Volvo-Cars-Chef Hakan Samuelsson hat den europäischen Werken des Herstellers eine neue Rolle zugedacht: Sie sollen künftig auch Fahrzeuge für die chinesischen Schwestermarken Geely, Zeekr und Lynk & Co produzieren. Hintergrund ist die anstehende Verschärfung der EU-Investitionsregeln, die einen Einstieg über neue Werke in Europa erschweren könnte. Aus Sicht von Samuelsson eröffnet die Volvo-Produktion einen schnelleren und günstigeren Weg auf den europäischen Markt als der Bau komplett neuer Fabriken.
Der Vorschlag reiht sich in eine Serie von Schritten chinesischer Hersteller ein, die ihre Fertigungspräsenz in Europa derzeit beschleunigt ausbauen. BYD plant für dieses Jahr den Produktionsstart in einem neuen Werk in Ungarn. Die SAIC-Tochter MG Motor kündigte Anfang Juni an, im spanischen Galizien ihre erste europäische Montagefabrik zu errichten. Auch Chery befindet sich nach eigenen Angaben in fortgeschrittenen Gesprächen mit Nissan über eine mögliche Fertigung im wenig ausgelasteten britischen Werk des japanischen Herstellers in Sunderland.
Ford soll Werksteil in Spanien verkaufen
Hinzu kommt der frühere Volvo-Eigentümer Ford. Der US-Hersteller hatte Volvo 2010 für 1,8 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 1,53 Milliarden Euro) an die Geely Holding verkauft. Laut spanischen Medienberichten verhandelt Ford nun über den Verkauf einer Montagehalle seines Werks in Valencia an Geely Auto. Eine Stellungnahme dazu lehnten beide Unternehmen ab.
Der Hintergrund der Entwicklung liegt auch in wirtschaftlichen Vorteilen: Eine Produktion innerhalb der EU würde Geely helfen, die Einfuhrzölle auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China zu umgehen. Diese liegen für Geely-Importe bei 18,8 Prozent, zusätzlich zum allgemeinen EU-Einfuhrzoll von 10 Prozent. Laut Marktforscher Dataforce sind die addierten Verkäufe chinesischer Marken in Europa bis Ende April um 97 Prozent auf mehr als 410.000 Fahrzeuge gestiegen.
Geely-Schwestermarken verfolgen ambitionierte Ziele
Auch für Volvos Schwestermarken zeigt die Statistik ein deutliches Wachstum: Zeekr, Lynk & Co und Geely kamen bis April in Europa zusammen auf knapp 14.000 verkaufte Autos, ein Plus von mehr als 300 Prozent gegenüber den knapp 3200 Fahrzeugen im Vorjahreszeitraum. „Sie hätten einen deutlich kürzeren und günstigeren Weg in den europäischen Markt“, so Samuelsson gegenüber Automotive News Europe. Wer in Europa ernsthaft Fuß fassen wolle, komme um eine Lokalisierungsstrategie nicht herum, so der Volvo-Chef weiter.
Volvo betreibt Werke in Torslanda (Schweden) und Gent (Belgien), ein weiteres Werk in Kosice (Slowakei) soll im kommenden Jahr eröffnen. Laut Samuelsson wäre eine zusätzliche Fertigung einer Schwestermarke an jedem der drei Standorte „positiv und möglich“. Die Geely Auto Group peilt für 2026 einen Auslandsabsatz außerhalb Chinas von 750.000 Fahrzeugen an, nach zuvor 640.000. Für 2027 liegt das Ziel bei kombiniert 1 Million Fahrzeugen für Zeekr, Lynk & Co und Geely.
Geely-Holding-Vizepräsident Victor Yang nannte Ende April zudem das Ziel, bis 2030 in jeder wichtigen Region einen Marktanteil von 5 Prozent zu erreichen, darunter Europa, Südamerika, Mittelamerika und Südostasien. Um das zu erreichen, müsse Geely Auto Group künftig 1,5 Millionen Autos pro Jahr außerhalb Chinas verkaufen. Rund zwei Drittel davon sollen laut Yang lokal montiert werden, etwa über Partnerschaften mit Renault in Brasilien, Proton in Malaysia und Volvo in Europa.
Volvo betont eigenständige Markenidentität
Trotz der angebotenen Zusammenarbeit stellte Samuelsson klar, dass die Eigenständigkeit der Marke Volvo nicht zur Verhandlung stehe. „Volvo wird nicht in irgendeine Struktur gezwungen“, sagte er. Jede Marke, ob Volvo oder Zeekr, solle eine klare, eigene Identität behalten. Gleichzeitig verwies er auf Vorteile der Konzernzugehörigkeit zu Geely, etwa beim Zugriff auf neue Plug-in-Hybrid-Plattformen, die Volvo allein nicht hätte entwickeln können.
Für das Werk in Gent nannte Samuelsson Verbesserungsbedarf bei den Standortkosten als Voraussetzung für eine mögliche zusätzliche Fertigung. Gemeinsam mit der belgischen Regierung werde derzeit an niedrigeren Lohn- und Energiekosten gearbeitet.
Quelle: Automotive News Europe – Volvo CEO Hakan Samuelsson offers factories to Geely, Zeekr, Lynk & CO in Europe









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