Volvo bietet Werke für chinesische Geely-Schwestermarken an

Volvo bietet Werke für chinesische Geely-Schwestermarken an
Copyright:

Volvo

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Volvo-Cars-Chef Hakan Samuelsson hat den europäischen Werken des Herstellers eine neue Rolle zugedacht: Sie sollen künftig auch Fahrzeuge für die chinesischen Schwestermarken Geely, Zeekr und Lynk & Co produzieren. Hintergrund ist die anstehende Verschärfung der EU-Investitionsregeln, die einen Einstieg über neue Werke in Europa erschweren könnte. Aus Sicht von Samuelsson eröffnet die Volvo-Produktion einen schnelleren und günstigeren Weg auf den europäischen Markt als der Bau komplett neuer Fabriken.

Der Vorschlag reiht sich in eine Serie von Schritten chinesischer Hersteller ein, die ihre Fertigungspräsenz in Europa derzeit beschleunigt ausbauen. BYD plant für dieses Jahr den Produktionsstart in einem neuen Werk in Ungarn. Die SAIC-Tochter MG Motor kündigte Anfang Juni an, im spanischen Galizien ihre erste europäische Montagefabrik zu errichten. Auch Chery befindet sich nach eigenen Angaben in fortgeschrittenen Gesprächen mit Nissan über eine mögliche Fertigung im wenig ausgelasteten britischen Werk des japanischen Herstellers in Sunderland.

Ford soll Werksteil in Spanien verkaufen

Hinzu kommt der frühere Volvo-Eigentümer Ford. Der US-Hersteller hatte Volvo 2010 für 1,8 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 1,53 Milliarden Euro) an die Geely Holding verkauft. Laut spanischen Medienberichten verhandelt Ford nun über den Verkauf einer Montagehalle seines Werks in Valencia an Geely Auto. Eine Stellungnahme dazu lehnten beide Unternehmen ab.

Der Hintergrund der Entwicklung liegt auch in wirtschaftlichen Vorteilen: Eine Produktion innerhalb der EU würde Geely helfen, die Einfuhrzölle auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China zu umgehen. Diese liegen für Geely-Importe bei 18,8 Prozent, zusätzlich zum allgemeinen EU-Einfuhrzoll von 10 Prozent. Laut Marktforscher Dataforce sind die addierten Verkäufe chinesischer Marken in Europa bis Ende April um 97 Prozent auf mehr als 410.000 Fahrzeuge gestiegen.

Geely-Schwestermarken verfolgen ambitionierte Ziele

Auch für Volvos Schwestermarken zeigt die Statistik ein deutliches Wachstum: Zeekr, Lynk & Co und Geely kamen bis April in Europa zusammen auf knapp 14.000 verkaufte Autos, ein Plus von mehr als 300 Prozent gegenüber den knapp 3200 Fahrzeugen im Vorjahreszeitraum. „Sie hätten einen deutlich kürzeren und günstigeren Weg in den europäischen Markt“, so Samuelsson gegenüber Automotive News Europe. Wer in Europa ernsthaft Fuß fassen wolle, komme um eine Lokalisierungsstrategie nicht herum, so der Volvo-Chef weiter.

Volvo betreibt Werke in Torslanda (Schweden) und Gent (Belgien), ein weiteres Werk in Kosice (Slowakei) soll im kommenden Jahr eröffnen. Laut Samuelsson wäre eine zusätzliche Fertigung einer Schwestermarke an jedem der drei Standorte „positiv und möglich“. Die Geely Auto Group peilt für 2026 einen Auslandsabsatz außerhalb Chinas von 750.000 Fahrzeugen an, nach zuvor 640.000. Für 2027 liegt das Ziel bei kombiniert 1 Million Fahrzeugen für Zeekr, Lynk & Co und Geely.

Geely-Holding-Vizepräsident Victor Yang nannte Ende April zudem das Ziel, bis 2030 in jeder wichtigen Region einen Marktanteil von 5 Prozent zu erreichen, darunter Europa, Südamerika, Mittelamerika und Südostasien. Um das zu erreichen, müsse Geely Auto Group künftig 1,5 Millionen Autos pro Jahr außerhalb Chinas verkaufen. Rund zwei Drittel davon sollen laut Yang lokal montiert werden, etwa über Partnerschaften mit Renault in Brasilien, Proton in Malaysia und Volvo in Europa.

Volvo betont eigenständige Markenidentität

Trotz der angebotenen Zusammenarbeit stellte Samuelsson klar, dass die Eigenständigkeit der Marke Volvo nicht zur Verhandlung stehe. „Volvo wird nicht in irgendeine Struktur gezwungen“, sagte er. Jede Marke, ob Volvo oder Zeekr, solle eine klare, eigene Identität behalten. Gleichzeitig verwies er auf Vorteile der Konzernzugehörigkeit zu Geely, etwa beim Zugriff auf neue Plug-in-Hybrid-Plattformen, die Volvo allein nicht hätte entwickeln können.

Für das Werk in Gent nannte Samuelsson Verbesserungsbedarf bei den Standortkosten als Voraussetzung für eine mögliche zusätzliche Fertigung. Gemeinsam mit der belgischen Regierung werde derzeit an niedrigeren Lohn- und Energiekosten gearbeitet.

Quelle: Automotive News Europe – Volvo CEO Hakan Samuelsson offers factories to Geely, Zeekr, Lynk & CO in Europe

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Geely Elektroautos

Geely E2 Max im Test: Preiswerter Einstieg

Geely E2 Max im Test: Preiswerter Einstieg

Stefan Grundhoff  —  

Der Geely E2 ist ein solider City-Crossover für überschaubares Geld – reicht das 20.000-Euro-Modell für Geely in Europa?

Ford baut Elektro-SUV mit Geely-Technik in Valencia

Ford baut Elektro-SUV mit Geely-Technik in Valencia

Sebastian Henßler  —  

Ford und Geely bauen gemeinsam ein neues SUV in Valencia, das auf der elektrifizierten Plattform GEA des chinesischen Partners basiert und 2029 starten soll.

Geely will Feststoffbatterie 2027 in Serie bringen

Geely will Feststoffbatterie 2027 in Serie bringen

Sebastian Henßler  —  

Geely will ab 2027 Feststoffbatterien in Serienfahrzeugen einsetzen und stellt für das Topmodell Reichweiten von über 1000 Kilometern in Aussicht.

Ford Kuga soll 2029 als E-Auto angeboten werden

Ford Kuga soll 2029 als E-Auto angeboten werden

Daniel Krenzer  —  

Der Ford Kuga könnte 2029 erstmals als reines Elektroauto zurückkehren. Technische Grundlage soll eine 400-Volt-Plattform des chinesischen Partners Geely sein.

Geely E2: Leasing startet bei 99 Euro im Monat

Geely E2: Leasing startet bei 99 Euro im Monat

Sebastian Henßler  —  

Geely startet die Reservierung für den E2, ein Elektroauto ab 19.990 Euro mit Leasingrate ab 99 Euro monatlich und bis zu 345 Kilometern Reichweite.

Geely E2 kommt nach Deutschland: Marktstart im September

Geely E2 kommt nach Deutschland: Marktstart im September

Sebastian Henßler  —  

Der kompakte Geely E2 unterbietet mit seinem Startpreis wohl den BYD Dolphin Surf als auch den Renault 5 und positioniert sich klar im Einstiegssegment.

Ford und Geely bauen ab 2028 gemeinsam Autos in Spanien

Ford und Geely bauen ab 2028 gemeinsam Autos in Spanien

Daniel Krenzer  —  

Ford und Geely gründen ein Joint Venture für das Werk Valencia. Ab 2028 sollen dort Modelle beider Konzerne entstehen – darunter zwei Elektro-SUV.