Trumps Autozölle: Neue Eskalation trifft europäische Hersteller hart

Trumps Autozölle: Neue Eskalation trifft europäische Hersteller hart
Copyright:

Chip Somodevilla / Shutterstock.com

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Kaum hatte sich die transatlantische Handelspolitik halbwegs auf ein fragiles Gleichgewicht eingeschwungen, sorgt die nächste Eskalationsstufe aus Washington für neue Unsicherheit und trifft die Autobranche in einem Moment, in dem sie ohnehin zwischen Transformation, Kostendruck und geopolitischen Spannungen steht: US-Präsident Donald Trump will die Zölle auf Autoimporte aus der EU von bislang 15 auf 25 Prozent anheben, berichten unter anderem Manager Magazin und Automobilwoche. Offiziell begründet er das mit angeblichen Verstößen der EU gegen ein bestehendes Handelsabkommen. Die Botschaft ist jedoch eine andere: Wer Autos in die USA verkaufen will, soll sie künftig besser gleich dort bauen.

Für europäische Hersteller ist diese Art von „Erpressung“ nicht neu, allerdings wird es allmählich sehr schmerzhaft und die Drohkulisse wirkt. Schon jetzt prüfen Hersteller laut Branchenberichten, ob bestimmte Modelle überhaupt noch wirtschaftlich in die USA exportiert werden können. Gerade günstigere Fahrzeuge stehen auf der Kippe, weil sie die zusätzlichen Kosten kaum abfedern können. Der Effekt: Ausgerechnet erschwinglichere Modelle könnten vom US-Markt verschwinden – mit Folgen für die Marktdurchdringung, aber auch für Skaleneffekte in der Produktion. Und laut dem Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer hat Trump mit diesem Schritt ganz besonders die deutschen Hersteller auf dem Kieker, schreibt das Manager Magazin. „Da die Exporte der ausländischen Autobauer in die USA unwesentlich sind, lassen sich die neuen Trump-Zolldrohungen auch als der Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland interpretieren“, sagte er demnach.

Trump legt Herstellern die Daumenschraube an

Die Dimension ist erheblich. Experten gehen davon aus, dass zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe entstehen könnten, allein für die deutsche Industrie. Gleichzeitig warnen Ökonomen bereits vor einer möglichen konjunkturellen Abkühlung bis hin zu Rezessionsrisiken, sollte der Konflikt weiter eskalieren. Brisant ist dabei weniger die Höhe der Zölle als ihre politische Funktion. Trump setzt einmal mehr auf handelspolitischen Druck als industriepolitisches Instrument und zwingt Hersteller damit in eine strategische Entscheidung, entweder die Produktion zu verlagern oder Marktanteile zu riskieren.

Die EU wiederum zeigt sich kampfbereit. In Brüssel wird bereits über Gegenmaßnahmen diskutiert, die „maximale Wirkung“ entfalten sollen. Ein Wiederaufflammen des Zollkonflikts droht – mit bekannten Nebenwirkungen: steigende Preise, sinkende Planungssicherheit und Investitionszurückhaltung auf beiden Seiten des Atlantiks. Laut Automobilindustrie kommt das zur Unzeit. Der Umbau hin zur Elektromobilität bindet Kapital, Lieferketten sind fragiler geworden, und gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck – insbesondere aus China. In diesem Umfeld wirken zusätzliche Handelsbarrieren wie ein Beschleuniger ohnehin bestehender Verschiebungen.

Denn was sich bereits seit Monaten andeutet, könnte sich nun weiter verfestigen: Produktionsentscheidungen werden zunehmend geopolitisch getroffen. Werke entstehen dort, wo Märkte geschützt sind – nicht unbedingt dort, wo sie effizient wären. Für europäische Hersteller bedeutet das im Zweifel mehr Lokalisierung in den USA und weniger Export, auch wenn dies entsprechende Investitionen in den USA erforderlich macht.

Quelle: Automobilwoche – Trump stürzt Autobranche in neues Zoll-Chaos; Manager Magazin – Experte sieht deutsche Autobauer im Fokus von Trumps Zolldrohungen

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Sebastian Henßler  —  

Ein Viertel der seit 2022 angekündigten Zellkapazität ist gestrichen, Deutschlands Pipeline hat sich halbiert. Trotzdem hält T&E die IAA-Vorgaben für erreichbar.

US-Zölle: Eine Million Jobs hängen am Export in die USA

US-Zölle: Eine Million Jobs hängen am Export in die USA

Sebastian Henßler  —  

Knapp eine Million Arbeitsplätze in Deutschland hängen am Export in die USA. Die Zölle treffen Autobauer, Zulieferer und Mittelstand gleichermaßen hart.

35-Stunden-Woche, Urlaub, Zulagen: Was VW jetzt neu verhandeln will

35-Stunden-Woche, Urlaub, Zulagen: Was VW jetzt neu verhandeln will

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen hat mehrere Tarifverträge zum Jahresende gekündigt. Es geht um Arbeitszeit, Zulagen, Urlaub und weitere zentrale Arbeitsbedingungen.

Jetzt droht die Eskalation: VW will Tarifverträge kündigen

Jetzt droht die Eskalation: VW will Tarifverträge kündigen

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen will mehrere Haustarifverträge kündigen. Die IG Metall spricht von einem „üblen Foul“ und kündigt Widerstand an.

„Überall brennt gerade die Hütte“: Autoindustrie steuert auf harte Tarifrunde zu

„Überall brennt gerade die Hütte“: Autoindustrie steuert auf harte Tarifrunde zu

Tobias Stahl  —  

Kurz vor Beginn der Tarifrunde hat IG Metall 175.000 Beschäftigte mobilisiert. IG-Metall-Chefin Benner wirft den Auto-Vorständen strategisches Versagen vor.

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Daniel Krenzer  —  

Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen fordern mehr Schutz für die Automobilindustrie, günstigeren Ladestrom und flexiblere CO₂-Vorgaben.

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

Tobias Stahl  —  

Europäische Hersteller könnten bis 2030 rund ein Viertel des hiesigen Markts für schwere E-Lkw an Hersteller aus China und den USA verlieren, warnt T&E.