Dass der chinesische Technologiekonzern Xiaomi seine E-Auto-Offensive auch nach Europa ausweiten will, ist schon länger bekannt. Doch nun hat das Unternehmen auf der IFA in Berlin konkret gezeigt, wie der geplante internationale Marktstart 2027 vorbereitet wird und prominente deutsche Handelspartner vorgestellt.
Neben Haushaltselektronik und Smartphones präsentierte Xiaomi auf der IFA auch seine E-Auto-Modelle SU7 Ultra und SU7 Max sowie das Konzeptfahrzeug Vision Gran Turismo. Das Ganze lief dabei unter dem Motto „Human x Car x Home“. In China ist besagte Offensive des Konzerns bereits in vollem Gange und seit dem Marktstart im März 2024 wurden laut eigenen Angaben schon über 650.000 Fahrzeuge ausgeliefert.
Die Vorstellung erster Handelspartner für die Deutschland-Expansion war zentrales Element von Xiaomis PR-Auftakt. Bestätigt wurde mit Lueg aus Bochum einer der größten Mercedes-Händler des Landes und mit der Hahn-Gruppe aus Fellbach bei Stuttgart ein starker VW-Partner. Weitere Händler, die bereits entsprechende Absichtserklärungen unterzeichnet haben, sind unter anderem Emil Frey Germany, die Ernst Dello Gruppe, das Autohaus Dinnebier, Fett & Wirtz, SPT Avior sowie Penske-Jacobs.
Dem Manager Magazin liegen zudem Insiderinformationen vor, denen zufolge gleich mehrere der Top-10 deutschen Autohausgruppen zu Xiaomis zukünftigen Partnern gehören. Dabei scheint Xiaomi seine Strategie offenbar direkt an den europäischen Markt anzupassen. Schließlich setzt man im Heimatmarkt viel weniger auf derartige Partnerschaften, sondern arbeitet mit Online-Direktvertrieb und allgemeinen Flagship-Stores, wo die E-Autos neben Waschmaschinen und Co präsentiert werden.
Eigene Sales Companies statt Importeuren
Von einem Brancheninsider, der über viel Erfahrung mit chinesischen Autobauern verfügt, wird die Vorgehensweise von Xiaomi als gut strukturiert und professionell beschrieben. So würde unter anderem auch auf die Bekanntmachung überzogener Absatzziele verzichtet, die bei Konkurrenten wie BYD in Vergangenheit zu Problemen geführt haben.
Zudem verzichtet das chinesische Unternehmen auch auf klassische Importeure. Der Vertrieb wird über eigene national agierende Sales Companies gesteuert und soll Insidern zufolge als eine Mischform aus Händler- und Direktvertrieb funktionieren. Dabei sei das finanzielle Risiko für die Händler zwar überschaubar und werde größtenteils von Xiaomi selbst getragen. Bisher steht dem Bericht zufolge noch nicht fest, welche Modelle konkret nach Europa kommen sollen. Auch die finale Festlegung der Vertragsdetails steht noch aus und bisher ist unklar, welche IT- und Vertriebssysteme zur Anwendung kommen werden.
Vorbereitung mit europäischer Expertise
In Vorbereitung auf den neuen Markteintritt eröffnete Xiaomi schon vergangenes Jahr in München sein erstes Entwicklungszentrum außerhalb von China. Der Standort soll Unternehmensangaben zufolge genutzt werden, um Performance- und Sicherheitsfragen auf den neuen Markt anzupassen, da europäische Kunden ganz andere Anforderungen haben als chinesische.
Xiaomi baut bereits seit einigen Monaten ein europäisches Expertenteam auf, das sich aus ehemaligen Mitarbeitenden deutscher Marken wie BMW, Mercedes und Porsche sowie chinesischer Marken wie BYD, MG und Nio zusammensetzt. Ein prominentes Beispiel stellt hier unter anderem der frühere BMW-Designer Kai Langer dar.
Die Expansion ist für Xiaomi auch insofern relevant, als der Heimatmarkt in China schon seit einiger Zeit schwächelt. So wird man das ausgerufene Jahresziel von 550.000 verkauften Fahrzeugen kaum erreichen können. Gleichzeitig überstieg der Marktanteil chinesischer Marken in Europa zuletzt erstmals die 10-Prozent-Marke. Diese Entwicklungen dürften den Druck auf europäische Hersteller in den kommenden Jahren noch einmal deutlich erhöhen.
Quelle: Manager Magazin – Wie Xiaomi seine Autoattacke auf Europa startet







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