BBNM: Abkehr vom „Verbrennerverbot“ wäre irrelevant für Hochlauf der Elektromobilität

BBNM: Abkehr vom „Verbrennerverbot“ wäre irrelevant für Hochlauf der Elektromobilität
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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 2 min

Auf EU-Ebene zeichnet sich ab, dass es auf Druck der Automobillobby zu einem Aufweichen der Vorgaben für Neuzulassungen ab 2035 kommen könnte. So ist offenbar inzwischen denkbar, dass auch Plug-in-Hybride nach diesem Jahr weiter zugelassen werden könnten. Der Bundesverband Beratung neue Mobilität e.V. (BBNM) ist davon überzeugt, dass dies erhebliche negative Folgen haben könnte – allerdings für die europäische Automobilindustrie und nicht für die Elektromobilität.

Derzeit sehen die geltenden Regelungen vor, dass ab 2035 nur noch Autos ohne direkten Emissionsausstoß am Fahrzeug neu zugelassen werden dürfen. Im Volksmund wird dies oft nicht ganz treffend als „Verbrennerverbot“ bezeichnet. Nicht ganz treffend ist der Begriff, da das „Verbot“ nur für fossilen Treibstoff gilt, für mit E-Fuels betriebene Verbrenner soll eine Ausnahme gelten.

Der BBNM ist indes überzeugt, dass es einer solchen Regelung für den Erfolg der Elektromobilität gar nicht bedarf. „Warum? Weil Elektroautos noch vor 2030 günstiger und besser sein werden als Verbrenner und schon gar als Plug-in-Hybride, die ja zwei komplexe, völlig unterschiedliche Technologien mit sich rumschleppen“, sagt BBNM-Vorstand Andreas Varesi.

„Aus Sicht der Autobauer sieht das jetzt erst mal nach einem Lobbyisten-Sieg aus, den sie aber mit einem relativ baldigen Tod noch in diesem Jahrzehnt bezahlen werden, denn die Konkurrenz aus Fernost und in den USA schläft nicht“, ist Varesi überzeugt. BYD, Nio und Co. werden sich seiner Meinung nach die Hände reiben. Schließlich herrsche in China bereits heute Preisparität zwischen Verbrennern und Elektroautos.

„Deutsche Autobauer werden vom Markt gefegt“

„Das können die deutschen Autobauer nicht dadurch bekämpfen, dass sie den Kopf in den Sand stecken und weitermachen wie bisher. Während sie sich nämlich krampfhaft an einer sterbenden Technik festklammern, werden sie – wie einst Siemens und Nokia – von billigen und besseren Produkten aus Fernost und der USA vom Markt gefegt“, befürchtet Varesi.

Dem Hochlauf der Elektromobilität wird aus Sicht des BBNM auch ein Zurückrudern der EU keinen Abbruch bringen. Dies liege schon alleine daran, dass durch eine Vielzahl weiterer EU-Regelungen die Elektrifizierung des Fuhrparks für Unternehmen in den kommenden Jahren unausweichlich wird und der gewerbliche Automarkt zwei Drittel aller Neuzulassungen ausmacht. „Am Ende wird sich die Elektromobilität in nahezu ganzer Breite durchsetzen – und dafür ist es völlig egal, ob dann noch ein paar Autobauer einen bis dahin sehr kleinen Nischenmarkt mit fragwürdigen Plug-in-Hybriden bedienen werden“, stellt Varesi fest.

Quelle: BBNM – Pressemitteilung vom 06.02.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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