Audi geht in die USA. Dies verkündeten US-Präsident Donald Trump und Audi-CEO Gernot Döllner am Wochenende auf einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner in Georgia. Ab Anfang der 2030er Jahre sollen im Südosten der Vereinigten Staaten SUV mit den vier Ringen vom Band laufen.
Ganz überraschend kommt die Nachricht nicht, denn seit vielen Jahren war ein Audi-Fertigungsstandort in den USA immer ein Thema. Doch vor allem die starken Gewerkschaften im Volkswagen Konzern verhinderten immer wieder eine Verlagerung der Produktion speziell bei großen Crossovern in die USA. Anfang der 2010er Jahre war eine Fertigung ebenfalls im Gespräch; jedoch entschied man sich damals – insbesondere wegen großer steuerlicher Vergünstigungen – ein Werk im mexikanischen San José Chiapa im Bundesstaat Puebla anzusiedeln. Hier läuft seit Herbst 2016 insbesondere der Audi Q5 vom Band.
Die direkten Wettbewerber BMW und Mercedes sind seit Jahrzehnten bereits in den Südstaaten der USA mit Standorten vertreten. BMW hat in Spartanburg / South Carolina (mehr als 430.000 Fahrzeuge pro Jahr) sogar seinen größten Fertigungsstandort weltweit, wo hauptsächlich die größeren X-Modelle vom Band laufen.
Spartanburg: Wie BMW zum Exportmotor der USA wurde
Im Lauf der Jahre wurde die Fertigung in der Nähe von Spartanburg nicht mehr nur für den US-Markt wichtig, sondern auch zum größten Automobil-Exporteur Nordamerikas. Nach den Daten des US-Handelsministeriums exportierte BMW allein im vergangenen Jahr rund 225.000 Fahrzeuge im Wert von mehr als zehn Milliarden US-Dollar – mehr als jeder andere. „Das Werk in Spartanburg ist seit über 30 Jahren ein wichtiger und heute der größte Standort in unserem Produktionsnetzwerk“, so BMW-CEO Milan Nedeljković, „der starke Exportanteil unseres Werks unterstreicht, welche Bedeutung Freihandel für die USA hat. Davon profitiert nicht nur unser Werk, sondern auch das starke Lieferantennetzwerk in der Region.“ Seit 2014 gab es Ausfuhren von 2,7 Millionen Fahrzeugen im Gesamtvolumen von 104 Milliarden US-Dollar – damit liegen die Südstaaten-Bayern weit vor heimischen Marken wie General Motors, Tesla oder Ford. 70 Prozent der dort verbauten Stahl- und Aluminiummengen stammen aus den USA und haben daher mit Strafzöllen nichts zu tun.
Der Umstieg in die Elektromobilität in der Südstaaten-Fertigung läuft auf vollen Touren. Jüngst haben die Bayern 1,7 Milliarden US-Dollar ins Werk investiert; eine Milliarde für die reine Fertigung von Elektromodellen und 700 Millionen US-Dollar für eine Batteriefertigung im nahegelegenen Woodruff / South Carolina. Allzu gerne hätte man diese auf dem aktuellen Werksgelände entstehen lassen, doch die dortige Fläche von fast 750.000 Quadratmetern ist völlig ausgereizt nachdem zuletzt ein neues Presswerk und ein neues Logistik-Zentrum in Betrieb genommen wurden. Die Batterien für die insgesamt sechs Elektromodelle (X3 / X4, X5 / X6 / X7 und XM) stammen von Zell-Partner AESC, die in der Umgebung des Werks eine eigene Fertigung von Lithium-Ionen-Rundzellen entstehen lassen. Die Jahresproduktion der Akkufertigung soll bei bis zu 30 GWh liegen.
Seit fast drei Jahrzehnten baut Mercedes in Alabama große SUV
Mercedes zog es in den 1990er Jahren – speziell für den damaligen ML-SUV – ebenfalls in den US-Süden. In Tuscaloosa / Alabama ist eines der größten Werke des schwäbischen Autobauers mit Fokus auf große SUV wie GLE / GLS und mittlerweile auch die Elektromodelle EQS / EQE als SUV. Rund 60 Prozent der dort gefertigten Modelle gehen in den Export. Im März lief dort seit 1997 das fünfmillionste Fahrzeug vom Band. Vor drei Jahren wurde nun unweit von Tuscaloosa im Bibb County eine neue Batteriefertigung eröffnet, aus der sich insbesondere EQE und EQS als SUV-Versionen bedienen soll. 600 weitere Arbeitsplätze für die bestehenden 4500 im benachbarten Tuscaloosa.
Hatte das ehemalige ML-Werk vor 25 Jahren eine Startkapazität von 65.000 Fahrzeugen, so wurden im vergangenen Jahr 260.000 Fahrzeuge der Modellreihen GLE / GLE Coupé, GLS, EQE / EQS produziert. Seit den 1990er Jahren hat der ehemalige Daimler-Konzern in Alabama mehr als sieben Milliarden US-Dollar investiert. Davon flossen eine Milliarde Dollar in die Errichtung des Batteriewerks, in das Logistik Center und in die Flexibilisierung der Produktionslinien. Neben den 4500 aktuell Beschäftigten gibt es rund 11.000 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern und regionalen Dienstleistern.
Hoffnung für Georgia, wachsender Druck auf Neckarsulm
Während in Neckarsulm viele Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz in Deutschland bangen, plant Audi nunmehr ein Werk im US-Bundesstaat Georgia und verkündete dies am Wochenende publikumswirksam auf einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner zusammen mit US-Präsident Donald Trump, der vor den sogenannten Midterm-Wahlen in einer Woche zur Mitte der Wahlperiode ein paar gute Nachrichten brauchen kann. „Die Vereinigten Staaten sind einer der wichtigsten Premiummärkte der Welt, in dem wir unser Potenzial heute noch nicht voll ausschöpfen“, sagt Audi-CEO Gernot Döllner, „das wollen wir ändern – mit Premiumprodukten, einer stärkeren Marke und einer wettbewerbsfähigen lokalen Produktion. Für uns geht es darum, das Audi-Geschäft in den USA nachhaltig zu stärken – eine eigene Fertigung ist der Schlüssel dazu.“
Audi will mit der Grundsteinlegung im kommenden Jahr beginnen und mit einem Invest von vier Milliarden US-Dollar zunächst 4500 neue Arbeitsplätze schaffen. Das Fertigungsvolumen pro Jahr soll bei 200.000 Fahrzeugen liegen. Der genaue Produktionsstart dürfte 2031 sein. Die Beschäftigten in Europa und speziell Deutschland dürfte die Nachricht spürbar unter Druck setzen, denn die Werke sind am Stammsitz Ingolstadt und speziell in Neckarsulm nicht voll ausgelastet. Entlastung soll die Verlagerung in die USA speziell für das Volkswagen Konzernwerk in Bratislava / Slowakei bringen, denn hier laufen die meisten der großen SUV-Modelle vom Band. Die Nachfrage ist besonders groß und so sollen nach der Einstellung des dort gefertigten VW Touareg neue Kapazitäten für Modelle wie Porsche Cayenne, Škoda Superb und VW Passat entstehen. Die Maximalauslastung in der Slowakei liegt bei mehr als 450.000 Fahrzeugen.







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