Elektroautos benötigen deutlich weniger Wartung als Verbrenner – für Werkstätten und Teilelieferanten ist das zunächst keine gute Nachricht. Zulieferer Bosch stellt sich deshalb auf ein verändertes Aftermarket-Geschäft ein. Zugleich warnt der Zulieferer davor, dass Batteriedefekte künftig die Lebensdauer von Autos verkürzen könnten. Aktuelle Daten zur Haltbarkeit von E-Auto-Akkus relativieren diese Befürchtung allerdings.
„E-Autos sind weit weniger wartungsintensiv als Verbrenner. Da werden wir dementsprechend verlieren“, sagt Rupert Höllbacher, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Bosch Mobility Aftermarket, im Gespräch mit der Automobilwoche. Zwar entstünden neue Geschäftsfelder etwa bei Batteriediagnose, Hochvolt-Service und Thermomanagement. Das bisherige Geschäft werde dies aber nicht vollständig ersetzen können.
Besonders kritisch sieht Höllbacher mögliche Defekte an älteren Hochvoltbatterien. „Wenn bei einem sechs bis acht Jahre alten Auto heute die Batterie ausfällt, ist das aktuell meistens ein Totalschaden“, sagt er. Entscheidend sei deshalb, ob sich Batterien wirtschaftlich reparieren oder ersetzen lassen.
Auf die Frage, ob dadurch die Lebenserwartung von Autos künftig erheblich sinken werde, antwortet er deutlich: „Wenn wir es nicht schaffen, Batteriereparatur oder -tausch finanziell attraktiver zu machen, lautet die Antwort ganz klar: Ja.“ Das wäre aus seiner Sicht auch ein Rückschritt für nachhaltiges Wirtschaften, weil viele andere Fahrzeugkomponenten auf eine deutlich längere Lebensdauer ausgelegt seien.
Batterieausfall ist nicht gleich Batteriealterung
Die Argumentation hat einen wichtigen Punkt: Ist eine Hochvoltbatterie tatsächlich defekt und kann nur als komplettes Paket teuer ersetzt werden, kann dies bei einem älteren Elektroauto wirtschaftlich problematisch werden. Daraus folgt aber keineswegs, dass E-Auto-Batterien nach einigen Jahren oder sechsstelligen Kilometerständen üblicherweise vor dem Aus stehen.
Jüngere Auswertungen zeichnen vielmehr ein robustes Bild. Aviloo hat mehr als 500.000 Batterietests ausgewertet. Nach 150.000 Kilometern lag der mediane State of Health beim Tesla Model Y noch bei 90,3 Prozent, beim VW ID.4 bei 90,6 Prozent und beim Hyundai Ioniq 5 bei 92,8 Prozent. Auch eine schwedische Auswertung von knapp 10.000 Batterietests fiel positiv aus. Selbst das auf Rang 20 liegende Modell verfügte nach mehr als 100.000 Kilometern im Schnitt noch über mehr als 90 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität. Kia e-Niro und Hyundai Kona Elektro lagen sogar bei rund 97 Prozent.
Wie robust moderne Akkus sein können, zeigte zudem ein VW ID. Buzz nach einer Weltreise durch 92 Länder: Nach knapp 100.000 Kilometern und mehr als 300 Ladezyklen ermittelte TÜV Nord noch einen State of Health von 95,75 Prozent. Bei sechs seit 2018 eingesetzten Jaguar I-Pace im Münchner Taxibetrieb lagen die Batterien trotz 180.000 bis mehr als 260.000 Kilometern bei einer Dekra-Untersuchung noch zwischen 95 und 97 Prozent.
Reparierbarkeit dürfte entscheidender werden
Allerdings beantworten solche State-of-Health-Werte das von Höllbacher angesprochene Problem nicht vollständig. Eine Batterie kann noch eine hohe Restkapazität besitzen und dennoch wegen eines einzelnen defekten Moduls oder anderer Komponenten ausfallen, auch wenn das vergleichsweise selten passiert.
Die Daten zeigen aber, dass die normale Alterung des Akkus offenbar deutlich seltener zum begrenzenden Faktor der Fahrzeuglebensdauer wird, als vielfach befürchtet. Entscheidend dürfte deshalb weniger sein, ob ein Akku nach 100.000 oder 200.000 Kilometern noch genügend Kapazität besitzt, sondern ob einzelne Defekte gezielt und bezahlbar repariert werden können. Genau darauf setzt offenbar auch Bosch. „Ich persönlich glaube fest an die Reparatur der Batterie“, sagt Höllbacher. Die Branche muss folglich verhindern, dass ein einzelner Defekt zum wirtschaftlichen Totalschaden eines ansonsten intakten Autos führt. Am Ende geht es aber um die Lebensdauer von Elektroautos, die von solchen eher seltenen Defekten betroffen sind und nicht um Durchschnittswerte.
Quelle: Automobilwoche – Bosch-Manager: „Die Lebenserwartung von Autos wird sinken“









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