Kaum hatte sich die transatlantische Handelspolitik halbwegs auf ein fragiles Gleichgewicht eingeschwungen, sorgt die nächste Eskalationsstufe aus Washington für neue Unsicherheit und trifft die Autobranche in einem Moment, in dem sie ohnehin zwischen Transformation, Kostendruck und geopolitischen Spannungen steht: US-Präsident Donald Trump will die Zölle auf Autoimporte aus der EU von bislang 15 auf 25 Prozent anheben, berichten unter anderem Manager Magazin und Automobilwoche. Offiziell begründet er das mit angeblichen Verstößen der EU gegen ein bestehendes Handelsabkommen. Die Botschaft ist jedoch eine andere: Wer Autos in die USA verkaufen will, soll sie künftig besser gleich dort bauen.
Für europäische Hersteller ist diese Art von „Erpressung“ nicht neu, allerdings wird es allmählich sehr schmerzhaft und die Drohkulisse wirkt. Schon jetzt prüfen Hersteller laut Branchenberichten, ob bestimmte Modelle überhaupt noch wirtschaftlich in die USA exportiert werden können. Gerade günstigere Fahrzeuge stehen auf der Kippe, weil sie die zusätzlichen Kosten kaum abfedern können. Der Effekt: Ausgerechnet erschwinglichere Modelle könnten vom US-Markt verschwinden – mit Folgen für die Marktdurchdringung, aber auch für Skaleneffekte in der Produktion. Und laut dem Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer hat Trump mit diesem Schritt ganz besonders die deutschen Hersteller auf dem Kieker, schreibt das Manager Magazin. „Da die Exporte der ausländischen Autobauer in die USA unwesentlich sind, lassen sich die neuen Trump-Zolldrohungen auch als der Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland interpretieren“, sagte er demnach.
Trump legt Herstellern die Daumenschraube an
Die Dimension ist erheblich. Experten gehen davon aus, dass zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe entstehen könnten, allein für die deutsche Industrie. Gleichzeitig warnen Ökonomen bereits vor einer möglichen konjunkturellen Abkühlung bis hin zu Rezessionsrisiken, sollte der Konflikt weiter eskalieren. Brisant ist dabei weniger die Höhe der Zölle als ihre politische Funktion. Trump setzt einmal mehr auf handelspolitischen Druck als industriepolitisches Instrument und zwingt Hersteller damit in eine strategische Entscheidung, entweder die Produktion zu verlagern oder Marktanteile zu riskieren.
Die EU wiederum zeigt sich kampfbereit. In Brüssel wird bereits über Gegenmaßnahmen diskutiert, die „maximale Wirkung“ entfalten sollen. Ein Wiederaufflammen des Zollkonflikts droht – mit bekannten Nebenwirkungen: steigende Preise, sinkende Planungssicherheit und Investitionszurückhaltung auf beiden Seiten des Atlantiks. Laut Automobilindustrie kommt das zur Unzeit. Der Umbau hin zur Elektromobilität bindet Kapital, Lieferketten sind fragiler geworden, und gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck – insbesondere aus China. In diesem Umfeld wirken zusätzliche Handelsbarrieren wie ein Beschleuniger ohnehin bestehender Verschiebungen.
Denn was sich bereits seit Monaten andeutet, könnte sich nun weiter verfestigen: Produktionsentscheidungen werden zunehmend geopolitisch getroffen. Werke entstehen dort, wo Märkte geschützt sind – nicht unbedingt dort, wo sie effizient wären. Für europäische Hersteller bedeutet das im Zweifel mehr Lokalisierung in den USA und weniger Export, auch wenn dies entsprechende Investitionen in den USA erforderlich macht.
Quelle: Automobilwoche – Trump stürzt Autobranche in neues Zoll-Chaos; Manager Magazin – Experte sieht deutsche Autobauer im Fokus von Trumps Zolldrohungen








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