Aktionäre halten an Northvolt fest: Neues Kapital benötigt

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Northvolt

Laura Horst
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Die Northvolt-Eigentümer, darunter BMW, Volkswagen und Goldman Sachs, haben sich am vergangenen Mittwoch in Stockholm getroffen und Berichten zufolge für eine Fortführung des angeschlagenen Unternehmens gestimmt. Der schwedische Batteriehersteller hatte im November Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt.

Im November 2024 hatte Northvolt noch 6600 Mitarbeiter, 5,8 Milliarden Dollar Schulden und lediglich 30 Millionen Dollar in bar. Durch den Gläubigerschutz hat das Unternehmen die Möglichkeit, seine Finanzen eigenständig und ohne Insolvenzverwalter neu zu ordnen. Die Umstrukturierung will der Batteriehersteller im ersten Quartal abschließen. Hätten die Aktionäre gegen Restrukturierung und stattdessen für die Liquidierung gestimmt, hätten sie auf dem Verkauf von Anlagen und geistigem Eigentum vermutlich noch einen Teil ihres Investments zurückerhalten.

Im Vorfeld des Treffens hatte ein Nortvolt-Sprecher erklärt, dass das Unternehmen davon ausgeht, dass die Eigentümer den Vorschlag des Vorstands zur Fortführung des Betriebs unterstützen werden. Im November ist Northvolt mit einem Darlehen des Anteilseigners und Kunden Scania in Höhe von 100 Millionen Dollar in das Chapter-11-Verfahren eingetreten. Zu möglichen Unternehmensstrukturen wollte man sich nicht äußern, aber die Gespräche mit Investoren seien im Gange und man reche damit, dass bis Ende Januar eine weitere Investition zustande kommt.

Laut dem kürzlich ausgeschiedenen CEO und Mitbegründer Peter Carlsson benötigt Northvolt etwa 1 bis 1,2 Milliarden Dollar, um das Geschäft wiederherzustellen. Die notwendigen Mittel werden vermutlich aus einer Mischung von Finanz- und strategischen Investoren und einer Kombination aus bestehenden und neuen Interessengruppen bestehen, teilte eine mit der Situation vertraute Person gegenüber Reuters mit, unter der Bedingung der Anonymität.

Zur finanziellen Schieflage bei Northvolt hatten mehrere Faktoren geführt. Im Fokus steht dabei das Werk im schwedischen Skelleftea nahe dem Polarkreis, wo das Hochfahren der Produktion zu langsam verlief. Mitarbeiter, die anonym bleiben wollten, berichteten von Problemen mit Maschinen, zu wenig Belegschaft und überhöhten Zielvorgaben, was der Hersteller selbst dementierte. Immer wieder gab es Qualitätsprobleme, die unter anderem dazu führten, dass BMW einen Auftrag in Höhe von zwei Milliarden Euro zurückzog. Auch bei den Anteilseignern selbst hatte sich die Lage teilweise verschlechtert, sodass wichtige Finanzierungen nicht zustande kamen.

In Skelleftea konzentriert man sich darauf, die Produktion zu optimieren. Seit Beantragung des Gläubigerschutzes wurden einige Projekte beendet oder verstoßen. Unklar ist noch, inwieweit sich die finanzielle Krise auf die Vorhaben in Deutschland auswirkt, wo der Batteriehersteller im holsteinischen Heide eine Fabrik plant. In diesem Zusammenhang betont das Unternehmen als eigenständige GmbH zwar seine finanzielle Unabhängigkeit vom schwedischen Mutterkonzern, dennoch bleibt das Bauvorhaben in Deutschland momentan fraglich.

Quellen: Reuters – Northvolt owners vote to stay operating while seeking financial rescue / Electrive – Northvolt-Eigner stimmen für Sanierung

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