VW plant Nullrunden bis 2030 für 660.000 Beschäftigte

VW plant Nullrunden bis 2030 für 660.000 Beschäftigte
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Für die weltweit mehr als 660.000 Beschäftigten des Volkswagen-Konzerns könnte es bis 2030 keine einzige Gehaltserhöhung geben. Sollten sich entsprechende Pläne durchsetzen, rechnet die IG Metall mit Reallohnverlusten von mindestens zehn Prozent. Hintergrund ist eine Vorgabe des Konzernvorstands an Personalverantwortliche rund um den Globus: das aktuelle Tarifniveau einfrieren und Entgelterhöhungen aussetzen. Nach Darstellung der Gewerkschaft gilt diese Anweisung bereits seit Anfang Oktober. Zuerst hatte die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet.

Konkret setzt der Schritt bei der Budgetplanung an. Volkswagen hat den Spielraum für Entgelterhöhungen in den Personalkostenbudgets eingefroren, wie die Automobilwoche aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr. Üblicherweise fließen erwartete Tarifsteigerungen dort von vornherein ein, hinzu kam stets ein Inflationsausgleich. Mit dieser Praxis breche der Konzern nun, kritisiert die Gewerkschaft. Nach ihrer Einschätzung würde das “mehrere sogenannte Nullrunden komplett ohne Tariferhöhungen bedeuten”.

Informiert wurden die Belegschaften über das Intranet, und zwar durch den Europäischen und Weltkonzernbetriebsrat. Das Gremium sieht in dem Vorhaben einen Plan “mit enormer Sprengkraft”, nennt das Vorgehen absurd und erinnert daran, dass Personalkosten nur einen Bruchteil der Umsatzkosten ausmachen. Zudem fehle bislang jede Positionierung der Arbeitgeberseite für die anstehenden Tarifgespräche.

Volkswagen selbst hält sich bedeckt. Offiziell handle es sich um eine Angelegenheit zwischen den Tarifparteien, zu der man sich nicht äußere. Im Unternehmen ist teils von einem “vermeintlichen Extremszenario” die Rede, das die Dringlichkeit der Sparbemühungen verdeutlichen soll. Laut Automobilwoche ging die Aufforderung bereits an mehrere hundert Führungskräfte weltweit.

Eine Vorgabe, die an Tarifgrenzen stößt

Ob sich ein jahrelanger Verzicht auf Gehaltserhöhungen überhaupt umsetzen lässt, ist offen. Über Löhne und Gehälter verhandeln Gewerkschaften mit Vertreter:innen des Unternehmens, in Deutschland traditionell die Gewerkschaft IG Metall auf der einen und der Personalvorstand auf der anderen Seite. Vergleichbare Konstellationen gibt es an anderen EU-Standorten sowie in den USA und in Lateinamerika. Was dort am Verhandlungstisch herauskommt, kann der Vorstand nicht vorwegnehmen.

Intern sorgt das Vorgehen deshalb für Verwunderung. Unternehmen auf Sparkurs geben Abteilungen in der Regel vor, Budgets um eine bestimmte Größenordnung zu kürzen, die Umsetzung übernehmen dann die örtlichen Manager:innen. Den Ausgang von Tarifrunden bis 2030 festzulegen, liegt jedoch nicht in der Hand der Verantwortlichen in Tochter- und Landesgesellschaften.

Wie viel Konfliktpotenzial in dem Thema steckt, zeigt ein Blick auf Volkswagen Mexiko. Dort einigten sich Unternehmen und örtliche Gewerkschaft Anfang Oktober auf ein Tarifpaket mit Erhöhungen von mehr als 13 Prozent bis 2027. In einer Abstimmung fiel es bei den Beschäftigten trotzdem durch, weil sie noch mehr erwarten.

In Deutschland beginnen voraussichtlich Ende November die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag. Laut IG Metall geht es sowohl um den VW-Haustarif als auch um den Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie, der unter anderem für Audi, MAN und Porsche gilt. Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Geld.

VW: Gekündigte Verträge und Werke mit ungewisser Zukunft

Bereits Ende September hatte Volkswagen zehn Tarifverträge gekündigt, darunter die Vereinbarungen zu Arbeitszeit und Entgelt. Der Konzern will auf diesem Weg Druck aufbauen und weitere Einsparungen erreichen. Vorstand, Betriebsrat und Gewerkschaft steuern damit speziell hierzulande auf einen Konflikt zu.

Parallel verschärft der Konzern seinen Sparkurs. Weltweit will der Vorstand in den kommenden Jahren 50.000 Stellen streichen, zusätzlich zu bereits bestehenden Abbauplänen; insgesamt plant Volkswagen bis 2030 den Abbau von 100.000 Arbeitsplätzen. Konkrete Programme müssen allerdings erst mit der Arbeitnehmerseite ausgehandelt werden. Sämtliche Unternehmensbereiche sind zudem angehalten, Kosten zu senken, auch Werksschließungen in Deutschland stehen im Raum. Offen ist etwa die Zukunft der VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus.

Erfahrung mit Verzicht hat ein Teil der Belegschaft bereits. Bei den Tarifverhandlungen 2024 gab es neben Stellenstreichungen eine Nullrunde für 130.000 VW-Beschäftigte. Analog zum Abschluss im Flächentarif fließt ein Gehaltsplus von fünf Prozent in zwei Stufen in einen Fonds statt auf die Konten der Angestellten.

Quelle: Automobil Industrie – Volkswagen will Gehälter bis zum Jahr 2030 einfrieren / Automobilwoche – Volkswagen: Kein Gehaltsplus bis 2030? Wie realistisch die Pläne sind

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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