Der US-Bundesstaat South Carolina war in den letzten Jahrzehnten ein attraktiver Standort für deutsche Autobauer. Der amtierende Gouverneur Henry McMaster hatte zuletzt eine Ansiedlungspolitik verfolgt, durch die Milliarden an US-Fördermitteln zur Unterstützung von Unternehmen wie VW und BMW bereitgestellt wurden. Mit der möglichen Neubesetzung seiner Position durch Alan Wilson könnte sich dies jedoch bald ändern.
Wilson fordert schließlich bereits eine Neuausrichtung der bisherigen Ansiedlungspolitik und gilt allgemein als Subventionskritiker. Mit dem überraschenden Tod des Senators Lindsey Graham verloren deutsche Autobauer zudem ihren wichtigsten Fürsprecher im Senat. Graham hatte BMW noch letztes Jahr verteidigt, nachdem die Produktion des Konzerns in Spartanburg vom Handelsberater Peter Navarro als „Betrug“ bezeichnet worden war.
Daten von Good Jobs First zufolge wurden BMW und VW in South Carolina zusammen bereits über 1,6 Milliarden US-Dollar an Fördermitteln in Aussicht gestellt. Davon entfallen 1,3 Milliarden auf das Scout-Werk und weitere 350 Millionen gehen an BMW. Die tatsächlichen Summen könnten jedoch noch höher liegen, da verschiedene Vergünstigungen und Steuererleichterungen nicht öffentlich einsehbar sind.
Präzedenzfall in Georgia zeigt potenzielle Tragweite eines Politikwechsels auf
Im Nachbarstaat Georgia kam es bereits zu einem Präzedenzfall in diesem Bereich. Das Parlament hatte dort rückwirkend zum 1. Januar verschiedene Steueranreize wie beispielsweise Gutschriften für emissionsarme Fahrzeuge gestrichen, um eine Lücke im Haushalt zu schließen.
In South Carolina wächst der Druck nun bereits, da McMasters Regierung zusätzliche 150 Millionen Dollar für Scout beim Parlament nachfordern musste. Grund dafür war eine Verteuerung von Zusagen wegen Umweltauflagen. Daraufhin hatte der Kongressabgeordnete Ralph Norman bereits öffentlich einen Stopp der Subventionen für Scout gefordert.
Der mögliche neue Gouverneur Wilson hat in einem Gastbeitrag zudem bereits angekündigt, in Zukunft bei jedem einzelnen Förderdeal genauer hinschauen zu wollen, mehr Transparenz zu schaffen und Rechenschaft seitens der geförderten Unternehmen zu verlangen. Schließlich bezeichnete er die bisherigen Förderungen als „Corporate Bail-outs“.
Er plant konkrete Rückforderungsklauseln, die vorsehen sollen, dass Unternehmen die ihre Zusagen an die Schaffung von Arbeitsplätzen oder Investitionen nicht erfüllen, die Fördermittel an den Staat zurückzahlen müssen. Anstelle einzelner Förderdeals soll es in Zukunft eher einen niedrigeren und für alle geltenden Steuersatz geben.
South Carolina ist für VW und BMW von besonderer Relevanz
Die deutschen Autobauer haben im Süden der USA das Zentrum ihres Nordamerikageschäfts, welches die Schwäche im chinesischen Markt in den kommenden Jahren auffangen soll. Das Werk von BMW in Spartanburg ist mit einer Kapazität von 450.000 Fahrzeugen pro Jahr das weltweit größte Werk des Konzerns. Gleichzeitig investiert VW laut Informationen vom Handelsblatt sogar 3 statt der eigentlich kommunizierten 2 Milliarden Dollar in sein Scout-Werk und möchte über dieses in den großen US-Markt für Pick-ups und SUVs vorstoßen.
Doch der US-Markt wird für deutsche Unternehmen immer schwieriger. Schließlich brachen Verkäufe von E-Autos wie etwa dem ID.4 dramatisch ein, als Trumps Regierung die E-Auto-Kaufprämie Ende September 2025 auslaufen ließ. Außerdem wächst die Belastung durch Zölle, wodurch die operative Marge von BMW im Autogeschäft in Q1 2026 um 1,25 Prozentpunkte gedrückt wurde, was einem Minus von 340 Millionen Euro in nur drei Monaten entspricht.
Trotz allem geben sich die beiden Konzerne nach außen betont gelassen. So verweist BMW etwa auf „über drei Jahrzehnte gewachsene Partnerschaft“, während sich VW auf Anfrage vom Handelsblatt gar nicht zu der Thematik äußerte. Auch der scheidende Gouverneur McMaster geht nicht davon aus, dass sich grundsätzlich etwas ändern werde, da Zölle im Laufe der Geschichte mal gestiegen und mal gesunken seien und South Carolina Unternehmen wie BMW und VW brauche.
Quelle: Handelsblatt – VW und BMW müssen um künftige US-Fördermilliarden bangen








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