Volkswagen will die Versorgung seiner günstigeren Elektroautos mit bezahlbaren Batteriezellen langfristig absichern und setzt dabei auf einen chinesischen Partner. Die Batterietochter PowerCo und der Zellhersteller Gotion High-Tech gründen drei Joint Ventures in Spanien, der Slowakei und Marokko. Im Fokus stehen Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP), die weltweit bereits auf einen Marktanteil von gut 50 Prozent kommen. Zudem sind sie deutlich günstiger als die in Europa überwiegend verbaute NMC-Technik, für die Serienfertigung von Autos werden sie hier bislang aber noch gar nicht hergestellt.
Besonderes Gewicht hat der Standort in Marokko. Nahe der Hauptstadt Rabat will Gotion neben Zellen auch Kathodenmaterial produzieren, eine zentrale Komponente jedes Akkus. Dem Bericht zufolge würde damit erstmals ein chinesisches Unternehmen dieses Material außerhalb Chinas herstellen. Auch Lithium und seltene Erden liefert Gotion. In Wolfsburg fühlt man sich dadurch sicherer versorgt, zumal die Kathodenfertigung mit dem belgischen Rohstoffspezialisten Umicore nur langsam vorankommt und auf eine andere Zelltechnologie beschränkt ist.
Die Beteiligungen sind wechselseitig angelegt. Gotion übernimmt 49 Prozent an der Gigafabrik, die Volkswagen derzeit im spanischen Valencia baut, und zahlt dafür rund 1,1 Milliarden Euro. Ab 2027 sollen dort gemeinsam Zellen vom Band laufen, geplant sind rund 30 Gigawattstunden. Umgekehrt steigt PowerCo mit ebenfalls 49 Prozent beim Gotion-Werk im slowakischen Šurany ein, wo LFP-Zellen entstehen sollen. Für diesen Anteil wie für die gleich hohe Beteiligung in Marokko fließen jeweils 235 Millionen Euro.
Jedes Werk folgt eigenen Regeln. In Šurany betreibt das Joint Venture nur den ersten Block mit geplanten 10 Gigawattstunden, aus dem die Fabriken in Bratislava und im ungarischen Györ beliefert werden sollen, sobald Valencia ausgelastet ist. Einen zweiten Block will Gotion für andere Autobauer nutzen. Die Aufsichtsräte in Wolfsburg und Hefei haben bereits zugestimmt, die finale Unterschrift steht offenbar noch aus.
Wo Europas Zellträume geplatzt sind
Parallel halbiert die Volkswagen AG in etwa ihren 24-Prozent-Anteil an Gotion und dürfte damit knapp eine Milliarde Euro einnehmen. In der Zukunftsvereinbarung, auf die sich der Aufsichtsrat am 3. September verständigt hatte, war Gotion noch unter jenen Beteiligungen aufgeführt, die systematisch überprüft werden sollen. Gespräche über das „Projekt Atlas“ liefen seit der Jahreswende.
Hintergrund ist die schwierige Lage der europäischen Zellfertigung. Northvolt, an dem Volkswagen mit 20 Prozent beteiligt war, rutschte im März 2025 in die Insolvenz, weil sich die Zellen nicht zuverlässig produzieren ließen. ACC, das Gemeinschaftsunternehmen von Stellantis, Mercedes und Saft, hat seine Pläne weitgehend gestoppt: Kaiserslautern und Termoli sind abgesagt, Douvrin läuft eher im Manufakturformat. Selbst CATL liegt mit seiner Fabrik im ungarischen Debrecen deutlich hinter dem Zeitplan.
Auch PowerCo wollte ursprünglich stärker eigenständig bauen, war dafür aber nicht schnell genug. In Salzgitter läuft die erste eigene Zellfabrik gerade langsam an. Intern ist für 2026 von rund einer Million Zellen die Rede, etwa 0,5 Gigawattstunden, genug für rund 10.000 Autos. Später soll das Werk 20 Gigawattstunden erreichen, Gotion bleibt dort reiner Technologiepartner.
Im kanadischen St. Thomas, dem größten geplanten Zellwerk des Konzerns, bleibt Gotion außen vor. Offenbar fürchtet PowerCo, mit einem chinesischen Anteilseigner die Subventionen der kanadischen Regierung zu riskieren. Aus demselben Grund soll es keine Gotion-Beteiligung an der PowerCo-Obergesellschaft geben.
Marokko als Schutzschild gegen Zölle
Chinesische Zellhersteller wie Gotion, das mit gut 4 Prozent Weltmarktanteil hinter CATL, BYD und Samsung liegt, liefern derzeit lieber aus heimischen Werken nach Europa, weil das trotz Transportkosten meist günstiger ist. Diese Rechnung könnte sich ändern: Die EU-Kommission plant Made-in-Europe-Regeln mit Mindestquoten für europäische Teile, zudem gelten höhere Zölle auf importierte Batteriezellen als möglich. Marokko ist über ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union verbunden, was das dortige Werk vor solchen Nachteilen schützen dürfte. Eine Garantie ist das nicht, wie das Beispiel USA zeigt. Trotz eines seit 2006 bestehenden Freihandelsabkommens erheben die Vereinigten Staaten seit April 2025 einen Zoll von 10 Prozent auf alle Importe aus Marokko.
Im Konzern wurde zuletzt intensiv diskutiert, wie Volkswagen auf die Expansion chinesischer Autobauer nach Europa reagieren soll. Ein häufig genannter Ansatz: chinesische Hersteller über Joint Ventures einbinden. Mit Gotion überträgt Volkswagen dieses in China bewährte Modell nun erstmals nach Europa, vorerst auf die Zellfertigung beschränkt.
Quelle: Manager-Magazin – Volkswagens Batteriezellen-Coup









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