Xiaomi holt deutsche Händler für Europa-Start an Bord

Xiaomi holt deutsche Händler für Europa-Start an Bord
Copyright:

MOZCO / Shutterstock.com

Arun Niemann
Arun Niemann
  —  Lesedauer 3 min

Dass der chinesische Technologiekonzern Xiaomi seine E-Auto-Offensive auch nach Europa ausweiten will, ist schon länger bekannt. Doch nun hat das Unternehmen auf der IFA in Berlin konkret gezeigt, wie der geplante internationale Marktstart 2027 vorbereitet wird und prominente deutsche Handelspartner vorgestellt.

Neben Haushaltselektronik und Smartphones präsentierte Xiaomi auf der IFA auch seine E-Auto-Modelle SU7 Ultra und SU7 Max sowie das Konzeptfahrzeug Vision Gran Turismo. Das Ganze lief dabei unter dem Motto „Human x Car x Home“. In China ist besagte Offensive des Konzerns bereits in vollem Gange und seit dem Marktstart im März 2024 wurden laut eigenen Angaben schon über 650.000 Fahrzeuge ausgeliefert.

Die Vorstellung erster Handelspartner für die Deutschland-Expansion war zentrales Element von Xiaomis PR-Auftakt. Bestätigt wurde mit Lueg aus Bochum einer der größten Mercedes-Händler des Landes und mit der Hahn-Gruppe aus Fellbach bei Stuttgart ein starker VW-Partner. Weitere Händler, die bereits entsprechende Absichtserklärungen unterzeichnet haben, sind unter anderem Emil Frey Germany, die Ernst Dello Gruppe, das Autohaus Dinnebier, Fett & Wirtz, SPT Avior sowie Penske-Jacobs.

Dem Manager Magazin liegen zudem Insiderinformationen vor, denen zufolge gleich mehrere der Top-10 deutschen Autohausgruppen zu Xiaomis zukünftigen Partnern gehören. Dabei scheint Xiaomi seine Strategie offenbar direkt an den europäischen Markt anzupassen. Schließlich setzt man im Heimatmarkt viel weniger auf derartige Partnerschaften, sondern arbeitet mit Online-Direktvertrieb und allgemeinen Flagship-Stores, wo die E-Autos neben Waschmaschinen und Co präsentiert werden.

Eigene Sales Companies statt Importeuren

Von einem Brancheninsider, der über viel Erfahrung mit chinesischen Autobauern verfügt, wird die Vorgehensweise von Xiaomi als gut strukturiert und professionell beschrieben. So würde unter anderem auch auf die Bekanntmachung überzogener Absatzziele verzichtet, die bei Konkurrenten wie BYD in Vergangenheit zu Problemen geführt haben.

Zudem verzichtet das chinesische Unternehmen auch auf klassische Importeure. Der Vertrieb wird über eigene national agierende Sales Companies gesteuert und soll Insidern zufolge als eine Mischform aus Händler- und Direktvertrieb funktionieren. Dabei sei das finanzielle Risiko für die Händler zwar überschaubar und werde größtenteils von Xiaomi selbst getragen. Bisher steht dem Bericht zufolge noch nicht fest, welche Modelle konkret nach Europa kommen sollen. Auch die finale Festlegung der Vertragsdetails steht noch aus und bisher ist unklar, welche IT- und Vertriebssysteme zur Anwendung kommen werden.

Vorbereitung mit europäischer Expertise

In Vorbereitung auf den neuen Markteintritt eröffnete Xiaomi schon vergangenes Jahr in München sein erstes Entwicklungszentrum außerhalb von China. Der Standort soll Unternehmensangaben zufolge genutzt werden, um Performance- und Sicherheitsfragen auf den neuen Markt anzupassen, da europäische Kunden ganz andere Anforderungen haben als chinesische.

Xiaomi baut bereits seit einigen Monaten ein europäisches Expertenteam auf, das sich aus ehemaligen Mitarbeitenden deutscher Marken wie BMW, Mercedes und Porsche sowie chinesischer Marken wie BYD, MG und Nio zusammensetzt. Ein prominentes Beispiel stellt hier unter anderem der frühere BMW-Designer Kai Langer dar.

Die Expansion ist für Xiaomi auch insofern relevant, als der Heimatmarkt in China schon seit einiger Zeit schwächelt. So wird man das ausgerufene Jahresziel von 550.000 verkauften Fahrzeugen kaum erreichen können. Gleichzeitig überstieg der Marktanteil chinesischer Marken in Europa zuletzt erstmals die 10-Prozent-Marke. Diese Entwicklungen dürften den Druck auf europäische Hersteller in den kommenden Jahren noch einmal deutlich erhöhen.

Quelle: Manager Magazin – Wie Xiaomi seine Autoattacke auf Europa startet

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Xiaomi

Xiaomi SU7 kommt 2027 offiziell nach Deutschland

Xiaomi SU7 kommt 2027 offiziell nach Deutschland

Daniel Krenzer  —  

Xiaomi startet 2027 offiziell in Deutschland und baut bereits ein Händlernetz auf. Der SU7 könnte dabei zum spannenden Taycan-Rivalen werden.

Xiaomi Nomad N90 Max fordert Range Rover und BMW X7 heraus

Xiaomi Nomad N90 Max fordert Range Rover und BMW X7 heraus

Patrick Solberg  —  

In China startet der siebensitzige Nomad N90 bereits bei umgerechnet 38.500 Euro und soll im kommenden Jahr auch nach Deutschland kommen, so Xiaomi.

Xiaomi YU7 GT stellt auf Nürburgring fahrerlosen Rekord auf

Xiaomi YU7 GT stellt auf Nürburgring fahrerlosen Rekord auf

Laura Horst  —  

Xiaomi hat mit dem YU7 GT den ersten fahrerlosen Rundenrekord auf dem Nürburgring aufgestellt. Das Performance-Elektroauto ist bisher nur in China erhältlich.

Importeur verkauft Xiaomi SU7 und Avatr künftig in Deutschland

Importeur verkauft Xiaomi SU7 und Avatr künftig in Deutschland

Daniel Krenzer  —  

Autohelden will zudem auch E-Autos und Verbrenner von Zeekr und Jetour bei uns zum Verkauf anbieten und rechnet mit 50.000 abgesetzten Fahrzeugen jährlich.

Xiaomi: Skynomad kommt 2026

Xiaomi: Skynomad kommt 2026

Maria Glaser  —  

Das chinesische Unternehmen bringt neue Elektroautos unter dem Namen Skynomad auf den Markt, wobei das erste Modell Kunlun N3 noch in diesem Jahr geplant ist.

Stellantis: Xpeng und Xiaomi als Retter für Opel und Fiat?

Stellantis: Xpeng und Xiaomi als Retter für Opel und Fiat?

Sebastian Henßler  —  

Der Opel-Mutterkonzern Stellantis sondiert Kooperationen mit chinesischen Partnern – und will künftig stärker in Nordamerika als in Europa investieren.