Tibber-Daten: Smart Charging federt Strompreisanstieg ab

Tibber-Daten: Smart Charging federt Strompreisanstieg ab
Copyright:

shutterstock / 2176249181

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Während die Strompreise in Deutschland infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten spürbar anziehen, zeigt eine aktuelle Auswertung des Energieanbieters Tibber: Haushalte mit E-Auto, Smart-Meter und dynamischem Stromtarif konnten sich im März weitgehend gegen den Preisanstieg abschirmen. Im Schnitt zahlten sie nur rund drei Prozent mehr als noch im Februar – bei einem gleichzeitigen Anstieg bei Strom-Neuverträgen um etwa 15 Prozent.

Besonders auffällig ist das obere Viertel der Tibber-Kund:innen, das sein Ladeverhalten am stärksten an die veränderte Preissituation angepasst hat. Diese Gruppe zahlte pro Kilowattstunde im Schnitt sogar knapp sieben Prozent weniger als im Vormonat. Der Mechanismus dahinter ist vergleichsweise simpel: Smart Charging verschiebt den Ladevorgang des E-Autos automatisiert in die Stunden mit den niedrigsten Börsenpreisen.

Konkret bedeutet das laut Tibber-Analyse eine deutliche Verschiebung der Ladezeiten. Zwischen vier und sechs Uhr morgens stieg die Lade-Aktivität der Kund:innen merklich an, während in den Abendstunden weniger geladen wurde als noch im Februar. Auf diese Weise ließen sich die Preisspitzen des Tages gezielt umgehen.

Den Unterschied zum klassischen Festpreistarif macht die Struktur des dynamischen Modells: Der Preis pro Kilowattstunde ändert sich viertelstündlich, basierend auf den Werten der europäischen Strombörse EPEX. Dort ist Strom in der Regel dann besonders günstig, wenn ein hohes Angebot an Wind- oder Sonnenenergie auf den Markt trifft. Wer einen Fixtarif neu abschließt, zahlt dagegen dauerhaft auf dem gestiegenen Preisniveau.

Tibber-Mitgründer und CEO Edgeir Aksnes ordnet die Ergebnisse mit Blick auf die größeren Zusammenhänge ein: „Die neue Energiewelt aus dynamischen Stromtarifen und flexiblem Verbrauch beweist ihre Resilienz gegen Energiekrisen.“ Gleichzeitig betont er, dass die steigenden Strompreise in Deutschland größtenteils dem gestiegenen Gaspreis geschuldet seien. „Die aktuelle Krise zeigt erneut: Gas für die Stromversorgung ist nicht die Lösung.“

Smarte Zähler als Voraussetzung – und Engpass

Voraussetzung für die Nutzung dynamischer Tarife ist ein intelligentes Messsystem, ein sogenannter Smart-Meter. Deren Verbreitung in Deutschland bleibt allerdings überschaubar. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren smarte Zähler in lediglich 5,5 Prozent aller deutschen Haushalte verbaut. Selbst bei Haushalten mit steuerbarer Verbrauchseinrichtung – also etwa mit E-Auto, Heimspeicher oder Wärmepumpe – lag die Quote bei nur 23,3 Prozent.

Aksnes zieht den Vergleich zu Skandinavien, wo die Ausgangslage eine grundlegend andere ist: „In Norwegen nutzen 93 Prozent aller Haushalte einen volldynamischen Tarif.“ Dort verfügten bereits sämtliche Haushalte über einen Smart-Meter, was eine breite Verlagerung des Verbrauchs in günstigere und grünere Stunden ermögliche. Für Deutschland fordert der Tibber-CEO ein entschiedeneres Tempo beim Smart-Meter-Rollout: „Es wird Zeit, dass die deutsche Regierung den Smart-Meter-Rollout entschlossen beschleunigt und zur Priorität macht.“

Vor dem Hintergrund steigender Sprit- und Strompreise verzeichnen E-Autos und Photovoltaikanlagen in Deutschland derzeit eine verstärkte Nachfrage. Die Tibber-Auswertung liefert dafür ein konkretes Argument: Wer Elektromobilität mit intelligentem Energiemanagement kombiniert, kann geopolitisch bedingte Preisschwankungen nicht nur abfedern, sondern unter Umständen sogar davon profitieren.

Quelle: Tibber – Pressemitteilung per Mail

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

50Hertz: E-Autos für Stromnetz vergleichsweise kleine Herausforderung

50Hertz: E-Autos für Stromnetz vergleichsweise kleine Herausforderung

Daniel Krenzer  —  

40 Millionen Elektroautos sind für das deutsche Stromnetz beherrschbar, sagt 50Hertz. Entscheidend sind intelligentes Laden und Netzausbau.

Spirit-E: Wie E-Lkw im Depot Stromkosten senken können

Spirit-E: Wie E-Lkw im Depot Stromkosten senken können

Sebastian Henßler  —  

Ein MAN eTGX hat im Reallabor in Regensburg bis zu 350 kW zurückgespeist. Das Projekt Spirit-E zeigt, wie E-Lkw Depot, Netz und andere Fahrzeuge versorgen.

Ionity will bei Netzengpässen Batteriespeicher nutzen

Ionity will bei Netzengpässen Batteriespeicher nutzen

Daniel Krenzer  —  

Der Ladeanbieter Ionity setzt in Wertheim auf Batteriespeicher, um trotz begrenztem Netzanschluss mehr Schnellladepunkte anzubieten. 50 Standorte sollen folgen.

Umfrage: Die Wallbox zuhause bleibt Ladeort Nummer eins

Umfrage: Die Wallbox zuhause bleibt Ladeort Nummer eins

Sebastian Henßler  —  

63 Prozent der E-Autofahrer:innen laden am häufigsten zuhause, im Saarland sogar 73 Prozent. Eine Umfrage zeigt, wo in Deutschland sonst noch geladen wird.

Allye MEV: Schnelllader aus E-Auto-Akkus ohne Netzausbau

Allye MEV: Schnelllader aus E-Auto-Akkus ohne Netzausbau

Sebastian Henßler  —  

In Großbritannien warten manche Unternehmen bis zu 15 Jahre auf einen Netzanschluss. Das Allye MEV lädt E-Autos aus Akkus, die sich am vorhandenen Netz füllen.

Michelin steigt ins Geschäft mit Ladelösungen für Elektroflotten ein

Michelin steigt ins Geschäft mit Ladelösungen für Elektroflotten ein

Daniel Krenzer  —  

Michelin startet mit EV Charge eine neue Ladelösung für Elektroflotten. Die Plattform soll Ladekosten senken und das Flottenmanagement vereinfachen.

59 Gigawatt Solarpotenzial auf deutschen Parkplätzen

59 Gigawatt Solarpotenzial auf deutschen Parkplätzen

Sebastian Henßler  —  

Der Parkplatz soll laden, Strom erzeugen und Grün bieten. Auf deutschen Parkplätzen ließen sich rund 59 Gigawatt Solarleistung installieren.