VW-CEO Blume fordert flexiblere Übergänge bei Verbrenner-Aus

VW-CEO Blume fordert flexiblere Übergänge bei Verbrenner-Aus
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Volkswagen-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume sieht die Elektromobilität als den bestimmenden Antrieb der Zukunft. Im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärte er: „Die Zukunft des Autos bietet mehrere Antriebe, der Elektrische wird aber der maßgebende sein.“ Der Konzern verfolge seine Elektrostrategie „mit Tempo und Fokus“ über alle Marken hinweg. Gleichzeitig betonte Blume, dass Volkswagen weiterhin unterschiedliche Antriebsarten anbieten werde – vom reinen Elektroauto über den klassischen Verbrenner bis hin zu Plug-in-Hybriden und Fahrzeugen mit Range Extender.

Gerade dem Range Extender, einem kleinen Verbrennungsmotor, der während der Fahrt die Batterie lädt, räumt Blume als Brückentechnologie großes Potenzial ein. „Mit dieser Technologie können wir Menschen ihre Reichweitenangst nehmen und den Einstieg in die E-Mobilität erleichtern“, so Blume. Volkswagen plant, 2026 ein erstes Modell mit Range Extender in China auf den Markt zu bringen. Auch in den USA, wo die wiederbelebte Kultmarke Scout demnächst erste E-Modelle anbietet, sei die Nachfrage nach Varianten mit Range Extender besonders hoch.Für Europa könnte der Range Extender unter bestimmten technischen Voraussetzungen ebenfalls eine Option sein“, fügte er hinzu.

Trotz dieser Übergangslösungen ist für Blume klar, dass sich langfristig der reine Elektroantrieb durchsetzen wird: „Unserer Einschätzung nach: ja.“ Er selbst nutze ausschließlich Elektroautos der Konzernmarken: In der Region Wolfsburg fahre er einen VW ID. Buzz, in der Region Stuttgart einen Porsche Macan und einen Cupra Born. Die Batterie-Technologie entwickle sich rasant weiter: „Bereits heute können größere Strecken zurückgelegt werden. In einigen Jahren werden wir hier weitere entscheidende Schritte sehen.“

Besonders hob Blume die Fortschritte bei Ladezeiten hervor. In China seien LFP-Batterien bereits verfügbar, die sich innerhalb von etwa zehn Minuten von zehn auf achtzig Prozent aufladen ließen. Volkswagen wolle in Bereichen wie Batterie, Laden und Software zum globalen Technologie-Treiber werden. Dabei sollen auch starke Marken wie Volkswagen, Audi und Porsche eine zentrale Rolle spielen.

Ich denke da in Chancen, nicht in Verboten

Zur Diskussion um das von der EU geplante Zulassungsverbot für neue Verbrenner ab 2035 äußerte Blume sich zurückhaltend. Er sehe die Entwicklung der Elektromobilität als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: „Ich denke da in Chancen, nicht in Verboten. Am Ende entscheidet der Kunde.“ Entscheidend sei, dass die Hersteller attraktive Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten und die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffe – von der Ladeinfrastruktur bis zu bezahlbaren Energiepreisen. „Wenn alles zusammenspielt, entwickelt sich die Elektromobilität positiv – wie wir es in einigen Ländern der Welt bereits sehen.“

Zudem unterstützt Volkswagen laut Blume die Pläne der EU-Kommission, einen dreijährigen Ausgleichsmechanismus für die CO₂-Flottenziele von 2025 bis 2027 einzuführen. „Kein Gramm an CO₂-Einsparung zum Schutz des Klimas geht durch diese Maßnahme verloren“, betonte er. Der Mechanismus biete den Herstellern jedoch die nötige Flexibilität, die CO₂-Ziele zu erreichen. „Es ist ein richtiger Realitätscheck. Das Gleiche brauchen wir bei künftigen Meilensteinen wie 2030 und 2035.“

Dass CDU und CSU von der Idee abrücken, das sogenannte Verbrennerverbot wieder zu kippen, sieht Blume pragmatisch. Er plädiert für eine Politik, die Übergangszeiträume flexibel gestalten kann, um auf unterschiedliche Entwicklungen in den Märkten reagieren zu können.

Mit Blick auf den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung zeigte sich Blume optimistisch, trotz vager Formulierungen zur Elektromobilität. „Wir sehen gute Ansätze. Die Steuern für E-Autos sollen gesenkt werden. Das ist ein positives Beispiel.“ Erfahrungen aus skandinavischen Ländern zeigten, dass solche Maßnahmen wirksam seien. Er betonte, Volkswagen werde weiterhin den Austausch mit der Politik suchen, um die Bedeutung der E-Mobilität für Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Wohlstand zu unterstreichen.

Gleichzeitig forderte Blume eine konsequente Umsetzung wirtschaftspolitischer Maßnahmen: „Entscheidend wird, was tatsächlich erreicht wird.“ Er plädierte für klare Zuständigkeiten, messbare Ziele und ein operatives Team, das Projekte mit Tempo vorantreibt. „Unser Land braucht pragmatisches Handeln und Geschwindigkeit beim Umsetzen.“ Angesprochen auf die Sorgen rund um das VW-Werk in Osnabrück, versicherte Blume: „Ich kann nachvollziehen, dass die aktuelle Situation die Menschen besorgt.“ Das Ziel bleibe eine nachhaltige Lösung für den Standort: „Eine Lösung, die die Interessen des Unternehmens und der Beschäftigten in Einklang bringt. Das nehmen wir sehr ernst und daran halten wir uns.“

Quelle: NOZ – Verbrenner-Verbot 2035? Warum VW-Boss Blume das infrage stellt

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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