Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sieht Fortschritte beim Hochlauf der Elektromobilität – warnt jedoch zugleich vor strukturellen Hemmnissen im Markt. Das geht aus einem Gespräch mit ZDK-Präsident Thomas Peckruhn und Hauptgeschäftsführer Jürgen Hasler mit dem Branchenportal Edison hervor. Beide Vertreter des Branchenverbands geben Einblicke in die Perspektive der Händler, berichten über steigende Investitionen in Werkstätten und kritisieren politische Unsicherheiten bei der angekündigten E-Auto-Förderung.
Thomas Peckruhn, der mit der Autohaus-Liebe-Gruppe mehrere Standorte von Braunschweig bis Eisleben betreibt, verkaufte im vergangenen Jahr rund 4000 neue Autos der Marke Škoda sowie eine ähnliche Anzahl an Gebrauchtwagen. Der Anteil rein elektrischer Modelle lag dabei nach seinen Angaben deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt.
„Bei den neuen Škodas lagen wir bei rund 30 Prozent reinen Elektroautos“, sagt Peckruhn. „Wir lagen damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt.“ Besonders Modelle wie der Enyaq und der neu eingeführte Elroq hätten die Nachfrage gestützt. Letzterer werde preislich auf dem Niveau seines Verbrenner-Pendants Karoq angeboten – ein Aspekt, der sich laut Peckruhn im Vertrieb positiv auswirke. „Der Elroq ist das erste Elektrofahrzeug, das preisgleich mit seinem Verbrenner-Pendant angeboten wurde. Das hat uns im Marketing und in der Kundenansprache enorm geholfen.“
Gleichzeitig spielen auch Herstellerziele eine Rolle. Zwar gebe es keine direkten Vorgaben, doch würden CO₂-Ziele indirekt über Bonusregelungen in den Händlerverträgen wirken. Händler müssten bestimmte Anteile alternativer Antriebe erreichen, um ihre vollständige Neuwagenmarge zu erhalten.
„Das war Anfang des Jahres eine große unternehmerische Entscheidung für uns: Gehen wir diesen Weg konsequent mit oder verzichten wir auf einen Teil der Marge?“, erklärt Peckruhn. Seine Gruppe habe sich bewusst für den elektrischen Weg entschieden. „Das Volumen-Segment wird in Zukunft elektrisch fahren.“
Höhere Werkstattkosten durch Hochvolttechnik
Ein häufig diskutierter Punkt sind steigende Werkstattpreise bei Elektroautos. Obwohl batterieelektrische Autos weniger klassische Wartungspunkte besitzen, sind viele Arbeiten in der Praxis aufwendiger. Peckruhn verweist insbesondere auf Reparaturen im Zusammenhang mit Hochvoltbatterien: „Wenn ich an einem Fahrzeug die Batterie absetzen muss, habe ich sofort einen deutlich höheren Platzbedarf in der Werkstatt. Ich brauche spezielle Hebebühnen.“ Zudem müssten Betriebe sogenannte Quarantäneplätze vorhalten, etwa für beschädigte Fahrzeuge nach einem Unfall.
Viele Werkstätten reagieren darauf mit angepassten Stundenverrechnungssätzen oder separaten Preisen für Arbeiten am Hochvoltsystem. Diese seien aus betriebswirtschaftlicher Sicht unvermeidbar. Auch ZDK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Hasler betont die Investitionsdimension. Werkstätten müssten zunächst Ladeinfrastruktur aufbauen und ihre Mitarbeitenden umfangreich schulen.
„Die Mitarbeiter werden, obwohl sie bereits Hochvoltfachkräfte sind, häufig für jedes neue Modell wieder speziell geschult“, erklärt Hasler. Die zunehmende Modellvielfalt führe dazu, dass Hersteller regelmäßig zusätzliche Trainings verlangen. „Das kostet die Werkstätten enorm viel Zeit und Geld.“
Hinzu kommen Spezialwerkzeuge sowie zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit beschädigten Batterien. Laut Peckruhn summieren sich diese Anforderungen zu erheblichen Investitionen: „All diese Investitionen in Ausbildung, Infrastruktur und Zeit müssen die Betriebe natürlich in ihrer Kalkulation abbilden und refinanzieren.“
Preis und Ladeinfrastruktur bremsen Nachfrage
Beim Absatz zeigt sich zudem ein regional unterschiedliches Bild. Peckruhn betreibt den Großteil seiner Betriebe in Ostdeutschland. Dort sei die Nachfrage nach Elektroautos weiterhin schwächer als in vielen westdeutschen Regionen.
Er sieht dafür vor allem wirtschaftliche Gründe. „Das Bewusstsein für neue Mobilität ist in Metropolregionen wie München oder Hamburg vielleicht etwas größer, weil dort mehr Möglichkeiten und eine dichtere Ladeinfrastruktur vorhanden sind.“ In vielen ostdeutschen Regionen spiele jedoch weiterhin die Kostenfrage eine zentrale Rolle.
„Die Strompreise sind nach wie vor ein massives Hemmnis für viele Kunden“, sagt Peckruhn. Besonders problematisch sei die Situation für Menschen ohne eigene Lademöglichkeit. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden könne, habe meist deutlich geringere Kosten. Wer dagegen auf öffentliche Ladepunkte angewiesen sei, schrecke oft vor den Preisen und der mangelnden Transparenz zurück.
Zudem dominieren bei privaten Elektroauto-Käufen Leasingmodelle. „Fast kein Mensch kauft ein Elektroauto bar“, beobachtet Peckruhn. Viele Kund:innen wollten sich gegen möglichen Wertverlust absichern.
Kritik an unklarer E-Auto-Prämie
Deutliche Kritik äußert der ZDK an der angekündigten neuen E-Auto-Förderung der Bundesregierung. Zwar sollen rund drei Milliarden Euro bereitgestellt werden, doch viele Details sind weiterhin ungeklärt. Hasler bezeichnet die Situation als typisch für politische Förderprogramme in Deutschland. „Die Prämie ist gut gemeint und finanziell sehr gut ausgestattet“, sagt er. „Aber wir verlieren uns im Klein-Klein der Bürokratie.“
Die anhaltenden Diskussionen über Förderbedingungen, Einkommensnachweise und Antragsverfahren hätten negative Folgen für den Markt. Statt Kaufimpulse zu setzen, entstehe derzeit eher Unsicherheit. Peckruhn bestätigt diese Einschätzung aus der Praxis der Händler: „Wir haben Kunden, die sich mitten im Kaufprozess befanden und jetzt den Stift fallen lassen und erst einmal abwarten.“ Viele Interessenten wollten zunächst Klarheit darüber, ob sie tatsächlich förderberechtigt seien oder das Geld vorstrecken müssten.
Markt wächst – auch ohne Förderung
Trotz der politischen Unsicherheiten zeigt sich der Markt für Elektroautos aktuell stabil. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts wurden im Februar mehr als 46.000 batterieelektrische Autos neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von 28,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Plug-in-Hybride legten ebenfalls zu und erreichten gut 24.000 Neuzulassungen, ein Wachstum von 24,5 Prozent.
ZDK-Präsident Peckruhn sieht darin vor allem einen Effekt neuer Modelle und attraktiver Angebote der Hersteller. „Die Februar-Zahlen zeigen: Der Pkw-Markt zieht wieder an – und die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen zeigt deutliche Wachstumsimpulse, obwohl die Förderung noch nicht greift.“ Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Verband eine weitere Beschleunigung der Elektromobilität. Ausschlaggebend könnten neben der Kaufprämie vor allem zusätzliche Rabatte der Hersteller sein, die im Zuge der strengeren EU-CO₂-Flottenziele gewährt werden.
„Kaufprämie und Herstelleranreize zusammen setzen den Markt in Bewegung und liefern einen klaren Schub für den Hochlauf der Elektromobilität“, so Peckruhn. Entscheidend sei jedoch, dass Förderinstrumente schnell, transparent und praxisnah umgesetzt werden, damit potenzielle Käufer wieder Planungssicherheit erhalten.
Quelle: edison – „Wir brauchen jetzt dringend Schnelligkeit“ / ZDK – ZDK: Pkw-Markt zieht im Februar an – Kaufprämie bleibt Fehlzünder








Wird geladen...