Amperfied: Warum Ladeinfrastruktur mehr als Hardware ist

Amperfied: Warum Ladeinfrastruktur mehr als Hardware ist
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Amperfied

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Ladepunkte zu installieren, ist für Unternehmen in Sachen Elektromobilität längst nicht mehr die größte Herausforderung. Wer heute Firmenflotten oder Logistikstandorte elektrifiziert, muss sich vor allem mit Betrieb, Verfügbarkeit und Abrechnung auseinandersetzen. Denn eine Wallbox oder ein Schnelllader, der nicht zuverlässig funktioniert, bremst den laufenden Geschäftsbetrieb aus, gerade wenn Lieferfahrzeuge oder Lkw nach festen Ladefenstern eingeplant werden.

Genau an diesem Punkt setzt Amperfied an, ein Anbieter, der ursprünglich aus dem klassischen Ladehardware-Geschäft kommt und sein Modell in den vergangenen Jahren spürbar erweitert hat. Im Gespräch mit Firmenauto erläutert Amperfied-Vertriebschef Marco Flach, warum sich das Geschäft des Unternehmens heute stärker um technische Betriebsführung als um reine Wallboxen dreht.

Betrieb entscheidet, nicht die Montage

Für Flach ist der Unterschied zwischen installierter und tatsächlich betriebener Ladeinfrastruktur zentral. Ein Ladepunkt sei nicht automatisch betriebstauglich, nur weil er montiert und angeschlossen wurde. Entscheidend sei, dass er im Backend hinterlegt ist und relevante Betriebsdaten sichtbar werden, etwa ob er online ist, ob eine Störung vorliegt oder mit welcher Leistung gerade geladen wird. Erst auf dieser Basis lasse sich technische Betriebsführung überhaupt umsetzen.

Amperfied überwacht dafür nach eigenen Angaben nicht nur die grundsätzliche Erreichbarkeit eines Ladepunkts, sondern auch Spannungs- und Stromwerte, um technische Probleme frühzeitig zu erkennen. „Vereinfacht gesagt: Wir sehen, ob es der Wallbox oder dem Schnelllader gut geht oder ob Unterstützung nötig wird“, beschreibt Flach den Ansatz.

Wie verbindlich Verfügbarkeit zugesichert werden kann, hängt laut Flach stark vom Einsatzfall ab. Eine AC-Wallbox auf einem Firmenparkplatz stelle andere Anforderungen als ein DC-Schnelllader in der Logistik, wo ein Ausfall den Betrieb direkt stören könne. Während bei klassischen Wallboxen längere Service-Level-Agreements üblich seien, brauche es bei fest eingeplanten Ladefenstern engere Reaktionszeiten oder ein Modell mit Verfügbarkeitsgarantie. Mit dem Geschäftsmodell UptimePrime will Amperfied genau das europaweit absichern, gestützt auf das Servicenetzwerk der Muttergesellschaft Heidelberg mit rund 2200 Servicetechnikern sowie eigene Logistikstrukturen, über die sich laut Flach unter anderem Ersatzteile eigenständig verzollen und Lieferzeiten verkürzen lassen.

Wartung, bevor der Ausfall passiert

Ausfälle sollen bei Amperfied vor allem durch vorausschauende Wartung vermieden werden. Zeichne sich etwa bei einem Schnelllader ein Bauteilaustausch ab, könne der Serviceeinsatz vorbereitet werden, bevor der Ladepunkt tatsächlich ausfällt. Das unterscheide den Ansatz von rein reaktivem Service, bei dem erst nach einem bereits eingetretenen Defekt reagiert wird.

Dabei beschränkt sich das Unternehmen nach Flachs Darstellung nicht auf eigene Hardware: Der Service sei herstellerunabhängig aufgebaut, Ladeinfrastruktur unterschiedlicher Anbieter werde ins eigene Backend übernommen. Die Servicemitarbeiter:innen verfügten dafür über entsprechende Qualifikationen und Zertifikate, auch für eichrechtskonforme Systeme, was laut Flach besonders bei Bestandsanlagen relevant ist, die über Jahre mit unterschiedlicher Hardware gewachsen sind.

Bei der Abrechnung unterscheidet Amperfied zwischen mehreren Lösungen. Es gebe Wallboxen ohne Eichrecht für private Anwendungen, Systeme mit MID-Zähler für den halböffentlichen Bereich oder das Laden von Dienstwagen zuhause, und konsequent eichrechtskonforme Ladeinfrastruktur für Unternehmen, die Strom auch gegenüber Mitarbeitenden, Kunden oder externen Nutzern abrechnen wollen. Welche Variante passe, richte sich nach Kunde und Einsatzzweck.

Als Beispiel für den Betrieb bestehender Anlagen nennt Flach den Fall SAP, wo bereits vorhandene Ladepunkte samt Ladekarten und App für mehrere Tausend Mitarbeitende mit Elektro- und Hybridfahrzeugen in das Amperfied-Backend übertragen wurden. Es gehe also nicht nur um den Neubau von Ladeinfrastruktur, sondern ebenso um Migration und laufende Verwaltung.

Tiefbau und Netzanschluss als eigentliche Hürden

Nach Flachs Erfahrung scheitern gewerbliche Ladeprojekte selten an der Ladesäule selbst. Beim Neuaufbau eines Standorts kämen schnell Bodengutachten, Tiefbau, Fundamente und der Netzanschluss hinzu, die häufig die größeren Kostentreiber seien. Besonders bei hoher DC-Ladeleistung für Transport und Logistik brauche es eine passende Anschlussleistung, wofür sich ein Mittelspannungsanschluss mit eigenem Transformator anbieten könne.

Reiche die verfügbare Netzleistung nicht aus, rät Flach zu Batteriespeichern, die Lastspitzen abfangen und Leistung puffern. Photovoltaik allein löse dieses Problem in der Regel nicht, insbesondere beim Schnellladen mit sehr hohen Leistungsanforderungen. Wichtig sei in jedem Fall die Abstimmung mit dem Netzbetreiber über die tatsächlich verfügbare Anschlussleistung am Standort.

Mit dem Angebot BusinessPRIME will Amperfied Unternehmen zudem befähigen, selbst als Ladepunktbetreiber aufzutreten und Strom an eigene Fahrzeuge, aber auch an Kunden oder Lieferanten zu verkaufen. Das funktioniere sowohl mit AC-Ladepunkten als auch mit DC-Schnellladetechnik, wobei Amperfied Backend, Betrieb und Abrechnung bereitstelle. Wirtschaftlich lohne sich Ladeinfrastruktur laut Flach vor allem bei ausreichender Auslastung: Während AC-Wallboxen günstiger, aber oft weniger stark ausgelastet seien, lägen die Investitionen bei DC-Schnellladeinfrastruktur schnell im sechsstelligen Bereich, wofür aus Sicht von Amperfied eine Auslastung von mehr als 15 Prozent pro Ladepunkt notwendig sei, damit sich der Betrieb rechnet.

Unternehmen, die größere Flotten elektrifizieren wollen, rät Flach, nicht allein auf den Preis der Ladehardware zu schauen, sondern die gesamten Betriebskosten einzubeziehen, einschließlich Service, Verfügbarkeit, Abrechnung und interner Ressourcen. Müsse ein Unternehmen für die Betriebsführung eigene Kapazitäten aufbauen, könne das teuer werden.

Amperfied selbst entwickelt und liefert nach eigenen Angaben weiterhin eigene AC- und DC-Ladelösungen, versteht sein Geschäft aber zunehmend als Kombination aus Betrieb, Monitoring, Service, Abrechnung und Verfügbarkeitsmanagement. Wie Flach es zusammenfasst: Entscheidend sei nicht mehr allein, welche Ladesäule installiert wird, sondern ob sie dauerhaft funktioniert.

Quelle: Firmenauto.de – „Wir verdienen nur, wenn der Ladepunkt läuft“

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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