Tesla will Produktion in Grünheide trotz Absatzschwäche hochfahren

Tesla will Produktion in Grünheide trotz Absatzschwäche hochfahren
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Laura Horst
Laura Horst
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Während Teslas Zulassungszahlen in Europa deutlich zurückgehen, erhöht der Elektroautohersteller dennoch seine Produktionspläne in seinem Werk Grünheide in der Nähe von Berlin. Von dem einzigen europäischen Produktionsstandort aus beliefert Tesla etwa drei Dutzend Ländermärkte, von denen derzeit Kanada, Norwegen und die Türkei als große Hoffnungsträger gelten.

Der Werksleiter von Grünheide, André Thierig, kündigte kürzlich auf dem Treffen der ostdeutschen Automobilindustrie in Leipzig an, dass Tesla die Produktionspläne in Grünheide erhöht habe. Angesichts der sinkenden Zulassungszahlen, die im ersten Halbjahr um 50.000 Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken sind, dürfte sich das Publikum gewundert haben. Thierig selbst fuhr mit dem Satz fort: „Alle fragen sich: Landen diese Autos auf einem Flugplatz nahe Berlin?“.

Im vergangenen Jahr hatten Medien bereits von einem „Friedhof für Elektroautos“ berichtet, nachdem bekannt geworden war, dass Tesla zeitweise Tausende Elektroautos auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Neuhardenberg zwischenparkte. Inzwischen stehen für die rund 1000 täglich produzierten Model Y in Grünheide eigene Stellflächen zur Verfügung, weshalb Tesla auf dem Flugplatz nur noch wenige Plätze belegt.

Trotz der negativen Zahlen blickt Werksleiter Thierig optimistisch in die Zukunft und erklärt: „In Wirklichkeit sieht es so aus, dass das Model Y weiterhin das meistverkaufte E-Auto Europas ist. Wir sind hier nach wie vor in einer stabilen Marktlage. Wir schauen optimistisch in die Zukunft und haben unsere Produktionsplanung sowohl für das dritte als auch für das vierte Quartal nach oben angepasst.“

Türkei: Neuzulassungen um das Vierfache gestiegen

In Grünheide selbst wird im Hinblick auf die Produktionserhöhung auf die Märkte Kanada, Türkei und Norwegen verwiesen, wie die FAZ berichtet. Auf dem kanadischen Markt hat Tesla durch den Handelskonflikt in Nordamerika, unabhängig von den neuen Zöllen, Anteile verloren. In der ersten Jahreshälfte sind die Neuzulassungen von 26.000 auf 9000 Autos gesunken. Das Unternehmen hofft, die Nachfrage mit den aus Grünheide importierten Autos wieder zu steigern.

Neben Kanada gilt der türkische Automarkt als große Hoffnung, denn laut dem Händlerverband ODMD haben sich die Zulassungszahlen dort in den ersten acht Monaten dieses Jahres mit 26.000 Elektroautos vervierfacht. Allein im August hat Tesla dort demnach fast 9000 Model Y verkauft. In der Türkei profitieren Elektroautokäufer von steuerlichen Begünstigungen. Analysten von S&P Global verweisen darauf, dass derzeit noch nicht absehbar ist, wie lange der Trend andauern wird und ob in den jüngsten Zahlen auch Vorzieheffekte enthalten sind.

Norwegen als europäische Ausnahme

Gegen den europäischen Trend haben sich Teslas Neuzulassungen in Norwegen entwickelt, wo der Autobauer bei den Elektroautos einen Marktanteil von rund 90 Prozent hält. Während die Absatzzahlen in anderen europäischen Märkten, darunter Deutschland und Frankreich, in der ersten Jahreshälfte gesunken sind, konnte Tesla in Norwegen mit mehr als 13.000 Neuzulassungen um ein Viertel zulegen. Die Neuzulassungen in den eher kleineren Märkten Norwegen, Kanada und der Türkei werden laut Einschätzung der FAZ jedoch nicht ausreichen, um die eingebrochenen Zahlen im Rest Europas zu kompensieren.

Unwahrscheinlich ist zudem, dass Tesla in diesem Jahr die Produktionszahlen vom vergangenen Jahr erreichen wird. Trotz der Produktionserhöhung im zweiten Halbjahr dürfte das Unternehmen nicht an die 211.235 Model Y herankommen, die 2024 vom Band gerollt sind. Weit entfernt ist der Elektroautobauer außerdem von der offiziellen Produktionskapazität, die bei 375.000 Autos pro Jahr oder rund 7500 Autos pro Woche liegt. Zuletzt wurden in Grünheide laut öffentlichen Äußerungen von Tesla wöchentlich etwa 5000 Elektroautos produziert.

Quelle: FAZ – Sinkende Zulassungen: Das Tesla-Rätsel von Grünheide

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