Könnten China-Zölle das VW-Werk in Sachsen retten?

Könnten China-Zölle das VW-Werk in Sachsen retten?
Copyright:

aquatarkus / Shutterstock / 2522431855 (Symbolbild)

Arun Niemann
Arun Niemann
  —  Lesedauer 3 min

Gleich mehrere deutsche Autowerke kämpfen 2026 mit Absatzschwäche und drohenden Schließungen. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller auf den europäischen Markt und werden als wachsende Bedrohung wahrgenommen. VW-Konzernchef Oliver Blume hatte zuletzt wieder Unsicherheiten über die Zukunft verschiedener deutscher Werke geschürt.

Um der sinkenden Auslastung und einer möglichen Schließung von Werken wie dem VW-Standort in Zwickau entgegenzuwirken, bringt der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter nun einen ungewöhnlichen Vorschlag ins Spiel. Seine Idee: Chinesische Autobauer sollen nicht etwa mit hohen Zöllen ferngehalten, sondern stattdessen gerade durch diese Zölle zur Kooperation mit deutschen Autobauern wie VW angeregt werden.

Die Drohkulisse um Zwickau

Die vom VW-Konzernchef genannten Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit und den Handlungsbedarf in der aktuellen Situation. Blume zufolge könnten weltweit bis zu 50.000 Jobs wegfallen, wenn sich keine Veränderungen ergeben. 35.000 dieser gefährdeten Jobs würden dabei die Kernmarke VW betreffen.

Für die Standorte in Hannover, Emden, Zwickau sowie das Audi-Werk Neckarsulm gebe es demnach für die 2030er-Jahre noch keine gesicherte Belegung. Gleichzeitig betonte Blume jedoch, dass man Werksschließungen eigentlich vermeiden wolle, wenn intelligentere Lösungen gefunden werden könnten. Dabei brachte er die Möglichkeit der Fertigung von in China entwickelten VW-Modellen in Europa ins Spiel und sprach vom Potenzial neuer Partnerschaften mit Herstellern aus dem Land der Mitte.

Panter will Zölle als Verhandlungshebel nutzen

Sachsens Wirtschaftsminister schließt an diesen Vorschlag zur Schaffung neuer Partnerschaften an und will höhere Zölle dabei als strategischen Hebel nutzen. Sein Vorschlag sieht vor, auf EU-Ebene höhere Zölle auf in China produzierte Autos zu erheben. Dies würde es für chinesische Hersteller attraktiver machen, Partnerschaften mit europäischen Herstellern wie VW einzugehen.

So könnte beispielsweise ein Gemeinschaftsunternehmen in Sachsen chinesischen Herstellern dabei helfen, die sonst anfallenden Zölle zu umgehen und dennoch im europäischen Markt aktiv zu sein. Damit würde ein ganz neuer Verhandlungsansatz geschaffen der die Ausgangsposition deutscher Unternehmen im Kampf um Marktanteile grundsätzlich verändern könnte.

Zudem stellt Panter klar, dass es nicht gehen würde, chinesische Hersteller komplett aus dem europäischen Markt herauszuhalten. Da dies nicht möglich sei, müsse man jene Unternehmen, die Zugang zu Europa wollen, eben auch dafür in die Pflicht nehmen, die Verantwortung für Wertschöpfung und Beschäftigung in Europa mitzutragen.

Plug-in-Hybride verschärfen die Zollfrage

Chinesische Elektroautos unterliegen seit Oktober 2024 bereits EU-Sonderzöllen, die je nach Hersteller bis über 45 Prozent betragen. Die Zusatzzölle galten bisher jedoch nur auf reine E-Autos und nicht auf Plug-in-Hybride, welche bisher nur dem regulären zehnprozentigen Importzoll unterliegen.

Die Lücke nutzen chinesische Hersteller zunehmend. BYD wurde etwa im Mai 2026 mit 4290 Neuzulassungen erstmals die meistverkaufte PHEV-Marke in Deutschland und zuletzt waren hier circa 70 Prozent aller BYD-Neuzulassungen Plug-in-Hybride.

Verschiedenen Berichten zufolge bereitet die EU-Kommission nun bereits zusätzliche Zollregelungen für Plug-in-Hybride aus China vor. In Zukunft könnten so je nach Hersteller auch für diese Autos bis zu 38 Prozent an Importzöllen anfallen. Dementsprechend kommen Panters Zollforderungen zu einem Zeitpunkt, an dem die Zollfrage zwischen der EU und China ohnehin bereits viel diskutiert wird.

Sein Vorstoß ist außerdem als Teil der übergeordneten Debatte darüber einzuordnen, ob in deutschen Werken in Zukunft mehr deutsch-chinesische Kooperationsmodelle produziert werden sollten, um die Auslastung zu gewährleisten. Ob es tatsächlich bald zur Produktion in China entwickelter Modelle in deutschen Werken kommt, hängt dabei maßgeblich von der Entwicklung der EU-Zollpolitik in den kommenden Monaten ab.

Quellen: Reuters – German state minister says higher tariffs could boost Chinese interest in VW plant / Reuters – Volkswagen CEO flags 50,000 extra job cuts to staff as costs squeezed / Handelsblatt – EU bereitet Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride vor

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

VW: Wolfsburg bald nicht mehr Zentrum der Entwicklung?

VW: Wolfsburg bald nicht mehr Zentrum der Entwicklung?

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen will China-Technologie weltweit einsetzen. Was bedeutet die Vega-Strategie für Europa, Wolfsburg und die künftige Fahrzeugentwicklung?

Jeder dritte Škoda in Europa fährt elektrisch

Jeder dritte Škoda in Europa fährt elektrisch

Maria Glaser  —  

Die Auslieferungen verzeichneten in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 ein Wachstum um 6,1 Prozent mit einem signifikanten Anteil von E-Autos in Europa.

VW ID. Polo ist German Car of the Year 2027

VW ID. Polo ist German Car of the Year 2027

Sebastian Henßler  —  

Neben dem VW ID. Polo gewinnen Kia PV5, Mercedes-Benz GLC, Xpeng X9 und Hyundai Ioniq 6 N ihre Klassen. Den Gesamttitel holt jedoch der elektrische Kleinwagen.

So holt der Audi A2 e-tron mehr Effizienz aus dem Antrieb

So holt der Audi A2 e-tron mehr Effizienz aus dem Antrieb

Sebastian Henßler  —  

Der Audi A2 e-tron kommt im WLTP auf 12,8 kWh je 100 Kilometer. Möglich machen das Siliziumkarbid-Halbleiter, dünnere Rotorbleche und ein optimiertes Getriebe.

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen prüft die Montage chinesischer Modelle in der Türkei. Fahrzeugbausätze aus China könnten dort künftig zusammengesetzt werden.

Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf

Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen setzt die Entwicklungsvorleistungen für den ID. Golf in Wolfsburg vorerst aus. Das Stammwerk hat Kostenziele von 300 Millionen Euro verfehlt.

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Daniel Krenzer  —  

VW erprobt mit Telekom und Partnern automatisierte Fahrzeugtransporte im Hafen Emden. Auch das fahrerlose Verladen auf Züge wurde getestet.