Eine Analyse des Ökostromanbieters Tibber zeigt, dass Halter:innen von E-Autos mit Smart Charging im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger für ihre Fahrenergie bezahlt haben als Besitzer:innen von Diesel- oder Benzinautos. Untersucht wurden die realen Ladedaten von mehr als 10.000 deutschen Haushalten mit Smart Meter und dynamischem Stromtarif, die ihr E-Auto automatisiert in günstigen Zeitfenstern laden lassen.
Im Durchschnitt der Monate Januar bis Juni zahlten diese Haushalte 3,27 Euro pro 100 Kilometer, während für Diesel im Mittel 13,59 Euro und für Benzin 15,12 Euro pro 100 Kilometer fällig wurden. Der Kostenvorteil des smart geladenen Stroms lag damit bei mehr als dem Vierfachen, selbst unter Berücksichtigung des zeitweise geltenden Tankrabatts.
Grundlage der Auswertung sind Ladeprofile aus Wallboxen, die sich smart steuern lassen. Für den Vergleich legte Tibber die realverbrauchsbasierten ADAC-Werte zugrunde, konkret 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer beim E-Auto inklusive Ladeverluste, 7,0 Liter beim Diesel und 7,9 Liter beim Benziner. Die Kraftstoffpreise stammen aus dem monatlichen ADAC-Mittel, der Ladepreis entspricht dem arithmetischen Mittel des tatsächlich abgerufenen Smart-Charging-Stroms über alle untersuchten Haushalte.
Besonders deutlich fiel der Unterschied im April aus. In diesem Monat waren die Kraftstoffpreise infolge der zeitweiligen Schließung der Straße von Hormuz auf den höchsten Stand des analysierten Zeitraums gestiegen, eine 100-Kilometer-Strecke kostete beim Benziner 16,66 Euro und beim Diesel 15,84 Euro. Gleichzeitig sank der Preis für smart geladenen Strom auf 1,43 Euro pro 100 Kilometer, den niedrigsten Wert im ersten Halbjahr. Die Daten legen nahe, dass Haushalte mit flexiblem Ladeverhalten von den stärkeren Preisschwankungen am Strommarkt profitieren konnten, während die Kraftstoffpreise in dieser Phase besonders stark anzogen.
Im Januar fiel der Abstand zwischen den Antriebsarten am geringsten aus, blieb aber weiterhin deutlich. Nach Tibber-Angaben lagen die Ladekosten für E-Autos auch in diesem Monat um mehr als die Hälfte unter den Dieselkosten. Erst mit sinkenden Börsenstrompreisen im weiteren Jahresverlauf vergrößerte sich der Abstand zwischen den Antriebsarten wieder spürbar.
Warum der Tankrabatt kaum noch half
Der zweimonatige Tankrabatt lief Ende Juni aus, was die Kraftstoffpreise in den Monaten Mai und Juni leicht sinken ließ. Dennoch blieb der Dieselpreis im Mai um den Faktor 6,6 und im Juni um das 3,5-fache höher als der durchschnittliche Ladepreis der Tibber-Haushalte. Einer aktuellen Umfrage zufolge kann sich inzwischen jede dritte Person in Deutschland mit Verbrenner vorstellen, auf ein E-Auto umzusteigen, was die gestiegenen Energiekosten als einen möglichen Treiber nahelegt.
Wilko Klaassen, bei Tibber als Senior Vice President Growth Markets für den deutschen und niederländischen Markt verantwortlich, ordnet die Zahlen als Beleg für die praktische Umsetzbarkeit der Energiewende ein: „Unsere Daten zeigen, wie die Energiewende in der Praxis funktionieren kann. Unsere Kund:innen können durch flexibles Verhalten ihre Transportkosten um ein Vielfaches senken, gleichzeitig entlasten sie die Umwelt und das Stromnetz, indem sie Strom dann nachfragen, wenn das Angebot besonders groß ist.“
Gleichzeitig verweist er auf eine strukturelle Einschränkung: „Bisher hat nicht einmal jeder Zehnte Haushalt überhaupt ein Smart Meter und damit Zugang zu dynamischen Stromtarifen. Wir brauchen aber flexiblen, netzdienlichen Stromverbrauch in der Fläche für mehr Krisenresistenz.“
Quelle: Tibber – Pressemitteilung per Mail









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