Die nächste Generation des BMW 1er soll 2028 auf den Markt kommen – und stark auf Elektromobilität setzen. Neben Varianten mit Verbrennungsmotor und Hybridantrieb wird es eine eigenständige Elektroversion auf Basis der Neue Klasse-Technologien geben. BMW will mit dem neuen Kompaktmodell insbesondere jüngere Kundengruppen in wichtigen europäischen Märkten erreichen.
Oliver Heilmer, bei BMW für das Design der Kompaktmodelle verantwortlich, bezeichnete den 1er in einem Gespräch mit der britischen Autocar als eine der „tragenden Säulen der Marke“. Der aktuelle Einstiegs-BMW ist ausschließlich mit Verbrennungsmotoren erhältlich. Mit der vierten Generation soll sich das stark ändern: Wie bereits beim neuen 3er und beim i3 wird die Elektroversion auf einer eigenen Plattform stehen, optisch und markentechnisch aber eng mit den Versionen mit Verbrennungsmotor verbunden bleiben.
Damit erhält BMW ein wichtiges Gegenstück zu den kommenden Elektro-Kompaktmodellen von Mercedes und Audi – insbesondere zum neuen Mercedes A-Klasse-Nachfolger und zum Audi A2 E-Tron. Während Mercedes und Audi bei ihren künftigen Einstiegsmodellen offenbar stärker auf eine hochbauende, fast schon Minivan-artige Karosserie setzen, bleibt BMW dem klassischen Hatchback-Format treu. Gleichzeitig soll der neue 1er die Designmerkmale der Neue Klasse aufgreifen. Diese wurden erstmals beim neuen iX3 und beim kommenden elektrischen i3 sichtbar.
Der Marktstart ist für 2028 vorgesehen – vier Jahre nach der letzten umfangreichen Überarbeitung der aktuellen Generation. Der Zeitpunkt passt zudem in BMWs Strategie, die Einführung der Neue-Klasse-Modelle innerhalb der kommenden zweieinhalb Jahre weitgehend abzuschließen.
Während sich zahlreiche Hersteller aus dem Klein- und Kompaktwagensegment zurückziehen und ihre Modellprogramme auf größere, margenstärkere Fahrzeuge konzentrieren, hält BMW am 1er fest. Das gilt trotz des anhaltenden Trends zu SUVs und Crossovern. Der Grund ist simpel: Der 1er verkauft sich gut. Im vergangenen Jahr fanden weltweit knapp 200.000 Exemplare einen Käufer, was rund 10 Prozent von BMWs Gesamtabsatz entspricht. Auch BMW-Produktchef Bernd Körber hatte gegenüber Autocar bereits erklärt, dass der klassische 1er Hatchback weiterhin einen festen Platz im Modellprogramm habe.
Vor allem in Märkten wie Italien und Frankreich sei das Modell von großer Bedeutung. Körber formulierte es entsprechend deutlich: Wer weltweit erfolgreich sein wolle, müsse sich um Märkte kümmern, in denen der 1er einen besonders hohen Anteil am BMW-Geschäft ausmacht. Gleichzeitig erfüllt das Modell eine zweite wichtige Funktion: Es soll neue und vor allem jüngere Kunden an die Marke heranführen. „Wenn man die Marke jung halten und Kunden innerhalb des eigenen Portfolios weiterentwickeln will, ist der 1er sehr wichtig“, so Körber.
Radikaler Neuanfang beim Design
Beim Design steht für die vierte Generation eine deutlich größere Veränderung an. Der neue 1er wird sich klar am gestalterischen Neuanfang der Neuen Klasse orientieren. Dabei will BMW allerdings nicht den Fehler machen, sämtliche Baureihen über einen einheitlichen Look miteinander zu verbinden: Designer Heilmer betont, die Formensprache der Neuen Klasse setze bewusst keine engen Grenzen. Es gehe weniger um ein festes Set an Gestaltungselementen als um eine grundsätzliche Haltung.
Das Ziel: Jede Baureihe soll ihren eigenen Charakter bekommen. Ein BMW müsse deshalb nicht einfach die Gestaltung des iX3 übernehmen und auf andere Modelle übertragen. Stattdessen sollen die einzelnen Fahrzeuge emotionaler und eigenständiger wirken. Die Neue Klasse sei damit eher ein gestalterisches Mindset als ein festgeschriebenes Designrezept. Ob das beim neuen 1er einen kompletten Neustart auf einem weißen Blatt Papier bedeutet, wollte Heilmer allerdings nicht bestätigen. „Nicht in diesem Sinne“, lautet seine Antwort. Gleichzeitig müsse man bei einem solchen Projekt immer offen für neue Ansätze bleiben.
Die wesentlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Baureihen sollen künftig vor allem über die Gestaltung der BMW-Niere, die jeweilige Silhouette und die Behandlung der Karosserieflächen entstehen. Das entspricht durchaus der bisherigen BMW-Strategie. Die Marke habe traditionell darauf geachtet, ihre Modellreihen klar voneinander zu unterscheiden, so Heilmer. Einen kleinen BMW, der lediglich wie ein geschrumpfter 7er aussieht, habe es schließlich nie gegeben.
Genau diese Eigenständigkeit will BMW auch in der Neuen Klasse bewahren. Der neue 1er soll deshalb zwar eindeutig als Teil der neuen BMW-Designfamilie erkennbar sein, gleichzeitig aber einen eigenen Charakter entwickeln. Auf das Ergebnis darf man also gespannt sein.
Quelle: Autocar – BMW 1 Series to return to RWD with new 322bhp EV








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