Volvo Cars hat die Nachfolge an der Konzernspitze geregelt: Klaus Zellmer, bislang Vorstandsvorsitzender von Škoda Auto, soll Präsident und CEO des schwedisch-chinesischen Automobilherstellers werden. Die Entscheidung fällt wenige Tage nach der Vorstellung der neuen Modell- und Werkstrategie, in einer Phase, in der Volvo Profitabilität, Modellpalette und Antriebsmix neu ausrichtet. Der Verwaltungsrat beendet damit eine Suche, die bereits vor rund eineinhalb Jahren begann, als er Håkan Samuelsson für zwei Jahre an die Spitze zurückholte. Bekannt gegeben wurde der Wechsel am Sonntag in einer regulatorischen Mitteilung.
Zellmer soll das Amt spätestens am 1. Oktober 2027 antreten. Die Angabe markiert eine Obergrenze, keinen festen Starttermin. Škoda hat bislang weder mitgeteilt, wann Zellmer die Marke verlässt, noch wer ihm in Mladá Boleslav nachfolgt. Samuelsson hatte drei Tage vor der Mitteilung gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT erklärt, dass sein Vertrag im April 2027 ausläuft und nicht verlängert wird. Laut Volvo sorgt er gemeinsam mit dem Verwaltungsrat für einen reibungslosen Übergang. Wer das Unternehmen führt, falls Zellmer erst nach dem Vertragsende antritt, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Verwaltungsratschef Eric Li begründet die Wahl mit Zellmers Erfolgsbilanz bei der Führung von Unternehmen durch Transformationsprozesse und veränderte Marktbedingungen. Dessen Erfahrung im hochpreisigen Premiumsegment ebenso wie bei Volumenmarken passe zu Volvo. Das Gremium geht davon aus, dass das Unternehmen unter seiner Leitung auf seinen Grundlagen aufbaut und die Position als führender Premiumhersteller stärkt. Zellmer selbst hob den Ruf der Marke bei der Sicherheit hervor, ebenso Designsprache und Klarheit der Markenidentität. Nach fast 100 Jahren sei die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, sowohl eine bemerkenswerte Leistung als auch eine fortwährende Herausforderung.
Rekordzahlen als Visitenkarte des Kandidaten
Volvo verweist darauf, dass Škoda unter Zellmer Rekordergebnisse erzielte und in den ersten sechs Monaten 2026 weiter wuchs, bei Elektroautos mit Rekordauslieferungen. Die Zahlen dahinter: 2025 lieferte die tschechische Marke rund 1,04 Millionen Autos aus, ein Plus von 12,7 Prozent und erstmals seit sechs Jahren wieder mehr als eine Million. Der Umsatz lag bei 30,1 Milliarden Euro, das operative Ergebnis bei 2,5 Milliarden Euro, was einer Umsatzrendite von 8,3 Prozent entspricht. In Europa belegte Škoda unter den Marken Rang drei.
Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Auslieferungen um 9,1 Prozent auf rund 556.000 Autos, womit die Marke in Europa auf Platz zwei hinter Volkswagen vorrückte. Die vollelektrischen Modelle legten um 48,3 Prozent auf rund 108.000 Auslieferungen zu, angeführt von Elroq und Enyaq. Hinzu kamen in diesem Jahr Epiq und der siebensitzige Peaq als Flaggschiff. Die Erlöse beliefen sich auf 16 Milliarden Euro, das operative Ergebnis auf 1,4 Milliarden Euro, die Umsatzrendite auf 8,5 Prozent.
Auf Volvo-Seite fällt das Bild anders aus. Die bereinigte Marge lag 2025 bei 3,5 Prozent und im zweiten Quartal bei 1,1 Prozent, der Absatz sank 2025 um sieben Prozent auf rund 710.000 Autos. Volvo peilt eine Ebit-Marge von mindestens acht Prozent an, einen Zeitrahmen nennt der Konzern dafür nicht. Belastet wird das Unternehmen laut deutscher Berichterstattung unter anderem durch US-Handelszölle, eine alternde Modellpalette, gering ausgelastete Produktionskapazitäten und hohe Rohstoffkosten.
Samuelsson war im April 2025 zurückgekehrt, nachdem der Verwaltungsrat Jim Rowan drei Jahre nach dessen Amtsantritt abberufen hatte. Volvo zufolge sollte er die künftige strategische Roadmap entwickeln, in einer für die Branche sehr schwierigen Zeit Stabilität sichern und einen langfristigen Nachfolger vorbereiten. Zu den Maßnahmen zählte ein Sparprogramm, das rund 3000 Stellen im Angestelltenbereich kostete, vor allem in der Zentrale in Göteborg. Externe Berater wurden abgezogen, das Einsparziel für 2026 war sechs Monate früher erreicht, und vor einigen Wochen kündigte Volvo die Schließung der Niederlassung in Stockholm an. Hinzu kam eine Wertberichtigung in Milliardenhöhe auf die Plattform von EX90 und ES90.
Das Erbe, das Zellmer bei Volvo antritt
Die Strategie, die Zellmer übernimmt, stellte Volvo am vergangenen Donnerstag vor. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen 13 neue Modelle erscheinen: sieben für westliche Regionen auf den Plattformen SPA2 und SPA3, sechs für China, die gemeinsam mit Geely Auto entwickelt werden. Fünf Werke bleiben der Marke Volvo vorbehalten, zwei teilt sich das Unternehmen mit Partnern, Schließungen sind nicht vorgesehen. Den Anteil am weltweiten Absatz von Elektroautos und Plug-in-Hybriden, derzeit rund 1,7 Prozent, will Volvo in etwa verdoppeln.
Durch die Kooperation mit dem Mehrheitseigner Geely soll zudem die Kostenbasis sinken. Geteilte Plattformen und Zulieferstrukturen sollen das Unternehmen deutlich profitabler machen. Der EX60 erreichte im Juli die ersten Kund:innen, ab Januar 2027 übernimmt Volvo außerdem den Vertrieb von Lynk & Co in Europa.
Das Ziel, bis 2030 ein reiner Elektrohersteller zu werden, hatte Volvo bereits 2024 aufgegeben. In jüngster Zeit setzt das Unternehmen wieder stärker auf Hybridantriebe, richtet seine Modellstrategie regional aus und vertieft die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Mutterkonzern. Samuelsson zufolge verabschiedet sich Volvo von der Vorstellung, dass weitgehend identische Weltmodelle die zunehmend unterschiedlichen Bedürfnisse von Kund:innen in Europa, China und den USA gleichermaßen erfüllen könnten.
Quelle: Volvo – Pressemitteilung / Handelsblatt – Skoda-Chef Zellmer soll Samuelsson an der Konzernspitze ablösen









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