Volvo EX30 Cross Country: Stark, schnell, stylisch

Volvo EX30 Cross Country: Stark, schnell, stylisch
Copyright:

Volvo

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 5 min

Cross-Country-Modelle haben bei Volvo seit drei Jahrzehnten Tradition. Nunmehr kommt mit dem EX30 das erste vollelektrische Modell auf den Markt, das den Offroad-Look mit kompakten Abmessungen paart.

Der Volvo EX30 ist für Volvo ein großer Wurf. Gerade einmal 4,23 Meter lang gibt es sehenswertes Design, hohen Alltagsnutzen, die flexible Geely-Elektroplattform und gute Fahrleistungen. Während sich andere Hersteller – insbesondere in diesem Fahrzeugsegment – mit einem Elektroantrieb schwertun, bringt Volvo die Idee seiner erfolgreichen Cross-Country-Modelle nunmehr auch als Stromer.

Bei der Optik hat sich mehr getan als bei der Technik, denn das Fahrwerk wurde gerade einmal um 1,9 Millimeter nach oben verlegt. Da fallen die geänderte Front mit dem angedeuteten Unterfahrschutz und der Maske mit der Topografie des Kebnekaise-Gebirges, die dunklen Radhausverkleidungen und die Heckmaske schon eher ins Auge.

Volvo

Auf Wunsch kann sogar effektvoll nachgeschärft werden, denn die serienmäßigen 19-Zöller des mindestens 57.290 Euro teuren EX30 Cross Country können nicht nur auf 18-Zoll-AT-Offroadpneus getauscht werden, sondern sind im Experience-Paket zusammen mit Dachgepäckträger, -korb sowie Schmutzfängern zu bekommen. Damit sieht der EX30 aus wie ein respektabler Gelände-Crossover, was er zugegeben kaum ist, denn mit der überschaubaren Bodenfreizeit sind trotz des Allradantriebes und der Cooper Discoverer ATT Räder kaum mehr als Ausflüge bis zum Ferienhaus über einen Waldweg drin. Reichen tut das jedoch allemal.

Dabei würden die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse viel mehr ermöglichen, denn mit ihnen lässt sich der Kraftfluss auch bei kleinen Geschwindigkeiten für maximalen Vortrieb filigran justieren. Da sich die Ausflüge ins unwegsame Terrain trotz der Dreingaben in Grenzen halten werden, dürften die meisten Kunden den imposanten Vortrieb des Elektro-Allradlers genießen.

Wer sich für die Cross-Country-Version des Volvo EX30 entscheidet, hat keine Wahl, denn diese ist immer an die höchste Ausstattungslinie und den stärksten Antrieb gekoppelt. Hierbei wandelt der kompakte Elektro-Crossover in den ausgefahrenen Spuren seiner XC-Ahnen, denn auch hier war zumeist alles an Bord, was machbar war. In Sachen Antrieb ist das hinten ein 200 kW / 272 PS starker Permanentmagnet-Synchronmotor, der an der Vorderachse von einem zweiten E-Antrieb mit 115 kW / 156 PS unterstützt wird. Der Schub der insgesamt 315 kW / 428 PS und üppigen 543 Nm ist mehr als stattlich und ermöglicht einen Imagespurt 0 auf Tempo 100 in 3,7 Sekunden.

Volvo

Das Fahrwerk selbst ist straff und speziell beim Anfedern wirkt der EX30 so sportlich, wie man es von einem über 400 PS starken Crossover erwartet. So kann der Fahrer es gerade auf kurvenreicher Fahrbahn einmal flotter angehen lassen und zusammen mit dem niedrigen Schwerpunkt das gute Gesamtpaket schätzen lernen. An die in den verschiedenen Fahrmodi recht künstlich abgestimmte Lenkung muss man sich jedoch gewöhnen.

Volvo

Nicht auf dem Niveau einiger Konkurrenten liegt die Akkuleistung, denn das Batteriepaket hat mit 69 kWh allenfalls eine mittelprächtige Größe und soll – je nach Radsatz und Temperaturen – eine WLTP-Zyklusreichweite von knapp 430 Kilometern ermöglichen. Daraus werden bei den kalten Temperaturen nicht allein im skandinavischen Winter schnell kaum mehr als 300. Eine zweite Akkuvariante wäre daher ebenso sinnvoll wie eine höhere Ladegeschwindigkeit, denn 153 Kilowatt Maximaltempo am DC-Charger sind für ein Fahrzeug der Premiumliga einfach zu wenig. Selbst mit 400-Volt-Technik sollten hier deutlich mehr drin sein. Das passt kaum zum 22 Kilowatt starken Onboard-Charger, der ab der Wallbox oder einer Ladesäule in der City die Fahrt zu so manchem Hypercharger entfallen lässt.

Volvo

Im Innenraum geht es puristischer zu, als der geneigte Volvo-Fan es von anderen Modellen kennt, denn die Bedienelemente und Anzeigen wirken geradezu spartanisch. So gibt es abgesehen von dem zentralen Touchscreen mit guter Sprach- und Fingerbedienung weder zusätzliche Instrumente noch ein sinnvolles Head-Up-Display. Für Tempo und Routenführung müssen die Augen immer wieder von der Straße, und es scheint kaum ein Fortschritt, dass selbst Fahrprogramme, Laderaumentriegelung oder Klimatisierung allein über den unteren Bereich des gerade einmal 12,3 Zoll großen Bildschirms bedient werden müssen. Die Schalter für die Fensterheber liegen wenig griffgünstig in der Mittelarmlehne mit ihren zahlreichen Ablagevariationen und für die Bedienung der hinteren Fenster muss man wie beim VW ID.3 / ID.4 oder einst den Alfa-Modellen in eine zweite Bedienebene wechseln. Praktisch ist anders.

Volvo

Dass es in der zweiten Reihe für ein Auto der 4,20-Meter-Liga kein großes Platzangebot gibt und hier in erster Linie Kinder oder Gegenstände Platz finden, die nicht im Laderaum oder dem Frunk unterkommen, mag nicht überraschen; dass statt einer Sitzheizung im Fond nur USB-Anschlüsse existieren, dagegen schon. Die Sitzbezüge – wahlweise aus Kunstleder oder Wolle – dürften jedoch um eine edle Lederversion erweitert werden, die in dieser Premiumklasse nicht außen vor bleiben sollte.

Worthy not set for this post
Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Erfahrungsberichte

Wir sind den Lucid Gravity gefahren – was er wirklich kann

Wir sind den Lucid Gravity gefahren – was er wirklich kann

Joaquim Oliveira  —  

Sieben Sitze, 748 km Reichweite, 617 kW – der Lucid Gravity ist kein gewöhnlicher Elektro-SUV. Wir sind das E-Auto aus Kalifornien erstmals in Europa gefahren

Audi e-tron GT quattro Test: Was die Basisvariante leistet

Audi e-tron GT quattro Test: Was die Basisvariante leistet

Sebastian Henßler  —  

Der e-tron GT quattro startet bei 108.900 Euro. Was drinsteckt, was fehlt und was das Laden wirklich bedeutet – ein Fahrbericht aus dem Alltag.

Porsche Cayenne Electric: Glanz vergangener Tage?

Porsche Cayenne Electric: Glanz vergangener Tage?

Wolfgang Gomoll  —  

325 kW, 582 km und Preise ab 105.200 Euro: Wir haben den Porsche Cayenne Electric gefahren und zeigen, was das Basismodell von der Konkurrenz trennt.

Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid im Test: Zurück im Rennen

Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid im Test: Zurück im Rennen

Joaquim Oliveira  —  

Toyota hat den RAV4 überarbeitet und die Elektro-Reichweite fast verdoppelt. Wie schlägt sich der Plug-in-Hybrid im Test?

BYD Dolphin Surf: Cleverer Stadtstromer mit Abstrichen

BYD Dolphin Surf: Cleverer Stadtstromer mit Abstrichen

Sebastian Henßler  —  

Viel Platz, solide Ausstattung und ein aggressiver Preis: Der BYD Dolphin Surf kostet aktuell 12.990 Euro. Was man dafür bekommt – und was nicht.

Test: Mercedes macht beim GLB 350 4Matic vieles richtig

Test: Mercedes macht beim GLB 350 4Matic vieles richtig

Wolfgang Gomoll  —  

Mercedes bringt die zweite Auflage des GLB. Das kompakte Elektro-SUV punktet mit viel Platz, einem ausgewogenen Fahrerlebnis und moderner Technik.

Mercedes CLA Shooting Brake im Test: So weit kommt er

Mercedes CLA Shooting Brake im Test: So weit kommt er

Wolfgang Gomoll  —  

Wir sind den Mercedes CLA 250+ Shooting Brake gefahren: 477 km realistische Reichweite, auf 80 Prozent geladen in 22 Minuten.