Wie BMW seine E-Auto-Fertigung weltweit aufstellt

Wie BMW seine E-Auto-Fertigung weltweit aufstellt
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Das Produktionsnetzwerk der BMW Group kann an allen Standorten verschiedene Antriebsarten und Modellvarianten auf einem Band fertigen – vom Verbrennungsmotor über Plug-in-Hybride bis hin zu vollelektrischen Antrieben. Ein Mix aus Werkesplits – ein Modell wird an verschiedenen Standorten gefertigt –, Abtauschflexibilität bei den Antriebsvarianten und eine geschickte Zuordnung bei Fahrzeug-Konzepten sorge für eine gute Auslastung der Standorte, wie BMW in einer aktuellen Mitteilung erklärt.

Die Vorreiter der Elektromobilität im weltweiten Produktionsnetzwerk der BMW Group sind die deutschen Werke: An den Standorten in München, Dingolfing, Regensburg und Leipzig wird neben traditionellen Antriebsformen jeweils mindestens ein vollelektrisches Modell für den Weltmarkt produziert. Auch in einem volatilen Umfeld wächst die BMW Group damit an ihren Heimatstandorten und hat dort im vergangenen Jahr über eine Million Automobile gefertigt, 16 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Das Volumen der BMW Group steht damit für ein Viertel der gesamten Automobilproduktion in Deutschland.

Die Elektromobilität hält aber nicht nur in den deutschen Werken Einzug. Die chinesischen Werke der BMW Group haben ebenfalls vollelektrische Fahrzeuge im Produktionsportfolio. Die Elektrifizierung des Werks Spartanburg in den USA steht bereits in den Startlöchern. Dort sollen ab Ende 2026 neben dem bestehenden Produktionsportfolio auch Elektroautos gefertigt werden. Und ab 2027 sollen im Werk San Luis Potosí in Mexiko die E-Autos der Neuen Klasse anlaufen.

Als einer der Pioniere der E-Mobilität, der schon 2013 sein erstes E-Auto ins Portfolio aufgenommen hat, hat die BMW Group frühzeitig erkannt, dass der Hochlauf nicht linear, sondern mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten verlaufen wird. So setzt BMW in der ersten Phase des Hochlaufs vor allem auf Flex-Werke, die sowohl Autos mit Verbrennungsmotor fertigen können als auch solche mit Elektroantrieb. Damit will das Unternehmen dafür sorgen, dass es bei unterschiedlichen Marktsituationen lieferfähig bleibt und die einzelnen Standorte gut ausgelastet sind.

BMW rechnet 2030 mit 50:50 bei E-Autos und Verbrennern

Mit zunehmender Elektrifizierung des Produktportfolios wandelt sich auch die Werkewelt. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts rechnet die BMW Group beim Absatz mit einer etwa hälftigen Verteilung von Elektroautos und Verbrennern. Daher werden das Werk in Debrecen in Ungarn und auch das prestigeträchtige Stammwerk in München als erste Standorte rein auf vollelektrische Fahrzeuge ausgelegt und sorgen damit für eine stärkere Elektrifizierung im Netzwerk. In dem neuen Werk im Debrecen läuft noch in diesem Jahr die vollelektrische Neue Klasse mit dem neuen iX3 an. Nach Abschluss des Umbaus wird das Stammwerk in München ab 2027 ebenfalls nur noch vollelektrische Fahrzeuge bauen.

BMW-München-Stammwerk-Umbau
Aktuell noch Baustelle, bald ein reines E-Auto-Werk: Das Stammwerk von BMW in München / BMW

Die Abtauschflexibilität ist auch bei rein auf E-Autos ausgelegten Werken gegeben: Mix-Verschiebungen in den Antriebsvarianten werden dann im Netzwerk realisiert. So könne das Produktionsnetzwerk agil unterschiedliche Szenarien für den weiteren Hochlauf der E-Mobilität abbilden.

Flexibel bis kurz vor Produktion

Neben der Abtauschflexibilität zeichnet sich die Produktion bei BMW durch weitere Flexibilitätsbausteine aus. Die Orderflexibilität erlaubt es Kunden, bis zu sechs Tage vor Produktionsstart die Konfiguration ihres bestellten Autos noch anzupassen. Die Volumenflexibilität basiert auf flexiblen Arbeitszeitmodellen an den Standorten, die stetig weiterentwickelt werden. Diese beinhalten kurzfristige Instrumente, wie Schichtverlängerungen und Pausendurchläufe, aber auch mittelfristige Umstellungen der Schichtmodelle. So wurde im vergangenen Jahr in den Werken in Regensburg und Leipzig jeweils eine dritte Schicht eingeführt.

Die Werkebelegung, also die Entscheidung, welche Modelle in welchen Werken produziert werden, folgt zunächst dem Kriterium der Marktnähe. So ist das US-amerikanische Werk Spartanburg das Kompetenzzentrum für die X-Modelle, da die SUV der BMW Group dort ihren Hauptabsatzmarkt haben. Produktions- und Absatzvolumen lagen 2024 bei jeweils knapp 400.000 Einheiten. Fast 50 Prozent aller in den USA verkauften BMW wurden 2024 im Werk Spartanburg gebaut.

Der Markt in China steht für mehr als ein Viertel des Gesamtabsatzes der BMW Group. Die Region ist damit so groß, dass in dem Gemeinschaftsunternehmen BMW Brilliance Automotive (BBA) fast ausschließlich Autos für den lokalen Markt gefertigt werden. Auch hier liegen das Absatz- und Produktionsvolumen auf dem gleichen Niveau (Absatz 2024: 715.159; Produktion 2024: 695.579). Knapp 90 Prozent der lokalen Produktion werden auch in China abgesetzt.

In den deutschen Werken München, Regensburg und Leipzig werden Autos der unteren und Kompakt-Klasse gebaut, die überwiegend in Europa abgesetzt werden. München etwa wird die 3er-Limousine der Neuen Klasse produzieren. An weiteren Standorten wie Südafrika und Mexiko werden außerdem Vorteile durch bestehende Freihandelsabkommen genutzt.

Die globale Wertschöpfungsverteilung der BMW Group bildet eine wichtige Grundlage für die Resilienz ihres Gesamtsystems, das damit handels- und geopolitisch robuster wird. Außerdem sind Risiken durch Währungsschwankungen geringer.

Quelle: BMW – Pressemitteilung vom 27.02.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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