VW-Konzern: Operatives Ergebnis bricht um 14,3 Prozent ein

VW-Konzern: Operatives Ergebnis bricht um 14,3 Prozent ein
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Die Volkswagen Group hat das erste Quartal des Jahres mit einem zweigeteilten Bild abgeschlossen. Während die batterieelektrischen Auftragseingänge in Europa um vier Prozent und der gesamte Auftragsbestand gegenüber dem Jahresende 2025 um rund 15 Prozent zulegten, sank das operative Ergebnis um 14,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Die Umsatzerlöse gaben um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro nach, die operative Umsatzrendite lag bei 3,3 Prozent nach 3,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Hinter den Zahlen verbirgt sich ein Konzern, der seine Elektrooffensive ausweitet, die finanzielle Substanz dafür aber an mehreren Fronten gleichzeitig verteidigen muss.

Im europäischen Kerngeschäft sorgen neue Modelle für Bewegung. Genannt werden unter anderem der VW T-Roc, Cupra Terramar, Škoda Elroq, Audi Q3 und Porsche Cayenne Electric. Bemerkenswert ist dabei, dass die Liste Verbrenner und Elektromodelle mischt – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage nach reinen Stromern zwar zulegt, der Konzern seine Wachstumsbasis aber weiterhin technologieoffen kalkuliert. Der weltweite Absatz fiel mit rund zwei Millionen Fahrzeugen um 6,9 Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Plus drei Prozent in Südamerika, plus ein Prozent in Westeuropa und plus sieben Prozent in Zentral- und Osteuropa konnten die Einbrüche in China (-20 Prozent) und Nordamerika (-9 Prozent) nur teilweise auffangen.

Genau hier liegt einer der wundesten Punkte. Der Rückgang in China um ein Fünftel zeigt, dass die „In China, für China“-Strategie zwar voranschreitet, die operative Wirkung aber noch ausbleibt. Die anteiligen Beiträge der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen sanken im Vergleich zum Vorjahresquartal von 272 auf 83 Millionen Euro – ein Indikator dafür, wie stark der Druck lokaler Anbieter inzwischen auf die Margen wirkt. CFO und COO Arno Antlitz formulierte es selbst nüchtern. Die Marge von 4,3 Prozent vor Sondereinflüssen liege „weiterhin auf viel zu niedrigem Niveau“. Seit dem Start des Volkswagen Zukunft Programms vor eineinhalb Jahren habe sich die Welt deutlich verändert: „Zölle sind hinzugekommen, der Wettbewerb in China verschärft sich weiter und chinesische Anbieter exportieren zunehmend Wettbewerbsdruck nach Europa.“

Elektromobilität: Hoffnungsträger mit Schattenseiten

Die Markengruppe Core verbesserte ihr operatives Ergebnis um 38 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro – trotz Belastungen aus US-Zöllen und einer Abschreibung auf den ID.4 in den Vereinigten Staaten. Letztere ist erklärungsbedürftig: Sie betrifft jenes Modell, mit dem VW im US-Markt eigentlich die Elektrowende einleiten wollte. Auch bei der Markengruppe Trucks zeigt sich, dass die Transformation Geld kostet. Das operative Ergebnis brach von 640 auf 40 Millionen Euro ein. Neben Absatzrückgang, Währungs- und Zolleffekten nennt der Konzern explizit „Aufwendungen im Zusammenhang mit der Anpassung einzelner Projekte im Bereich der Elektromobilität“ – eine Formulierung, die nahelegt, dass auch im schweren Segment Korrekturen am Elektrokurs nötig waren.

Die Software-Einheit Cariad verbleibt im Minus, verringerte den operativen Verlust aber um 335 Millionen auf -420 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse stiegen auf 389 Millionen Euro. Ein Fortschritt, der allerdings vor dem Hintergrund jahrelanger Anlaufprobleme einzuordnen ist. Die separat ausgewiesene Battery-Sparte verbuchte einen operativen Verlust von 230 Millionen Euro, bei nahezu vernachlässigbarem Umsatz von 12 Millionen Euro. Beides macht deutlich, wie weit der Weg von der Investitionsphase zur ergebniswirksamen Skalierung im Elektrosegment noch ist.

Kostendisziplin trifft auf strukturelles Defizit

Positiv zu Buche schlagen der Netto-Cashflow von 2,0 Milliarden Euro und die um nahezu eine Milliarde Euro gesenkten Gemeinkosten. Die Nettoliquidität im Konzernbereich Automobile blieb mit 34,2 Milliarden Euro stabil. Dennoch räumt Antlitz ein: „In diesem Umfeld reichen die geplanten Kostensenkungen nicht aus.“ Das Geschäftsmodell müsse grundlegend verändert werden. Die Komplexität solle in Produktportfolio, Technologieplattformen sowie bei der Anzahl der Einheiten und Entscheidungsebenen erheblich verringert werden.

Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte der Konzern seine Prognose vom 10. März – Umsatz von 0 bis +3 Prozent über Vorjahr, operative Umsatzrendite zwischen 4,0 und 5,5 Prozent. Auffällig ist der Hinweis, dass die Prognose auf der Annahme einer unveränderten Zollsituation beruht und mögliche Auswirkungen einer Eskalation im Nahen Osten nicht eingerechnet sind. Damit liegt die Marge auch im günstigen Fall am unteren Rand jener Werte, die VW historisch als wettbewerbsfähig betrachtet hat. Die Elektromobilität wächst, der Konzern auch – nur die Rendite hält das Tempo nicht mit.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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