Tesla Gesamtjahr 2023: Stark, aber langsamer & unprofitabler

Tesla Gesamtjahr 2023: Stark, aber langsamer & unprofitabler
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 6 min

Als erstes Elektroauto überhaupt hat sich das Tesla Model Y an die Spitze der europa- undweltweit meistverkauften Autos gesetzt. Etwas, was sich mit Blick auf die Zahlen für das Gesamtjahr 2023 bei Tesla bemerkbar macht. Umsatz- und Gewinn sind im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Der zukünftige Ausblick scheint aber weniger rosig. Insbesondere sinkende Margen machen dem amerikanischen Automobilhersteller zu schaffen.

Tesla macht am wenigsten Mehrumsatz durch Automotive-Sparte

Der Umsatz für das Jahr 2023 wird von Tesla mit 96,8 Milliarden US-Dollar (gut 89 Mrd. Euro) und einem Gewinn von 15 Milliarden US-Dollar (13,8 Mrd. Euro) beziffert. Davon entfielen 82 Milliarden US-Dollar (76 Mrd. Euro) auf die Automotive-Sparte (85 Prozent am Gesamtumsatz), auf die Sparte Ladeinfrastruktur und Energie entfielen 6 Milliarden US-Dollar (5,5 Mrd. Euro / 6 Prozent ), die restlichen 8,3 Milliarden US-Dollar (7,6 Mrd. Euro / 9 Prozent ) wurden der Sparte Services und andere Einnahmen zugeschrieben.

Mit Blick auf die vorangegangenen Geschäftsjahre zeigt sich, dass der Automotive-Bereich um 15 Prozent an Wachstum gewonnen hat und Ladeinfrastruktur und Energie mit plus 54 Prozent deutlich stärker wuchs. Was sicherlich auch auf die Öffnung des Tesla-Ladenetzwerks für Automarken in Verbindung zu bringen ist. Tesla selbst ordnet es im Geschäftsbericht wie folgt ein: „Der Einsatz von Batteriespeichern erreicht 14,7 GWh im Jahr 2023, mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr, während sich die Gewinne im Bereich Energieerzeugung und -speicherung Gewinne im Jahr 2023 fast vervierfacht.“

Veränderung der operativen Marge spürbar für Tesla

Obwohl der Gesamtumsatz um 19 Prozent gestiegen ist, musste der Hersteller von E-Autos beim Bruttogewinn einen Rückgang von 15 Prozent verzeichnen. Gleichzeitig sind die operativen Ausgaben von 2022 auf 2023 um 22 Prozent gestiegen. Dies führt in Summe dazu, dass sich die operative Marge von Tesla deutlich verschlechtert hat. Hier war zuletzt eine positive Entwicklung zu sehen, die nun erstmals nach mehreren Jahren wieder rückläufig ist:

  • 2019 von – 0,3 Prozent
  • 2020 von 6,3 Prozent
  • 2021 von 12,1 Prozent
  • 2022 von 16,8 Prozent
  • 2023 von 9,2 Prozent

Blickt man hier nur auf das vierte Quartal 2023, zeigt sich nochmals eine Verschlechterung auf 8,2 Prozent operative Marge. Was somit einer Halbierung gegenüber dem gesamten Vorjahr gleicht. Begründet wird dies vonseiten des Automobilherstellers unter anderem mit erhöhten Ausgaben für AI und andere Forschungs- und Entwicklungsprojekten, Ramp Up der Produktion des Cyber Trucks.

Die gesunkene Marge ließ Tesla 2023 unkommentiert, und verwies in diesem Zusammenhang lieber auf einen frei verfügbaren Cashflow in Höhe von 4,4 Milliarden US-Dollar (4 Mrd. Euro). Trotz gesunkener Marge und Einschnitten am Markt blickt man auf einen operativen Gewinn von 15 Milliarden US-Dollar (13,8 Mrd. Euro), der stark gestützt wird durch einen einmaligen Steuervorteil von 5,9 Milliarden US-Dollar (5,4 Mrd. Euro) im vierten Quartal.

Ferner teilt der Hersteller mit, dass nun ein Ende der natürlichen Kostensenkungen bei den eigenen E-Autos erreicht sei. „Die Herstellungskosten pro Fahrzeug sind im Vergleich zum Vorjahr auf etwas über 36.000 US-Dollar gesunken. Auch wenn wir uns der natürlichen Grenze der Kostenreduzierung bei unserer bestehenden Fahrzeugpalette nähern, konzentriert sich unser Team weiterhin auf weitere Kostensenkungen in allen Bereichen der Produktion, von den Rohstoffen bis zur Auslieferung“, so Tesla in seiner Gesamtjahresbetrachtung. Große Sprünge und Preisnachlässe dürften 2024 damit nicht mehr zu erwarten sein.

38 Prozent Wachstum bei Fahrzeugauslieferung stützen Ergebnis

Obwohl die Automotive-Sparte von Tesla prozentual im Gesamtvergleich weniger stark gewachsen ist, trägt sie den größten Teil zum Ergebnis des Unternehmens bei. Insgesamt 1.845.985 E-Autos konnte der Hersteller vergangenes Jahr produzieren. Über alle Modelle hinweg entspricht dies einem Wachstum von 35 Prozent. Davon entfielen 37 Prozent auf das Tesla Model Y und Model 3. Im Umkehrschluss bedeutet dies einen leichten Rückgang beim Model S und Model X. Der sich mit Blick auf die absoluten Zahlen 70.826 Einheiten im Jahr 2023 zu 71.177 Einheiten im Jahr 2022 bestätigt.

Bei den Auslieferungen fiel das Ergebnis ein wenig positiver aus. Was sicherlich am Abbau etwaiger Lagerhüter liegen mag. Insgesamt wurden hier 1.808.851 E-Autos (+38 Prozent ausgeliefert). Davon entfiel auch hier der Großteil des Wachstums auf das Tesla Model Y und Model 3. Aber auch Model S und Model X trugen ihren Teil dazu bei, wenn auch in deutlich geringeren Stückzahlen.

Ebenfalls hervorzuheben sind folgende Wachstumskennzahlen:

  • Tesla Locations: 1208 / +25 Prozent
  • Mobile Service-Flotte: 1909 / +21 Prozent
  • Supercharger Stationen: 5952 / +27 Prozent
  • Supercharger-Ladepunkte: 54.892 / +29 Prozent

Keine Auslieferungsziele für 2024 benannt

Tesla scheut sich für das Gesamtjahr 2024 vor einer Prognose der eigenen Absatzziele. Was zumindest den Anschein erwecken dürfte, dass man mit einer geringeren Wachstumsrate als in den Jahren zuvor rechnet. Denn an diesem Punkt war Tesla ansonsten immer sehr mitteilsam unterwegs. Zumindest der Blick auf die potenziellen Produktionszahlen lässt vermuten, dass eine Absatzsteigerung bei entsprechender Nachfrage möglich ist:

RegionModelEinheitenStatus
KalifornienModel S/ Model X100.000Produktiv
Model 3/ Model Y550.000Produktiv
ShanghaiModel 3/ Model Y950.000 Produktiv
BerlinModel Y375.000Produktiv
TexasModel Y250.000Produktiv
Cybertruck125.000Produktiv
NevadaTesla Semi-Vorserie
DiverseNext Gen Plattform-In Entwicklung
TBDRoadster-In Entwicklung

In Summe blicken wir somit auf gut 2.350.000 E-Autos, die Tesla unter Idealbedingungen im Jahr 2024 vom Band fahren lassen kann. Der Elektro-Lkw Tesla Semi ist bisher nicht einberechnet, da sich dieser eigener Aussage nach noch im Vorserien-Stadium befindet. Wie die angedachten 125.000 Einheiten des Cybertrucks zu werten sind, scheint fraglich. Hier gibt Tesla selbst zu verstehen: „Wir gehen davon aus, dass die Anlaufzeit von Cybertruck angesichts der Komplexität seiner Herstellung länger dauern wird als bei anderen Modellen.“

Hinsichtlich des Ausblicks auf das Gesamtjahr 2024 führt Tesla aus: „Unser Unternehmen befindet sich derzeit zwischen zwei großen Wachstumswellen: Die erste begann mit der globalen Expansion der Plattform des Model 3/Y, und die nächste wird unserer Meinung nach durch die globale Expansion der Fahrzeugplattform der nächsten Generation eingeleitet.“

Dies bestätigt in diesem Zusammenhang auch die Vermutung, dass das Wachstum in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen könnte als im vergangenen Jahr. Begründet dadurch, „da unsere Teams an der Einführung des Fahrzeugs der nächsten Generation in der Gigafactory Texas arbeiten. Im Jahr 2024 sollte die Wachstumsrate der Einsätze und Umsatz in unserem Energiespeichergeschäft schneller wachsen als im Automobilgeschäft.“

Quelle: Tesla – Q4 and FY 2023 Update

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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