Mehr als 100 Länder weltweit wollen die Elektromobilität stark ausbauen

Mehr als 100 Länder weltweit wollen die Elektromobilität stark ausbauen
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Daniel Prudek / Shutterstock / 287177087 – Straßenszene aus Nepals Hauptstadt Kathmandu, Archivbild aus dem Jahr 2010. Mittlerweile sind dort deutlich mehr Elektroautos unterwegs.

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Insgesamt 104 Staaten haben den Vereinten Nationen (UN) in ihren nationalen Klimaschutzbeiträgen den Ausbau der Elektromobilität angekündigt (Stand Mitte Dezember). Von diesen haben 66 Staaten inklusive der 27 EU-Mitgliedstaaten konkrete Ausbauziele für die Elektromobilität formuliert, so viele wie nie zuvor. Die 66 Länder mit Zielen für Elektromobilität machen mehr als 60 Prozent des weltweiten Automobilabsatzes aus. 52 Staaten reichten zum ersten Mal seit 2015 konkrete Ziele ein. Das veranschaulicht eine interaktive Weltkarte von Agora Verkehrswende.

Die nationalen Beiträge (Nationally Determined Contributions, NDCs) sind ein wesentlicher Bestandteil der Verpflichtungen, die die Vertragsstaaten im Rahmen des Übereinkommens von Paris erfüllen müssen. Mit ihnen legen die Staaten alle fünf Jahre unter anderem ihre Anstrengungen zur Verringerung der CO2-Emissionen gegenüber der UN fest.

„Es ist ermutigend zu sehen, wie der Umstieg vom Verbrenner- auf den Elektromotor weltweit forciert wird, damit der Klimaschutz im Verkehr Fahrt aufnimmt“, kommentiert Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. „Die Bundesregierung und die EU sollten alles daransetzen, um die Entwicklung zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität zu beschleunigen – zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten.“

Bezüglich ihrer Ambitionen für mehr Elektromobilität stechen neben den EU-Staaten besonders Großbritannien, Kanada und auch die kleineren Volkswirtschaften Barbados, Kuba, Nepal und Ruanda hervor: Sie haben nicht nur ehrgeizige Ziele für den Absatz von Elektroautos vorgelegt, mit vollständiger oder zumindest überwiegender Elektrifizierung des Pkw-Sektors ab 2035, sondern streben auch viele weitere Maßnahmen an – beispielsweise eine breite Abdeckung der Fahrzeugsegmente im Straßenverkehr über Pkw hinaus, eine flankierende Infrastruktur- und Industriepolitik oder die Erstellung detaillierter Finanzpläne. In Nepal sind schon heute mehr als 70 Prozent der Neuwagen Elektroautos.

Agora Verkehrswende (Screenshot)

Insgesamt betrachtet setzen sich bezogen auf Fahrzeugsegmente die meisten Staaten Ziele zum Ausbau der Elektromobilität bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (56 Staaten), gefolgt von Zielen für Busse (49), für Lkw (36) und für Motorräder (13). Ziele für den Ausbau der Ladeinfrastruktur setzen sich neun, für die Elektrifizierung des Schienennetzes fünf Staaten.

Ambitionen für Elektromobilität liegen insgesamt wahrscheinlich deutlich höher

Agora Verkehrswende geht davon aus, dass die tatsächlichen Ambitionen zum Ausbau der Elektromobilität innerhalb der Staaten weltweit deutlich höher sind, als die Weltkarte über die eingereichten nationalen Beiträge zeigt. Denn viele der Länder – unter anderem auch China – haben zusätzliche nationale Strategien, Ziele und Maßnahmen beschlossen, die sie gar nicht oder nicht vollumfänglich in ihren NDCs abgebildet haben.

Die USA haben weder bei der UN ein Ausbauziel im Bereich der Elektromobilität eingereicht, noch haben sie ein national gesetztes Ziel. Allerdings zielen eine Reihe von Bundesstaaten – allen voran Kalifornien – darauf ab, dass ab 2035 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden dürfen. Länder wie Chile oder Norwegen haben wiederum nicht im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens aber anderweitig international erklärt, die Elektromobilität ausbauen zu wollen.

Mehr konkrete Ziele und Maßnahmen notwendig, um Klimaziele zu erreichen

Die Analyse von Agora Verkehrswende zeigt aber auch, dass Länder mit spezifischen Zielen für Elektromobilität in ihren NDCs nur 34 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors verursachen. Bisher haben 62 Staaten noch keine konkreten Ziele in ihren Klimaschutzbeiträgen vorgelegt, darunter neben den USA auch weitere große Automärkte und CO2-Emittenten wie Brasilien und Russland. Indien hat noch keinen aktuellen NDC eingereicht.

Linda Cáceres Leal, Projektmanagerin für Internationale Zusammenarbeit bei Agora Verkehrswende: „Der Übergang zum klimaneutralen Verkehr ist keine hypothetische Zukunftsvision, sondern ein völkerrechtlicher Auftrag. Vor allem die großen Emittenten, die bislang keine Zusagen zum Ausbau der Elektromobilität gemacht haben, sind aufgerufen, schnell konkrete und mit Maßnahmen und Finanzen hinterlegte Ziele zu verabschieden. Um die Klimaziele des Pariser Vertrages zu erfüllen, wird die Elektromobilität allein nicht reichen, aber ohne sie wird dies auf keinen Fall gelingen.“

Quelle: Agora Verkehrswende – Pressemitteilung vom 29.01.2026

 

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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