Volkswagen-CEO: Software macht Autofahren „noch attraktiver“

Volkswagen-CEO: Software macht Autofahren „noch attraktiver“
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Laura Horst
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Cariad, die Softwaretochter von Volkswagen, galt lange Zeit als das Sorgenkind des Konzerns. Softwareprobleme führten unter anderem zu hohen Verlusten und verspäteten Markteinführungen. Im Interview mit der Automobilwoche haben VW-Chef Oliver Blume und Cariad-CEO Peter Bosch über die aktuelle Lage im Softwarebereich und die neue Strategie gesprochen, die auf die Kooperation mit externen Partnern setzt.

„In unseren Fahrzeugen steckt tolle Software. Und wir gewinnen damit Vergleichstests. Die Arbeit geht natürlich immer weiter und wir lassen in unseren Ambitionen nicht nach. Gleichzeitig sind wir stolz auf die Leistung aller Beteiligten“, sagt Blume zum aktuellen Stand in der Softwareentwicklung bei VW.

„Wer in der Zukunft der Mobilität eine Rolle spielen will, muss schon in der Entwicklung der Fahrzeuge von der Software her denken und nicht wie früher üblich von der Hardware her“, äußert der Volkswagen-Chef. Gegenwärtig investiert der Konzern etwa zwei Drittel seiner Ausgaben in Elektrifizierung und Digitalisierung. „Mit diesen Investitionen stellen wir das Unternehmen zukunftsfest auf“, sagt Blume.

Zur Bedeutung von Software für die Automobilwelt sagt Blume, dass sie das „Erlebnis des Autofahrens noch attraktiver macht. Ob Navigation, Assistenzsysteme, Infotainment. Software ist einmal entwickelt und wird dann vielfach eingesetzt“. Dabei profitiere Volkswagen von der „Kraft des Skalierens“ und nutze eine einzige Plattform als Basis, die aber eine klare Differenzierung im „Erleben jeder Marke“ ermögliche.

„Starke Partner“ wie Rivian und Xpeng

Der Autobauer habe mit Xpeng für den chinesischen Markt und Rivian für andere Weltregionen starke Partner gewonnen. Das Tochterunternehmen Cariad habe man neu ausgerichtet. Der Fokus liege bei der Softwareeinheit nun auf den automobilen Schlüsseltechnologien: autonomes Fahren, Infotainment, Cloud-Services, Datenverarbeitung und Backend-Lösungen.

„Wir liefern jetzt im Zeitplan und in Qualität. Inzwischen haben wir Software für über 14 Modellfamilien auf den Markt gebracht, die erfolgreich bei unseren Kunden ist“, kommentiert Bosch die Entwicklung von Cariad. Dabei seien die Entwicklungskosten gesenkt worden, während das Tempo erhöht werden konnte. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden seien Prozesse und Organisation verschlankt und Cariad nach der „Logik eines Technologieunternehmens“ umgestaltet worden.

Aufbau „echter Entwicklungspartnerschaften“

„Wir lösen uns vom traditionellen Lieferantenmodell mit Lastenheft und schreiben den Code mit unserer internationalen Entwickler-Community zunehmend selbst“, sagt Bosch. Das Ziel von Cariad seien führende Automotive-Software-Produkte zu wettbewerbsfähigen Kosten. Dabei spiele die Zusammenarbeit mit Partnern eine immer größere Rolle, ergänzt Bosch.

Als Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit nennt VW-CEO Blume die Kooperation von Cariad mit dem Unternehmen Bosch. Die sogenannte Automated Driving Alliance beider Unternehmen arbeite zusammen an einer Softwareplattform für das assistierte und automatisierte Fahren. „Wir gehen also weg vom klassischen Hersteller-Lieferantenverhältnis hin zu echten Entwicklungspartnerschaften“, erklärt Blume.

Baukasten-System für softwarebasierte Technologien

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Bosch hat Cariad einen „Software-Baukasten“ für den Volkswagen-Konzern aufgestellt. Dieser Group Software Stack umfasst alle zentralen softwarebasierten Technologien. „Diesen neuen Weg stellen wir bei der IAA Mobility in München vor“, ergänzt Blume.

Der Software-Baukasten umfasst drei Architekturfamilien für alle Modelle des Konzerns, wie Bosch ausführt. „Dazu gehören die Global Architectures, die wir aktuell mit vielen kontinuierlichen Innovationen konzernweit ausrollen. Außerdem je eine zonale Architektur nach dem Software-Defined Vehicle Prinzip für die westliche Welt und eine für China“, ergänzt der Cariad-Chef.

Der Baukasten ist zudem in vier Stacks für die Schlüsseltechnologien unterteilt: Driver Stacks für Assistenzsysteme und Funktionen für das automatisierte Fahren, Experience Stacks für ein intelligentes Nutzererlebnis und zum Beispiel digitale Assistenten, Motion Stacks für Fahrwerk und Antriebe und Cloud Stacks für die Vernetzung der Autos.

VW entwickelt Funktionen, die Kern der Marken betreffen

„Wir entwickeln Funktionen selbst, die den Kern unserer Marken betreffen. Unsere Partner wiederum werden in der Kooperation mit uns zu Innovationsbeschleunigern, die uns schneller und besser machen“, erklärt Blume.

Als Beispiel nennt er die Motion Stacks, die als Teile des Software-Baukastens unter anderem für die Fahrdynamik zuständig sind. „Technische Differenzierung durch Eigenentwicklung streben wir unter anderem dort an, wo wir das Fahrerlebnis und den Charakter der Marken bestimmen“, ergänzt der Volkswagen-Chef.

Durch lokale Partner dichter an regionalen Markentrends

Die Zusammenarbeit mit weltweiten Partnern wiederum treibe nicht nur Technologien voran, sondern ermögliche es dem Konzern außerdem, Produkte auf die regionalen Bedürfnisse der Kunden zuzuschneiden und die vor Ort geltenden Rahmenbedingungen einzuhalten.

„Der Volkswagen-Konzern und Rivian ergänzen sich technologisch und kulturell hervorragend“, führt Blume aus. In Kooperation mit Xpeng ist ein Innovationszentrum im chinesischen Hefei entstanden, wo mittlerweile etwa 3000 lokale Entwickler tätig sind. Dadurch sei man dichter an den lokalen Markentrends und könne deutlich schneller, aber auch zunehmend eigenständig entwickeln.

Quelle: Automobilwoche – Oliver Blume und Cariad-Chef Bosch: „Der Volkswagen-Konzern setzt da Maßstäbe“

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