VW ID.Polo: Warum das 25.000-Euro-Versprechen wackelt

VW ID.Polo: Warum das 25.000-Euro-Versprechen wackelt
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Auf kaum ein kommendes Elektroauto richtet Volkswagen derzeit so viel Aufmerksamkeit wie auf den ID.Polo. Der Kompaktstromer soll ab 2026 neue Kundengruppen ansprechen und mit einem Preisversprechen von 25.000 Euro den Zugang zur Elektromobilität erleichtern. Mitte Dezember folgten weitere Details, die das Bild präzisierten, aber auch neue Fragen aufwarfen.

In einer Mitteilung sprach Volkswagen Markenchef Thomas Schäfer davon, Elektromobilität für viele Menschen in Europa erreichbar zu machen. Die Formulierung griff den Kern der Strategie auf, ließ jedoch einen wichtigen Punkt offen. Denn zum geplanten Marktstart wird die günstigste Ausführung offenbar nicht sofort verfügbar sein, wie das Handelsblatt berichtet. Damit verschiebt sich genau jene Variante, auf der das kommunizierte Einstiegsversprechen basiert, zunächst nach hinten.

VW ID.Polo: Zum Start nur stärkere und teurere Varianten geplant

Nach Informationen aus Händlerkreisen soll der ID.Polo ab April 2026 konfigurierbar sein. Kund:innen können dann jedoch wohl zunächst nur leistungsstärkere Versionen bestellen. Konkret geht es um eine Ausführung mit 155 Kilowatt Leistung und größerem Akku. Diese Kombination bietet mehr Performance und Reichweite, liegt preislich jedoch deutlich über der Marke von 25.000 Euro.

Konkrete Preise sind dem Handel bislang nicht genannt worden. Intern rechnen viele Beobachter damit, dass die zunächst verfügbaren Varianten eher im Bereich von 30.000 Euro oder darüber angesiedelt sein dürften. Die eigentliche Einstiegsversion, die den niedrigeren Preis ermöglichen soll, ist technisch einfacher ausgelegt. Sie nutzt einen kostengünstigeren Batterietyp mit geringerer Reichweite, der vor allem die Produktionskosten senken soll.

Volkswagen bestätigt auf Nachfrage, dass der ID.Polo zum angekündigten Einstiegspreis erst zu einem späteren Zeitpunkt bestellbar sein wird. Als Grund nennt der Konzern die verzögerte Verfügbarkeit der günstigeren Batterie. Gleichzeitig versuche der Hersteller, die zeitliche Lücke klein zu halten. Intern ist von lediglich wenigen Wochen die Rede, die zwischen dem Start der ersten Auslieferungen und der Bestellbarkeit der Basisversion liegen sollen. Die ersten Autos sollen ab dem Spätsommer zu den Kunden kommen.

Handel rechnet mit deutlich längeren Zeiträumen bis günstige Einstiegsvariante folgt

Im Handel wird diese Einschätzung jedoch zurückhaltender bewertet. Dort kursieren deutlich variablere Zeitangaben. Ein Händler berichtet, dass in einzelnen Szenarien von mehreren Monaten bis hin zu einem halben oder sogar dreiviertel Jahr die Rede sei, bis der günstigere Akku tatsächlich verfügbar werde. Solche Unsicherheiten sind beim Produktionsanlauf neuer Modelle zwar nicht ungewöhnlich, bekommen in diesem Fall aber eine besondere Bedeutung.

Ein Grund dafür liegt in der Lieferkette. Die leistungsstärkeren Batterien bezieht Volkswagen für den ID.Polo aus der eigenen Zellfabrik der Batterietochter Powerco in Salzgitter. Für die günstigeren Akkus ist der Konzern zunächst auf externe Zulieferer angewiesen. Genau dort scheint es derzeit zu haken, was den zeitlichen Ablauf erschwert.

Aus Händlersicht ist das Vorgehen technisch nachvollziehbar, kommunikativ jedoch sensibel. Über Monate hinweg wurde das Modell konsequent als 25.000-Euro-Elektroauto beworben. Wenn diese Variante zum Start nicht verfügbar ist, könne das bei manchen Interessierten zu Enttäuschungen führen, heißt es. Volkswagen verweist dagegen darauf, dass erfahrungsgemäß nicht die Einstiegsmotorisierung den größten Absatzanteil erzielt und man mit den zuerst verfügbaren Versionen einen Großteil der Nachfrage bedienen könne.

Quelle: Handelsblatt – 25.000-Euro-Auto zunächst nicht für 25.000 Euro bestellbar

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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