Reparaturkosten belasten Kunden und Werkstätten zunehmend

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Tobias Stahl
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  —  Lesedauer 4 min

Moderne Fahrassistenzsysteme und smarte Komfortfunktionen sollen das Fahren sicherer und angenehmer machen. Sie führen jedoch auch zu einem tiefgreifenden Wandel bei Werkstätten und Werkstattkunden rund um den Globus. In vielen Märkten stagnieren die Neuwagenverkäufe, das durchschnittliche Fahrzeugalter steigt kontinuierlich. Somit steigt auch die Nachfrage nach Reparaturen und Wartung – jedoch unter völlig veränderten Vorzeichen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, für die 600 Werkstätten und 6000 Autobesitzer in 13 der weltweit wichtigsten Automobilmärkte befragt wurden.

Den Ergebnissen zufolge bevorzugen mittlerweile 57 Prozent der Verbraucher Ersatzteile unabhängiger Zulieferer gegenüber Originalteilen. Das entspricht einem Anstieg von 14 Prozentpunkten gegenüber 2024. Besonders stark sei dieser Trend in ländlichen Gebieten und bei Fahrern von Einstiegsfahrzeugen ausgeprägt. „Im Jahr 2025 hat sich eine zunehmende Preissensibilität der Verbraucher manifestiert. Steigende Reparaturkosten drängen zu günstigeren Teilealternativen“, erklärt Maximilian Wegner, Principal bei Roland Berger.

Parallel dazu haben die realen Ausgaben für Service, Wartung und Reparatur in den meisten Märkten abgenommen. Lediglich in den USA und Mexiko stiegen die nominalen Ausgaben – allerdings getrieben durch Preisinflation, nicht durch höheren Konsum.

Fast die Hälfte aller Werkstätten musste bereits Reparaturen an modernen Assistenzsystemen ablehnen

Auch die Werkstätten selbst haben mit dem zunehmenden Kostendruck zu kämpfen – eine zentrale Herausforderung liegt dabei offenbar im Bereich moderner Fahrassistenzsysteme (ADAS): Der Studie zufolge mussten 47 Prozent aller befragten Werkstätten ADAS-bezogene Reparaturen in den vergangenen zwölf Monaten ablehnen, da ihnen die notwendigen Fähigkeiten oder Ausrüstung fehlen. 58 Prozent der Werkstätten nennen fehlende Kalibrierungsausrüstung als Hauptgrund. „Die hohen Investitionskosten für Reparaturen moderner Fahrassistenzsysteme schrecken viele unabhängige Werkstätten ab – damit überlassen sie Umsatz und Kundenbindung den herstellergebundenen Werkstätten“, so Wegner. Immerhin: 49 Prozent der befragten Werkstätten gaben an, über umfassende Kompetenzen zu verfügen und „alle Arten von Kalibrierungen und Fehlerbehebungen“ durchführen zu können.

Unabhängige Werkstätten setzen inzwischen außerdem zunehmend auf Convenience-Services als Wettbewerbsvorteil. Besonders in urbanen Gebieten bieten Werkstätten verstärkt Abhol- und Bringdienste für Fahrzeuge an. „Komfort-Dienstleistungen von Werkstätten wie Abhol- und Bringdienste können ein wichtiges Werkzeug sein, um neue Kundengruppen wie Flotten anzusprechen“, erklärt Wegner. „Werkstätten, die hier nicht investieren, verpassen große Chancen bei neuen Kundensegmenten.“ Solche Services sind bislang besonders in Europa und dem mittleren Osten etabliert, der amerikanische Markt holt allerdings auf. In China zeigen sich Verbraucher besonders offen für neue Serviceformen wie mobile Werkstattservices, die dort eine Zustimmungsrate von 26 Prozent haben.

Trotz der steigenden Preissensibilität setzen viele private Fahrzeughalter bei Wartungen oder im Schadensfall aber weiterhin auf die Werkstatt vor Ort: Endkunden ziehen sich zunehmend vom Online-Kauf zurück, resümiert die Studie. Demnach würden 25 Prozent der bisherigen Online-Käufer nicht erneut online bestellen. Im B2B-Bereich, also dem Gewerbe, erfreut sich der Online-Handel mit Ersatzteilen indes großer Beliebtheit: In Märkten wie Deutschland, den USA und Großbritannien kaufen über 80 Prozent der Werkstätten bereits mindestens 20 Prozent ihrer Ersatzteile online. Die Mehrheit erwartet einen weiteren Anstieg in den kommenden zwei bis drei Jahren.

GDV meldet Rekord-Stundensätze in Kfz-Werkstätten

Im Oktober meldete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dass die Stundensätze in Kfz-Werkstätten im vergangenen Jahr erneut deutlich gestiegen sind. Erstmals haben die durchschnittlichen Stundensätze in Kfz-Werkstätten die Marke von 200 Euro geknackt – damit setze sich ein Trend fort, der seit Jahren anhält. Lackierarbeiten waren dabei mit durchschnittlich 220 Euro pro Stunde besonders teuer.

„Wir beobachten seit Jahren, dass sowohl die Ersatzteilpreise als auch die Werkstattkosten viel schneller steigen als die allgemeine Inflation. Und wir sehen keine Anzeichen dafür, dass sich diese Entwicklung abschwächt“, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Zuletzt erhöhten sich die Preise für Ersatzteile um fast sechs Prozent, die Stundensätze von Kfz-Werkstätten stiegen sogar um rund acht Prozent, heißt es in einer Mitteilung des GDV.

Die Kfz-Versicherer verzeichneten aufgrund der steigenden Reparaturkosten in den vergangenen zwei Jahren Verluste in Höhe von fast fünf Milliarden Euro und reagierten darauf ihrerseits oft mit Beitragserhöhungen. Die Einnahmen der Versicherer dürften 2025 nach der aktuellen GDV-Hochrechnung im Vergleich zum Vorjahr um rund 14 Prozent ansteigen. Trotz dieser Entwicklung erwarten die Versicherer für 2025 lediglich eine leichte Verbesserung der Ertragslage, der Preisdruck bleibt hoch – es sieht also so aus, als würden die Versicherungsbeiträge in den kommenden Jahren weiter steigen.

Quellen: Roland Berger – Pressemitteilung vom 11.12.2025 / Gesamtverband der Versicherer – Pressemitteilung vom 30.10.2025

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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