Nachdem der VW-Konzernchef Oliver Blume einen drastischen Sparplan vorgelegt hatte, um den Autohersteller aus der Krise zu führen, war vor allem auch das Audi-Werk Neckarsulm in den Fokus geraten, dessen weitere Belegung Blume in seinem Plan infrage stellt.
Erst am Montag hatte Audi als Folge des schwächsten Halbjahres seit 2021 die Jahresprognose nach unten korrigieren müssen. Der erwartete Umsatz liegt nun nur noch bei 58 bis 63 Milliarden Euro und damit 5 Milliarden niedriger als ursprünglich antizipiert. Auch die Renditeerwartung musste um einen Prozentpunkt auf 5 bis 7 Prozent gekappt werden, nachdem sie im ersten Halbjahr lediglich bei 3,8 Prozent gelegen hatte.
Rettungsansätze für Neckarsulm werden diskutiert
Vor dem Hintergrund dieser schlechten Zahlen sucht man jetzt mit Hochdruck nach Wegen, um die drohende Schließung des 57 Jahre alten Standorts abzuwenden. Insidern zufolge wird dafür derzeit unter anderem eine weitere Verringerung der Produktionskapazität von 225.000 auf 150.000 Einheiten jährlich diskutiert. Damit hätte sich die Kapazität im Verlauf der letzten sieben Jahre halbiert.
Einen weiteren möglichen Hebel könnte zudem auch der Abbau von Doppelstrukturen außerhalb der eigentlichen Produktion darstellen. Schließlich unterhalten Neckarsulm und Ingolstadt bisher beide eigene Personalabteilungen und Neckarsulm zusätzlich noch eine Abteilung zur technischen Entwicklung, die allein bereits auf 600 Mitarbeitende kommt. Insider sprechen von einem Einsparpotenzial von circa 1000 Arbeitsplätzen, das durch den Abbau dieser Doppelstrukturen erreicht werden könnte.
Auch am Hauptstandort Ingolstadt prüft man laut Beteiligten eine Reduzierung der Produktionskapazität von 450.000 auf unter 400.000 Fahrzeuge. Allerdings sollte es dabei laut Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger nicht zu einem „Gegeneinander der beiden deutschen Standorte“ kommen.
Dem Werk in Neckarsulm fehlen Elektroautos
Im Gegensatz zum Hauptwerk in Ingolstadt fehlt in Neckarsulm bisher eine Produktion von E-Autos. Stattdessen laufen dort hauptsächlich die Verbrenner A5, A6, A7 und A8 vom Band. Während diese Positionierung während der E-Auto-Flaute von 2022 bis 2024 noch ein Vorteil für den Standort war, verschlechtert sich die Situation für Neckarsulm wieder deutlich – nun, da die Nachfrage nach Elektroautos wieder anzieht.
Bisher gibt es keine weiteren Belegungspläne für den Standort, und auch eine Neuausrüstung für weitere Verbrennermodelle dürfte nach 2034 kaum noch wirtschaftlich sein. Daher suchen Arbeitnehmervertreter nach E-Autos, die in naher Zukunft in Neckarsulm gefertigt werden könnten. Dabei verweisen sie darauf, dass Audi mit jährlich rund 700.000 Autos in Europa deutlich weniger verkauft, als die Werke in Ingolstadt, Neckarsulm und Győr mit ihrer Kapazität von insgesamt 850.000 Autos pro Jahr zulassen würden.
Zeitgleich lässt Audi jedoch die Modelle Q4 e-tron sowie Q7, Q8 und künftig Q9 in den VW-Werken in Zwickau und Bratislava bauen. Während „Volkswagen bei der Produktion mit etwa 150.000 Fahrzeugen jährlich“ gesponsert werde, habe man selbst bereits Personalmaßnahmen ergriffen und ein Werk in Brüssel geschlossen, so ein Audi-Entscheider. Daher seien jetzt erstmal andere an der Reihe, wenn es ums Sparen geht.
Am 9. Juli hatte Blume dem Aufsichtsrat Sparpläne präsentiert, aus denen rein rechnerisch hervorgeht, dass es zum Abbau von 55.000 bis 70.000 Stellen und der Schließung der Werke in Neckarsulm, Zwickau, Emden und Hannover kommen könnte. Der Plan wurde seitens des Aufsichtsrats jedoch mit 12 zu 7 Stimmen abgelehnt, und die Fronten zwischen Arbeitnehmerseite und Kapitalseite scheinen erhärteter denn je. Eine schnelle Entscheidung über die Zukunft von Neckarsulm ist daher wahrscheinlich nicht zu erwarten.
Quelle: Handelsblatt – Möglicher Rettungsplan für Audi-Werk in Neckarsulm








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