – So groß ist das China-Problem von BMW / BMW Group – Growth in the US and Europe, positive sales momentum driven by Neue Klasse models

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Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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