CATL Tectrans II: Bis zu 1000 Kilometer Reichweite für E-Lkw

CATL Tectrans II: Bis zu 1000 Kilometer Reichweite für E-Lkw
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CATL | CATL Tectrans II

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

CATL hat auf der IAA Transportation in Hannover mit Tectrans II eine neue Batterie-Plattform für Nutzfahrzeuge vorgestellt. Das System soll die Elektrifizierung von Lkw und Bussen wirtschaftlicher machen und Flottenbetreiber:innen über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg entlasten, von der Anschaffung über den laufenden Betrieb bis zum Wiederverkauf.

Kern der Plattform ist ihr modularer Aufbau. Durch die Kombination unterschiedlich vieler standardisierter Batteriepacks lassen sich Energiekapazität und Zuladung an verschiedene Einsatzszenarien anpassen, von der Stadtlogistik bis zum Langstreckentransport. Im maximalen Ausbau erreicht die Plattform eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometern. Zudem ist sie sowohl mit E-Achsen- als auch mit Zentralantrieben kompatibel und lässt sich flexibel zwischen Laden und Batteriewechsel umschalten, ohne dass Fahrzeug oder Batterie ausgetauscht werden müssen.

Weil äußere Abmessungen, elektrische Schnittstellen und Kommunikationsprotokolle über die gesamte Plattform hinweg einheitlich sind, können neue und bestehende Fahrzeugmodelle auch nachträglich von technischen Weiterentwicklungen profitieren. Hersteller sparen sich dadurch die Entwicklung eigener Batteriesysteme für jedes einzelne Modell. Laut CATL verkürzen sich Entwicklungszyklen auf diese Weise um 50 Prozent, während Forschungs- und Entwicklungskosten um 60 bis 70 Prozent sinken. Auf der Bühne in Hannover ordnete Akin Li, Executive President von CATL Overseas Business, den Schritt größer ein: Die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen sei „die dritte Welle der globalen Energiewende“, die Produkte, Energieinfrastruktur, Services und Ökosystem gleichermaßen betreffe.

Wenn jedes Kilogramm zusätzlichen Gewinn bedeutet

Für den täglichen Betrieb rechnet CATL vor, wie sich technische Details unmittelbar auf die Bilanz auswirken sollen. Die gravimetrische Energiedichte der Batterie liegt bei 170 Wattstunden pro Kilogramm und damit rund 13 Prozent über dem Branchendurchschnitt. Bei gleicher Batteriekapazität können Fahrzeuge dadurch etwa 0,6 Tonnen mehr zuladen, was laut Hersteller zusätzliche Einnahmen von 9450 Euro pro Jahr und mehr als 110.000 Euro über zwölf Jahre ermöglichen soll. Beim Laden setzt die Plattform auf Megawatt-Technik und erreicht 80 Prozent Ladestand in 25 Minuten, was Standzeiten auf Langstrecken verkürzen soll.

Ein neu entwickeltes Full-Tab-Design mit geringem Innenwiderstand soll zusätzlich den Wirkungsgrad steigern. Die Systemeffizienz, gemessen als Round-Trip Efficiency, erreicht laut CATL 96 Prozent und liegt damit drei Prozentpunkte über dem sonst üblichen Industriestandard. Bei einem Batteriesystem mit 715 Kilowattstunden entspricht das rechnerisch bis zu 3750 zusätzlichen Kilometern pro Jahr und rund 144.000 Euro Mehrertrag binnen zwölf Jahren.

Für die Schwerlastversion verspricht CATL eine Lebensdauer von 12 Jahren und 1,5 Millionen Kilometern bei einer Kapazitätserhaltung von 70 Prozent, ganz ohne Batterietausch über die gesamte Nutzungsdauer. In Summe soll die Schwerlast-Variante dadurch jährlich rund 21.400 Euro und über den gesamten Nutzungszeitraum von zwölf Jahren etwa 256.800 Euro mehr erwirtschaften als eine konventionelle, für acht Jahre ausgelegte Lösung. Als Praxisbeleg nennt CATL einen Linienbus in Helsinki, der nach sieben Einsatzjahren und 720.000 Kilometern noch einen Batteriezustand von mehr als 82 Prozent aufweist.

Sicherheit soll auch nach Jahren überzeugen

Auch bei Sicherheit und Ausfallsicherheit hat CATL nachgelegt. Das warmumgeformte Stahlobergehäuse hält wiederholten Belastungen durch eine 180 Kilogramm schwere Person 10.000-mal stand, während die Bodenplatte Stößen mit 1000 Joule widersteht. Das Aluminiumgehäuse erreicht eine seitliche Druckfestigkeit von bis zu 250 Kilonewton und ist auf 15 Jahre Korrosionsbeständigkeit ausgelegt, was den Einsatz in Küstenregionen und kalten Klimazonen erleichtern soll.

Eine mehrfach redundante Batteriesteuerung erkennt Isolationsfehler frühzeitig und kann einzelne Stränge isolieren, sodass ein Fahrzeug im Fehlerfall selbstständig die nächste Werkstatt erreichen kann. Ein mehrschichtiges Schutzkonzept von der Chipebene bis zum Gesamtsystem soll zusätzlich vor Cyberangriffen schützen. Validiert wurde die Plattform unter anderem mit einem eigens entwickelten Verwindungsprüfstand für komplette Fahrzeugrahmen sowie mit Brandtests bei 1000 Grad Celsius.

CATL | Blick in die Produktion

Neben der neuen Plattform vereinbarte CATL auf der Messe mit der DHL Group eine Absichtserklärung für sogenannte Green Freight Corridors in Europa. Die im September 2024 begonnene Zusammenarbeit soll damit ausgeweitet werden: DHL bringt sein Logistiknetzwerk und operative Erfahrung ein, CATL seine Batterietechnologie und das zugehörige Ökosystem. Gemeinsam mit Automobilherstellern sollen zudem speziell entwickelte Elektro-Nutzfahrzeuge entstehen und in Pilotprojekten erprobt werden. Zhu Lingbo, Chief Technology Officer der CATL Global Business Unit, beschrieb den Ansatz als langfristig angelegt: Der Wandel im Nutzfahrzeugsektor werde sich über „mehr als ein Jahrzehnt“ erstrecken, CATL wolle in dieser Zeit „der verlässlichste Partner“ für Kund:innen weltweit sein.

Quelle: CATL – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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