70.000 Fahrer nutzen FSD Supervised in fünf EU-Ländern

70.000 Fahrer nutzen FSD Supervised in fünf EU-Ländern
Copyright:

Beach Media / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Anfang Oktober könnte sich entscheiden, ob Full Self-Driving (Supervised) in der gesamten Europäischen Union verfügbar wird. Vor der geplanten Abstimmung des zuständigen Fachausschusses TCMV hat Tesla nun zusätzliche Sicherheitsdaten veröffentlicht, die als Grundlage für die niederländische Zulassung dienten. Für Halter:innen und potenzielle Käufer:innen in den derzeit nicht freigeschalteten Mitgliedstaaten ist das Votum die entscheidende Weichenstellung für den weiteren Rollout.

Bislang ist FSD (Supervised) in fünf EU-Ländern zugelassen: in den Niederlanden, in Dänemark, in Belgien, in Estland und in Litauen. Laut Tesla nutzen dort bereits mehr als 70.000 Fahrer:innen das System und legen gemeinsam täglich über eine Million Kilometer zurück. Auf einer ausgewerteten Strecke von 100 Millionen Kilometern auf öffentlichen Straßen in der EU habe sich das Unfallrisiko im Vergleich zum manuellen Fahren um das 4,1-fache verringert, teilte das Unternehmen mit.

Neue Tesla FSD-Zahlen vor entscheidender Abstimmung

Das nun offengelegte Dashboard wurde den EU-Mitgliedstaaten bereits Anfang April 2026 zur Verfügung gestellt, alle enthaltenen Daten stammen demnach aus der Zeit vor der niederländischen Genehmigung. Hintergrund ist, dass Tesla die Funktionsweise von FSD (Supervised) zwar an die bestehende Regelung UN-R-171 (DCAS) angepasst hat, im EU-Zulassungsverfahren aber nach Artikel 39 Ausnahmen für einzelne Verhaltensweisen des Systems beantragte. Die veröffentlichten Daten sollen die Sicherheit dieser Ausnahmen belegen.

Nach Unternehmensangaben reduziert FSD (Supervised) bei mehr als drei Milliarden gefahrenen Kilometern im Jahr 2025 die Zahl schwerer Unfälle gegenüber manuellem Fahren auf allen Straßenkategorien: auf Autobahnen um 45 Prozent, auf Bundesstraßen um 69 Prozent, im Stadtverkehr um 50 Prozent und auf Nebenstraßen um 40 Prozent. Automatische Notbremsungen sinken demnach um bis zu 84 Prozent, harte Bremsmanöver um bis zu 81 Prozent. Bei Spurwechseln auf Autobahnen würden 99 Prozent leichter Kollisionen vermieden, außerhalb von Autobahnen 93 Prozent, basierend auf 377 Millionen ausgewerteten Fahrmanövern im Flottenbetrieb.

Tesla führt zudem Ermüdungsereignisse an, die auf Autobahnen um 67 Prozent zurückgehen sollen, sowie eine Geschwindigkeitsanpassung: 98 Prozent der Zeit fahre das System mit oder unter dem Tempo des umgebenden Verkehrs. Firmeneigene Ingenieurfahrzeuge des Unternehmens legten 1,6 Millionen Kilometer zurück, ohne an einem selbstverschuldeten Unfall beteiligt gewesen zu sein, weder mit schweren noch mit leichten Schäden. In mehreren Ländern habe das System zudem mehr als 230.000 Szenarientests absolviert, mit einer Erfolgsquote von rund 98 Prozent auch bei Regen, Nebel sowie bei Tag- und Nachtfahrten.

Untermauert wird die Argumentation mit der allgemeinen Unfallstatistik: 2025 registrierte Europa nach Angaben Teslas 19.400 Verkehrstote, umgerechnet etwa 53 pro Tag. Der überwiegende Teil der Unfälle gehe auf menschliches Versagen zurück und wäre mit bereits verfügbarer Technologie vermeidbar, so das Unternehmen.

Zweifel an Teslas eigener Methodik

Unabhängige Verkehrsforscher hatten Teslas Sicherheitsstatistiken bereits vor der Veröffentlichung des aktuellen Dashboards kritisch geprüft. Eine Recherche der Nachrichtenagentur Reuters kam im Juni 2026 zu dem Ergebnis, dass zehn von elf befragten Fachleuten die Vergleichsmethodik als irreführende Werbung statt als seriöse Sicherheitsuntersuchung einstuften, weil Tesla Airbag-Auslösungen mit einer deutlich breiter gefassten US-Unfallstatistik verglich und zudem die junge Tesla-Flotte einer erheblich älteren Durchschnittsflotte gegenüberstellte. Auch europäische Behörden äußerten sich zurückhaltend: Norwegens Straßenverkehrsbehörde bezeichnete die von Tesla vorgelegten Zahlen als selbst erstellt und kaum mit den eigenen Unfallstatistiken abgleichbar.

Für die Abstimmung am 6. Oktober ist eine qualifizierte Mehrheit erforderlich, mindestens 15 der 27 Mitgliedstaaten mit zusammen 65 Prozent der EU-Bevölkerung müssen zustimmen. Länder wie Deutschland und Frankreich haben bislang keine eigene Zulassung erteilt und prüfen die niederländischen Unterlagen weiterhin gesondert. Bis zu einer möglichen EU-weiten Freigabe bleibt FSD (Supervised) damit auf die fünf bereits zugelassenen Staaten beschränkt.

Quelle: Tesla – Pressemitteilung

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Tesla News

Musk über Fusion von Tesla und SpaceX: “Ja”, gute Idee

Musk über Fusion von Tesla und SpaceX: “Ja”, gute Idee

Sebastian Henßler  —  

Tesla und SpaceX haben Sonderausschüsse gebildet, die eine Fusion prüfen. Elon Musk hält das für eine gute Idee, darf an den Gesprächen aber nicht teilnehmen.

Baustart 2027? Tesla bringt Werksausbau in Grünheide voran

Baustart 2027? Tesla bringt Werksausbau in Grünheide voran

Sebastian Henßler  —  

Aktuell arbeiten 12.600 Menschen in Teslas Werk in Grünheide. Mit der geplanten zweiten Halle setzt der Automobilhersteller die nächste Stufe seines Ausbaus um.

Tesla Roadster kommt 2028, elf Jahre nach der Enthüllung

Tesla Roadster kommt 2028, elf Jahre nach der Enthüllung

Sebastian Henßler  —  

Mit Kaltgastriebwerken von SpaceX soll der Tesla Roadster in unter einer Sekunde auf 100 Kilometer pro Stunde kommen. Der Produktionsstart ist für 2028 geplant.

Tesla Model Y ist wieder als Taxi erhältlich

Tesla Model Y ist wieder als Taxi erhältlich

Daniel Krenzer  —  

Das Tesla Model Y ist zurück im Taxigewerbe. Intax bietet für das Elektro-SUV wieder eine professionelle Taxiumrüstung an.

Tesla nennt FSD um, um EU-Zulassung zu erleichtern

Tesla nennt FSD um, um EU-Zulassung zu erleichtern

Maria Glaser  —  

Tesla hat vor wenigen Tagen sein automatisiertes Fahrassistenzsystem „Full Self-Driving“ in Europa zu „Assisted Driving“ umbenannt.

Tesla FSD: Deutschland könnte vor der EU vorpreschen

Tesla FSD: Deutschland könnte vor der EU vorpreschen

Sebastian Henßler  —  

Die EU hat ihre Entscheidung über Teslas FSD auf Dezember vertagt. Viele Staaten warten auf Deutschland, wo sich Minister Bilger nun klar positioniert.

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Sebastian Henßler  —  

Ab 2027 fertigt Tesla in Grünheide eigene 4680-Zellen mit bis zu 18 GWh pro Jahr. Damit entsteht von der Zelle bis zum Auto alles an einem Standort in Europa.