Wie Stellantis die Kreislaufwirtschaft voranbringen will

Wie Stellantis die Kreislaufwirtschaft voranbringen will
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Stellantis

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Der Autokonzern Stellantis hat vor wenigen Tagen die offizielle Eröffnung des „SUSTAINera Circular Economy Hub“ (CE-Hub) im Mirafiori-Komplex von Fiat in Turin gefeiert. Der 14 Automarken unter einem Dach vereinende Konzern hat laut eigener Aussage einen umfassenden Plan zur Förderung seiner Ambitionen im Bereich der Kreislaufwirtschaft entworfen, mit einem 360-Grad-Ansatz auf der Grundlage der 4R-Strategie: Remanufacture, Repair, Reuse & Recycle (Wiederaufbereiten, Reparieren, Wiederverwenden und Recyceln).

Das Hauptziel des Circular Economy-Hubs bestehe darin, die Lebensdauer von Teilen und Fahrzeugen zu verlängern und sicherzustellen, dass sie so lange wie möglich halten. Erst wenn dies nicht mehr möglich sei, werde das Material aus der Wiederaufbereitung und der Demontage von Altfahrzeugen zu Recyclingzwecken gesammelt und dann in den Produktionskreislauf zurückgeführt, um neue Fahrzeuge und Teile herzustellen, so Stellantis in einer aktuellen Mitteilung. Der Hub für Kreislaufwirtschaft beherberge in der Anfangsphase vier Aktivitäten zur Umsetzung der 4R-Strategie, wobei der Umfang ständig erweitert werden soll:

  • Wiederaufbereitung (Remanufacture): Gebrauchte, verschlissene oder defekte Komponenten wie Motoren, Getriebe und Elektroautobatterien werden zerlegt, gereinigt und nach den ursprünglichen Hersteller-Spezifikationen wiederaufbereitet, ohne dass die Qualität beeinträchtigt werde. Das Ziel sei, eine nachhaltige, erschwingliche Alternative anzubieten, die unter dem SUSTAINera-Label im Rahmen des Stellantis-Ersatzteilangebots erhältlich sein soll. Die Anlage soll bis 2025 mehr als 50.000 wiederaufbereitete Teile verwalten. Diese Zahl soll bis 2030 auf 150.000 steigen.
  • Sortierzentrum (Remanufacture, Recycle): Schätzungsweise 2,5 Millionen Altteile sollen bis 2025 in die Wiederaufbereitungs- und Recyclingaktivitäten der Anlage einfließen. Bis 2030 soll diese Zahl auf 8 Millionen ansteigen.
  • Überholung von Fahrzeugen (Repair, Remanufacture und Reuse): Fahrzeuge werden mit neuen, wiederaufbereiteten oder gebrauchten Teilen ästhetisch und mechanisch repariert und dann entweder über Spoticar, das herstellerzertifizierte Gebrauchtwagenprogramm von Stellantis, oder über das Netzwerk „Stellantis & You, Sales and Services“ wieder in den Verkehr gebracht.
  • Demontage von Fahrzeugen (Recycling, Remanufacture und Reuse): Am Ende ihres Lebenszyklus‘ werden Fahrzeuge zu einer wertvollen Ressource für Teile, die wiederaufbereitet, wiederverwendet oder als Material dem Recycling zugeführt werden. Konkret werden die vom CE-Hub verwalteten gebrauchten Teile in den Bestand des Partners B-Parts integriert, um das SUSTAINera Reuse-Angebot zu vervollständigen.

Der Hub für Kreislaufwirtschaft soll Effizienzgewinne und Synergien zwischen den einzelnen Aktivitäten sowie eine vertikale Integration von Materialien und Prozessen ermöglichen.

Stellantis will seine Fähigkeiten, Teams und Einrichtungen weiter ausbauen, um sein Konsummodell zu ändern und ein intelligentes, integriertes Ökosystem zu schaffen. So sollen Umweltauswirkungen reduziert und das Dekarbonisierungsziel des Unternehmens unterstützt werden, bis 2038 Netto-Null-CO2-Emissionen zu erreichen.

Stellantis-Kreislaufwirtschaft-Mirafiori
Stellantis

John Elkann, Chairman von Stellantis, und Stellantis-CEO Carlos Tavares wohnten der Einweihung bei und eröffneten das Zentrum feierlich. Zusammen mit dem kürzlich angekündigten Zentrum für Batterietechnologie bekräftige die Eröffnung des Circular Economy Hubs im Mirafiori-Komplex das Engagement von Stellantis für Italien und für die dort arbeitende Belegschaft.

„Wir industrialisieren die Rückgewinnung und nachhaltige Wiederverwendung von Materialien“

Der Circular Economy Hub vereint eine Vielzahl von Fähigkeiten und Aktivitäten, die darauf abzielen, ein hochleistungsfähiges Kompetenzzentrum in Europa zu schaffen“, sagte Stellantis-CEO Carlos Tavares bei der Eröffnung des Komplexes. „Wir industrialisieren die Rückgewinnung und nachhaltige Wiederverwendung von Materialien, bauen neue Technologien und fortschrittliche Fähigkeiten auf und wachsen in diesem Bereich. Wir wissen, dass unser Engagement für die Wiederaufbereitung, Reparatur, Wiederverwendung und das Recycling nicht nur unseren Planeten entlastet, sondern auch einen finanziellen Mehrwert für Stellantis bringt und unsere gemeinsame Zukunft sichert, indem wir unser Geschäftsmodell für Produktion und Verbrauch zügig umgestalten.“

Diese zusätzliche Investition unseres Unternehmens hier in Turin zeigt das Engagement von Stellantis für Italien in einer sich schnell entwickelnden Branche und belegt die Fähigkeit, sich durch den Aufbau der Zukunft zu erneuern“, sagte John Elkann, Chairman von Stellantis. „Wenn alle Stakeholder und Stellantis den gleichen Ehrgeiz haben und sich auf einen gemeinsamen Weg einigen, werden Ideen Wirklichkeit, und der Circular Economy Hub, den wir heute eröffnen, ist ein Beweis dafür“. Elkann ist sich sicher, ein europäisches Modell für die Kreislaufwirtschaft im Automobilsektor geschaffen zu haben, das Umweltschutz mit wirtschaftlicher Entwicklung verbinde.

Stellantis-Kreislaufwirtschaft-Rohstoffe
Stellantis

Stellantis hat das Zentrum nach den Kriterien der Circular Economy über eine Investition von 40 Millionen Euro ins Leben gerufen. Der CE-Hub nehme eine Gesamtfläche von 73.000 m2 ein, von denen 55.000 m2 aus einer teilweise ungenutzten Anlage zurückgewonnen wurden. Dabei habe Stellantis mehr als 5000 Tonnen Metall aus veralteten Installationen recycelt. Ausrüstung und Maschinen für die Anlage wiederum seien von anderen Standorten übernommen worden, was zu Einsparungen von 55 Prozent im Vergleich zum Kauf neuer Maschinen und Ausrüstung geführt habe. Der Standort beschäftige derzeit 170 Mitarbeiter. Diese Zahl soll bis zum Jahr 2025 auf ca. 550 ansteigen.

Der Circular Economy Hub unterstützt die Hauptaktivitäten von Stellantis sowie die jüngsten Maßnahmen des Unternehmens zur Stärkung des globalen Elektrifizierungs-Ökosystems einschließlich der Ambitionen von Stellantis in Bezug auf das Ziel der Klimaneutralität. Hierzu zählen:

  • die Partnerschaft mit Orano für die Vorbehandlung im Recyclingprozess von Elektroauto-Batterien zur Rückgewinnung von Kobalt, Nickel und Lithium aus Altfahrzeugen und Abfällen aus Gigafactories;
  • die Gründung des Joint Ventures SUSTAINera Valorauto SAS mit Galloo zur Entsorgung von Altfahrzeugen;
  • die Zusammenarbeit mit Qinomic bei der elektrischen Nachrüstung von leichten Nutzfahrzeugen. Der Prototyp wurde Ende November auf der Solutrans-Messe auf dem Euroexpo-Gelände in Lyon (Frankreich) vorgestellt;
  • der Aufbau strategischer Partnerschaften zur Sicherung von Rohmaterialien für Elektroauto-Batterien und sechs geplante Gigafactories in Europa und Nordamerika; sowie
  • die Eröffnung des ersten Batterie-Technologiezentrums im Mirafiori-Komplex für die interne Prüfung und Entwicklung von E-Auto-Batterien.

Die Stellantis Circular Economy Business Unit ist eine der sieben im Strategieplan Dare Forward 2030 angekündigten wachstumsstarken Geschäftseinheiten, die bis 2030 einen Umsatz von mehr als 2 Milliarden Euro erwirtschaften soll.

Quelle: Stellantis – Pressemitteilung vom 23.11.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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