Angriff auf Tesla? Robotaxi von Xpeng ist serienreif

Angriff auf Tesla? Robotaxi von Xpeng ist serienreif
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Xpeng

Daniel Krenzer
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  —  Lesedauer 3 min

Der chinesische Elektroautohersteller Xpeng macht ernst beim autonomen Fahren: Mit dem neuen Robotaxi auf Basis der GX-Plattform will das Unternehmen bereits ab der zweiten Jahreshälfte in den Pilotbetrieb starten. Ab 2027 sollen die Fahrzeuge dann komplett ohne Sicherheitsfahrer unterwegs sein. Damit positioniert sich Xpeng offensiv gegen Konkurrenten wie Tesla, aber auch gegen etablierte Robotaxi-Anbieter wie Waymo, Baidu Apollo Go oder Pony.ai.

Bemerkenswert ist dabei vor allem der technologische Ansatz. Während viele Wettbewerber auf eine Kombination aus Kameras, Lidar-Sensoren und hochauflösenden Karten setzen, verfolgt Xpeng eine Strategie, die stark an Tesla erinnert: Kameras plus künstliche Intelligenz statt teurer Sensorik. Laut Xpeng basiert das System auf dem neuen „VLA 2.0 End-to-End-KI-Modell“, das optische Informationen direkt verarbeitet. Das Unternehmen verzichtet dabei bewusst auf Lidar und HD-Karten.

Das Fahrzeug selbst ist ein seriennahes Großraum-SUV. Der rund 5,30 Meter lange GX soll laut nicht nur autonom fahren, sondern auch ein besonders komfortables Reiseerlebnis bieten. Genannt werden unter anderem „Zero-Gravity-Sitze“, Sichtschutzglas sowie sprachgesteuerte Entertainment-Systeme im Fond.

Spannend daran: Xpeng spricht explizit davon, dass die Fahrzeuge „serienreif“ seien und bereits in Massenproduktion gefertigt würden. Reuters berichtet sogar, dass Xpeng in Guangzhou bereits mit der Produktion begonnen habe und innerhalb von 12 bis 18 Monaten mehrere Hundert bis Tausend Robotaxis bauen wolle. Das zeigt einmal mehr, wie entschlossen chinesische Hersteller inzwischen in Zukunftstechnologien investieren. Während in Europa vielerorts noch darüber diskutiert wird, ob das Verbrenner-Aus „zu schnell“ komme, bauen Unternehmen wie Xpeng bereits die nächste Mobilitätsgeneration auf. Der Fokus verschiebt sich dort längst von der reinen Elektrifizierung noch stärker hin zu KI, autonomem Fahren und softwaredefinierten Fahrzeugen.

Eine Gefahr für Tesla?

Gerade der Vergleich mit Tesla ist hier interessant. Denn Xpeng kopiert keineswegs einfach nur den US-Konzern, sondern übernimmt gezielt dessen Grundidee einer kamera- und KI-basierten Autonomie – versucht dabei aber, schneller in die Skalierung zu kommen. Tesla wiederum arbeitet parallel am eigenen Robotaxi-Netzwerk sowie am Cybercab. Das Unternehmen hatte seinen Robotaxi-Dienst zunächst in begrenztem Umfang in Austin gestartet, begleitet allerdings weiterhin von Sicherheitsüberwachung und regulatorischen Diskussionen. Auch der futuristische Tesla Cybercab befindet sich inzwischen in Produktion.

Doch hier könnte Xpeng gefährlich werden. Denn während Tesla über Jahre hinweg vor allem Visionen verkauft hat, versucht Xpeng nun offenbar, schneller in reale Stückzahlen und konkrete Dienste zu kommen. Auch Xpeng entwickelt große Teile der Technologie selbst – von KI-Chips über Software bis hin zur Fahrzeugplattform. Das senkt potenziell die Kosten und erhöht die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette.

Auch für Volkswagen dürfte das relevant sein. Schließlich arbeiten VW und Xpeng in China bereits bei Elektronik-Architekturen und Softwarelösungen zusammen. Xpeng verdient Berichten zufolge inzwischen erhebliche Summen mit Technologie-Lizenzierungen an Volkswagen. Gut möglich, dass auch auf die Techniken beim autonomen Fahren zukünftig verstärkt auf das Knowhow der Chinesen zurückgegriffen wird.

Riskanter Markt mit vielen Ungewissheiten

Klar ist allerdings auch: Der Robotaxi-Markt bleibt riskant. Selbst Branchenpioniere wie Waymo oder Baidu verdienen bislang kaum Geld mit ihren Diensten. Gleichzeitig stehen regulatorische Fragen, Sicherheitsbedenken und hohe Entwicklungskosten im Raum. Auch Teslas Robotaxi-Start wurde von Diskussionen über Fahrfehler und Verkehrsverstöße begleitet.

Dennoch zeigt Xpeng eindrucksvoll, wohin sich der Wettbewerb in der Automobilindustrie entwickelt. Nicht mehr nur Reichweite, Ladeleistung oder Beschleunigung entscheiden über die Zukunft der Branche – sondern zunehmend KI-Kompetenz, Softwareintegration und autonome Systeme. Und genau dort entsteht gerade ein neues Wettrennen zwischen China und den USA, bei dem europäische Hersteller bislang eher hier und da bemühte Zuschauer als Taktgeber sind.

Quelle: Xpeng – Pressemitteilung vom 20. Mai 2026

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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