Volkswagen führt mit dem ID. Polo ein technisches Konzept ein, das sich deutlich vom bisherigen Polo unterscheidet und zugleich zentrale Konstruktionsprinzipien des modulare E-Antriebs der nächsten Generation sichtbar macht. Dieses Modell ist das erste Serienauto auf Basis der MEB Plus, einer evolvierten Plattform, die Volkswagen auf mehr Effizienz, niedrigere Produktionskosten und ein breiteres Einsatzspektrum ausgelegt hat. Im Rahmen der letzten Erprobungsfahrten zeigt der Hersteller, wie tiefgreifend die technischen Veränderungen ausfallen und welche Rolle die neue Architektur bei künftigen Kompaktmodellen spielen soll.
MEB Plus verschiebt die technischen Spielregeln im Kleinwagen-Segment
Die MEB Plus-Plattform bildet die strukturelle Grundlage für den elektrischen Kleinwagen und ersetzt die bisherige Modulbauweise durch ein stärker integriertes System, das Antrieb, Batterietechnik und Software enger miteinander verzahnt. Entscheidend ist die Verschiebung des Antriebsschwerpunktes nach vorn, denn der ID. Polo nutzt als erstes Modell einen neu konstruierten Frontantrieb. Diese Entscheidung ermöglicht eine veränderte Raumnutzung, senkt den Bauteileumfang und soll die Kostenstruktur verbessern. Ein Entwickler beschreibt diesen Ansatz so: „Wir wollten ein System schaffen, das kompakter arbeitet und gleichzeitig die Anforderungen des Kompaktsegments erfüllt.“

Die neue E-Maschine vom Typ APP290 bildet das Herzstück des Antriebs. Sie arbeitet nach dem Prinzip der achsparallelen Anordnung, bei dem Motor und Getriebe direkt hinter der Vorderachse sitzen. Durch diese Bauweise entstehen geringere mechanische Verluste, weil weniger Umlenkpunkte und kürzere Kraftpfade nötig sind. Der Elektromotor wird in drei Leistungsstufen angeboten und erreicht je nach Variante 85, 99 oder 155 Kilowatt. Eine stärkere Ausführung mit 166 Kilowatt folgt später.
Die Drehmomentcharakteristik des Aggregats zeigt, dass der Motor vor allem auf Effizienz statt auf maximale Spitzenleistung ausgelegt ist. Die Ingenieure nutzen ein Rotor-Stator-Setup mit optimierter Magnetflussdichte, um die Verlustleistung zu verringern und die Dauerleistung zu stabilisieren.


Direkt an das Motorgehäuse angekoppelt wurde der neue Pulswechselrichter, ein Steuerbauteil, das weite Teile des Antriebs koordiniert. Ein Mitglied des Entwicklungsteams beschreibt dessen Rolle so: „Der Pulswechselrichter definiert, wie schnell und wie effizient der Motor arbeitet.“ Er wandelt den Gleichstrom der Batterie in Wechselstrom, steuert die Versorgung der Phasen, ermittelt die optimale Stromstärke für verschiedenste Lastzustände und regelt die Rekuperation. Die Effizienzgewinne entstehen durch hochwertige Halbleiter und ein überarbeitetes thermisches Management, das die Betriebstemperatur über lange Lastprofile stabilisiert. Dadurch sinkt der Energiebedarf, insbesondere bei Autobahnfahrten.
PowerCo Einheitszelle verändert die Batteriearchitektur
Die Batteriearchitektur des ID. Polo unterscheidet sich grundlegend vom bisherigen MEB-System. Volkswagen setzt erstmals im Kleinwagensegment auf die sogenannte PowerCo-Einheitszelle, die als Cell-to-Pack-Batterie ausgeführt ist. Statt Zellen zunächst in Module zu integrieren, entfallen Zwischenschritte. Die Zellen werden direkt zu einem kompletten Batteriepaket zusammengeführt. Diese Bauweise verringert den Materialeinsatz, verringert die Anzahl der Komponenten und verbessert die Energiedichte. Im ID. Polo stehen zwei Chemien zur Verfügung: eine Lithium-Eisenphosphat-Variante (LFP) mit 37 Kilowattstunden und ein Nickel-Mangan-Kobalt-System (NMC) mit 52 Kilowattstunden.

Die LFP-Batterie gilt als robuste Lösung mit stabiler Zyklenfestigkeit. Sie verwendet keine Nickel- oder Kobaltanteile, was die Rohstoffkosten senkt. Die NMC-Variante bietet eine höhere Energiedichte und adressiert damit längere Pendelstrecken. Nach internen Testreihen sollen damit Reichweiten von rund 450 Kilometern möglich sein. Beide Batterien laden mit elf Kilowatt an der Wallbox. Die Schnellladeleistung unterscheidet sich: Die kleinere Batterie schafft bis zu 90 Kilowatt, die größere bis zu 130 Kilowatt. Die prognostizierte Ladezeit zwischen zehn und achtzig Prozent liegt bei rund 27 beziehungsweise 23 Minuten.
Thermisch ist die Batterie in ein neues Kühlmodul integriert, das auf flächige Wärmeübertragung setzt. Dadurch verbessert sich die Temperaturstabilität innerhalb der Zellen, was die Ladegeschwindigkeit bei niedrigen Außentemperaturen unterstützt. Der elektrische Klimakompressor wurde akustisch entkoppelt, um Vibrationen nicht in den Innenraum weiterzuleiten. Dieser Schritt zeigt, wie stark Volkswagen die Gesamtsystemintegration optimieren wollte.

Neben Antrieb und Batterie wurde auch das Fahrwerk grundlegend überarbeitet. Vorn arbeitet eine MacPherson-Vorderachse, die auf eine präzise Rückmeldung ausgelegt ist. Die Dämpfer verfügen über große Kolbenflächen und differenzierte Druckstufen, um sowohl Komfort als auch Kontrolle zu verbessern. Hinten verwendet Volkswagen eine Verbundlenkerachse, deren kompakte Bauweise Platz schafft für den Kofferraum. Ihre abgestimmten Lager verwenden eine Zwei-Komponenten-Technik, die niederfrequente Vibrationen abschwächt. Zusätzlich sorgt ein passiver Schwingungstilger dafür, dass Abrollgeräusche gedämpft werden.
Bremsen und Rekuperation arbeiten eng verzahnt
Die Bremsanlage wurde als One-Box-System neu konstruiert. Dieses System bündelt mehrere Bremsfunktionen in einer kompakten Einheit und ermöglicht eine feinere Abstimmung zwischen hydraulischem Bremseingriff und Rekuperation. Der ID. Polo kann mehr Energie zurückgewinnen als bisherige Kleinwagenmodelle des Konzerns, da das neue Antriebssystem höhere Rückspeisungsströme zulässt. Der Vorteil zeigt sich besonders im Stop-and-Go-Verkehr.
Auch der Lenkmechanismus wurde präzise auf die neue Achsgeometrie abgestimmt. Ein verhältnismäßig steif angebundener Stabilisator sorgt dafür, dass der Wagen in schnellen Kurven weniger Wankbewegungen zeigt. Das Zusammenspiel der Komponenten erzeugt ein neutrales Handling, bei dem der Schwerpunkt des Autos betont wird. Die Ingenieure wollten ein leicht beherrschbares Fahrverhalten erreichen, das zugleich ein dynamischeres Profil vermittelt als der bisherige Polo.

Über die mechanischen Systeme hinaus präsentiert der ID. Polo eine neue Generation von Assistenztechnologien. Der Travel Assist wurde erweitert und enthält nun eine Ampel- und Stoppschilderkennung. Diese Funktion ergänzt die bereits bekannte Quer- und Längsführung des Systems. Volkswagen nutzt dafür ein Kamera-Radar-Setup, das auf der MEB Plus-Elektronikarchitektur aufsetzt. Die Datenfusion der Sensoren wurde überarbeitet, um eine genauere Objektklassifizierung zu erreichen. Ein Ingenieur beschreibt diesen Schritt so: „Wir haben die Rechenpfade gestrafft, damit Entscheidungen schneller und stabiler getroffen werden können.“
Die technische Neuausrichtung zeigt sich auch im Packaging. Der Frontantrieb befreit den hinteren Bereich von Antriebskomponenten, was das Kofferraumvolumen erweitert. Gleichzeitig ermöglicht die flache Batterie im Unterboden eine stabile Schwerpunktlage. Die Integration der Leistungselektronik im Vorderwagen vereinfacht die Servicezugänglichkeit und verkürzt interne Verkabelungen. Diese Maßnahmen führen zu Effizienzgewinnen und senken das Gesamtgewicht auf etwa 1512 Kilogramm in der Basisvariante.
Der Entwicklungsansatz des ID. Polo zeigt, dass Volkswagen die E-Mobilität im Kleinwagensegment neu definieren möchte. Die Kombination aus kosteneffizienter Batteriearchitektur, integriertem Frontantrieb, optimiertem Thermomanagement und verbessertem Fahrwerk bildet einen technologischen Kern, der sich über weitere Modelle erstrecken dürfte. Der ID. Polo öffnet diesen Baukasten als erster Vertreter und zeigt, welche Richtung die elektrische Kompaktklasse im Konzern künftig einschlagen wird.
Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung per Mail









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