Aus Sicht der Energiewirtschaft fehlt es in Deutschland längst nicht mehr an öffentlichen Ladepunkten, sondern vor allem an einer verlässlichen Politik für einen stärkeren Hochlauf der Elektroautos. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert deshalb dauerhafte steuerliche Vorteile, stabile EU-Vorgaben und eine langfristig angelegte Elektromobilitätsstrategie.
Die bisherige Förderpolitik müsse zu einer „nachhaltigen, dauerhaften Rahmensetzung“ weiterentwickelt werden, erklärt BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae laut Pressemitteilung. Statt wechselnder Kaufprämien und kurzfristiger Programme brauche Deutschland eine Elektromobilitätspolitik aus einem Guss, die konsequent auf steuerliche Vorteile setze. Nachbarländer hätten gezeigt, dass sich solche Instrumente bewähren könnten. Welche Steuern konkret gesenkt oder welche Vergünstigungen ausgeweitet werden sollen, lässt der Verband allerdings offen.
Zugleich richtet der Verband seine Forderungen an die Bundesregierung und deren Position in Brüssel. Eine weitere Lockerung der europäischen CO₂-Flottengrenzwerte würde aus Sicht des BDEW dem notwendigen Hochlauf der Elektromobilität entgegenstehen. Die Bundesregierung müsse sich in den Verhandlungen über das EU-Automobilpaket daher für eine faire Gesamtlösung zugunsten der Elektromobilität einsetzen.
Das von der EU-Kommission Ende 2025 vorgestellte Automobilpaket sieht für die Zeit nach 2035 mehr Flexibilität vor. Statt einer vollständigen Reduzierung der Auspuffemissionen um 100 Prozent sollen Automobilhersteller nach dem derzeitigen Vorschlag nur noch 90 Prozent direkt über ihre Neuwagenflotten erreichen müssen. Die übrigen Emissionen könnten unter anderem durch E-Fuels, Biokraftstoffe oder kohlenstoffärmeren Stahl ausgeglichen werden.
Nächste Lademöglichkeit im Schnitt fünf Minuten entfernt
Damit droht aus Sicht der Energiewirtschaft ein politisches Signal, das nicht zu den erheblichen Vorleistungen der Ladebranche passt. Unternehmen hätten im Vertrauen auf stabile Rahmenbedingungen investiert und das Ladeangebot deutlich schneller ausgebaut als derzeit benötigt.
Als Beleg verweist der BDEW auf inzwischen 204.078 öffentlich zugängliche Ladepunkte im Register der Bundesnetzagentur. Rund 26 Prozent davon sind Schnellladepunkte. Innerhalb eines Jahres sei das Angebot um 16 Prozent gewachsen, wobei insbesondere die Zahl der Ultraschnelllader mit mindestens 150 kW deutlich gestiegen sei. Mehr als 80 Prozent aller öffentlichen Ladepunkte werden demnach von Mitgliedsunternehmen des Verbandes betrieben.
Obwohl zum Jahresbeginn 2026 erstmals mehr als zwei Millionen Elektroautos in Deutschland zugelassen waren, liege die durchschnittliche Auslastung der öffentlichen Ladepunkte weiterhin bei lediglich rund zwölf Prozent. Im Durchschnitt sei die nächste öffentliche Lademöglichkeit innerhalb von etwa fünf Minuten Fahrzeit erreichbar.
Deutschland erfüllt nach Angaben des BDEW auch die mengenbezogenen europäischen Vorgaben zur öffentlich verfügbaren Ladeleistung deutlich. Die EU-Verordnung AFIR verlangt je zugelassenem reinem Elektroauto mindestens 1,3 kW und je Plug-in-Hybrid mindestens 0,8 kW öffentlich zugängliche Ladeleistung.
Quelle: BDEW – Pressemitteilung vom 24. Juli 2026









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