Stellantis-Europachef: „Elektroautos nicht übertrieben teuer“

Stellantis-Europachef: „Elektroautos nicht übertrieben teuer“
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Martin U. K. Lengemann/WELT

Iris Martinz
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  —  Lesedauer 3 min

Statt billiger werden viele beliebte E-Modelle aktuell deutlich teurer – Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent sind keine Seltenheit. Damit ist auch die Preisparität zwischen Elektroautos und vergleichbaren Verbrennern in weite Ferne gerückt, trotz Umweltprämie. Da nützt es wenig, wenn Stellantis-Europachef Uwe Hochgeschurtz dazu anmerkt, man komme nach Abzug des Umweltbonus zu einem fairen Preis und erhalte viel Auto für sein Geld. Im Juni hatten Stellantis-Vertreter noch gewarnt, der Elektroauto-Markt würde zusammenbrechen, wenn die Autos nicht billiger werden.

Stellantis-Modelle führen im Kleinwagensegment in Europa die Verkaufsstatistiken an: die elektrifizierten Varianten des Peugeot 208 und Opel Corsa boomen, der Fiat 500e hat sich zum Bestseller entwickelt. Der hohe Marktanteil der Stellantis-Gruppe in diesem Segment fusst nicht zuletzt auf der Schwäche des großen Konkurrenten Volkswagen, der abgesehen vom derzeit nicht bestellbaren e-up derzeit kein Elektroauto unterhalb der Golf-Klasse anbietet. Abhilfe schaffen soll der ID.2, der aber erst 2025 auf den Markt kommen und unter 25.000 Euro kosten soll. Ob der Preis zu halten ist, bleibt abzuwarten. Stellantis-Autos wären aber auch heute „nicht übertrieben teuer„, erklärte Hochgeschurtz in einem Gespräch mit der WELT. Die Elektrifizierung würde für den Hersteller rund 50 Prozent Mehrkosten gegenüber einem Verbrennermodell bedeuten.

Wegen der hohen Inflation würden sich viele Käufer derzeit zurückhalten, die Bestellungen seien etwas abgeflacht. Stornierungen gebe es aber keine, so Hochgeschurtz. Auf die Ankündigung des ID.2 von Volkswagen reagiert Hochgeschurtz bissig: „Die Kunden kaufen keine Versprechen„, wenn man ein Auto kaufen wolle, dann müsse es auch auf dem Markt sein.

Ohnehin setzt Stellantis vor allem auch auf Elektrokleinstwägen wie den Opel Rocks e oder den Citroen Ami – genaugenommen gar keine Autos, weil auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern begrenzt und ab 15 Jahren mit Führerscheinklasse AM zu fahren. Dieses Segment mit Preisen ab 8.000 Euro verkaufe sich „fantastisch„, weshalb die Produktionskapazitäten erhöht werden sollen. In diesem Segment sei Stellantis derzeit der einzige Anbieter, so Hochgeschurtz.

Der Europa-Manager sieht zudem ein Ende der Reichweitenangst: viele Kunden würden auch mit geringeren Reichweiten zufrieden sein, vor allem, wenn sie das Auto vorwiegend in der Stadt bewegen. Künftig würde ohnehin die Ladezeit entscheidend werden, nicht mehr die Reichweite. Gerade da habe es in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gegeben – Hochgeschurtz rechnet mit maximal 15 Minuten in den nächsten Jahren.

Anders als bei den Konkurrenten wie Renault oder Ford gäbe es bei Stellantis keine Pläne, das Geschäft mit Elektroautos von dem mit Verbrennern zu trennen – aus Rücksicht auf die Mitarbeiter. Denn jene, die in der Verbrennersparte arbeiten, würden sonst dem Ende ihres Arbeitsplatzes entgegen sehen. Allerdings wird die Wertschöpfungskette verlängert: in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Total und Mercedes-Benz baut Stellantis im Opel-Komponentenwerk Kaiserslautern eine Batteriezell-Fabrik, die 2025 die Produktion aufnehmen soll.

Quelle: welt.de – 320 Kilometer pro Ladung? „In der Stadt brauchen Kunden keine große Reichweite“

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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