Der Streit um das sogenannte Verbrenner-Aus in Europa (das defacto mit Blick auf in Kauf genommene Strafzahlungen und E-Fuels als Hintertür nie eines war) dürfte die Automobilbranche noch lange beschäftigen, Klarheit ist weiterhin nicht in Sicht. Wie die Automobilwoche berichtet, sind die Chancen auf eine politische Einigung über die künftigen Regeln für Verbrennungsmotoren noch in diesem Jahr gering. Hintergrund ist der anhaltende Konflikt zwischen EU-Kommission, Mitgliedstaaten, Automobilindustrie und verschiedenen Fraktionen im Europaparlament.
Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die die europäische Automobilpolitik seit Monaten prägt: Statt klarer Leitplanken herrscht zunehmend Unsicherheit. Zwar hatte die EU ursprünglich beschlossen, ab 2035 nur noch CO₂-freie Neuwagen zuzulassen. Doch inzwischen wird intensiv über Ausnahmen, neue Fahrzeugkategorien und alternative Kraftstoffe diskutiert. Die EU-Kommission selbst war Ende 2025 bereits von der ursprünglich vorgesehenen 100-Prozent-Regel abgerückt und stellte nur noch eine Reduktion um 90 Prozent in Aussicht.
Vor allem die EVP drängt inzwischen auf deutlich weitergehende Lockerungen. Laut einem Berichtsentwurf sollen künftig auch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor als emissionsfrei gelten können, sofern sie ausschließlich mit bestimmten erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden. Zudem sollen Plug-in-Hybride und sogenannte „Super-Credits“ für kleine Elektroautos stärker berücksichtigt werden.
Unterschiedliche Meinungen und Strömungen
Bereits Anfang Februar gab es Widerstand gegen strengere EU-Flottenquoten. Damals stand besonders die Sorge der Branche im Mittelpunkt, dass verschärfte Vorgaben für Dienstwagen- und Mietwagenflotten faktisch schon ab 2030 zu einem schnellen Rückgang klassischer Verbrenner führen könnten. Hinzu kommt der zunehmende Druck aus Teilen der Industrie und Gewerkschaften. Selbst die IG Metall fordert mittlerweile zusätzliche Flexibilität und längere Übergangsfristen. Gewerkschaftschefin Christiane Benner verwies zuletzt ausdrücklich auf die schwierige Lage vieler Zulieferer und sprach sich für bessere Marktchancen von Plug-in-Hybriden und Range-Extender-Konzepten aus.
Gleichzeitig wächst aber auch die Kritik an der politischen Kehrtwende. Mehrere Ökonomen warnten zuletzt davor, das ursprünglich geplante Ende des Verbrennungsmotors immer weiter aufzuweichen. Sie argumentieren, dass dies weder die strukturellen Probleme der europäischen Automobilindustrie löse noch langfristig Arbeitsplätze sichere. Vielmehr drohten widersprüchliche Signale an Hersteller, die bereits Milliarden in Elektromobilität, Batterieentwicklung und neue Plattformen investiert haben.
Zögern könnte zum erheblichen Nachteil werden
Tatsächlich zeigt sich immer deutlicher ein Grundproblem der aktuellen Debatte: Während Europa politisch noch über Ausnahmen, E-Fuels und Definitionen ringt, entwickelt sich der Markt längst weiter. Viele Automobilhersteller investieren inzwischen kaum noch in komplett neue Verbrennerplattformen, auch wenn sich das manche Kräfte sicher wünschen würden. Gleichzeitig steigt der Anteil von Elektroautos in zahlreichen europäischen Märkten deutlich schneller als noch vor wenigen Jahren erwartet. Selbst Kritiker eines eher starren Verbrenner-Aus räumen inzwischen ein, dass batterieelektrische Fahrzeuge in vielen Segmenten wirtschaftlich zunehmend die attraktivere Lösung werden, und das gilt zunehmend auch für Nutzfahrzeuge bis hin zu schweren Lkw.
Für Verbraucher, Industrie und Investoren bleibt die Lage dennoch unerquicklich. Denn unabhängig davon, ob das Verbrenner-Aus am Ende gelockert, verschoben oder mit Sonderregeln versehen wird: Planungssicherheit entsteht so kaum. Genau diese Unsicherheit aber gilt inzwischen als eines der größten Probleme der europäischen Automobilindustrie im internationalen Wettbewerb.
Quelle: Automobilwoche – Verbrenner-Aus: Kaum Chancen auf Einigung in diesem Jahr









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