Söder will Prämie für gebrauchte E-Autos – und erntet Kritik

Söder will Prämie für gebrauchte E-Autos – und erntet Kritik
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Daniel Krenzer
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert, die neue E-Auto-Kaufprämie auch auf gebrauchte Elektroautos auszuweiten. Bislang gilt die Förderung nur für Neuwagen, die ab dem 1. Januar 2026 erstmals in Deutschland zugelassen wurden. Je nach Einkommen, Kinderzahl und Fahrzeugtyp sind bis zu 6000 Euro Zuschuss möglich. Gebrauchte E-Autos bleiben außen vor.

Auf den ersten Blick ist Söders Forderung, über die der Stern berichtet, durchaus sinnvoll. Wer Elektromobilität in die Breite bringen will, darf nicht nur Neuwagenkäufer in den Blick nehmen. Gerade für Haushalte mit kleineren Einkommen sind gebrauchte Stromer oft der realistischere Einstieg in die Elektromobilität. Interessant ist allerdings Söders Begründung. Der CSU-Chef kritisiert, von der bisherigen Förderung profitierten zu stark ausländische Hersteller, insbesondere aus China, Frankreich und Italien. Bei gebrauchten E-Autos könnten deutsche Hersteller stärker zum Zug kommen.

Haben Hersteller zu lange auf große E-Autos gesetzt?

Greenpeace hält genau diese Argumentation für falsch. Nicht die Förderung sei das Problem, sondern das fehlende Angebot kleiner und bezahlbarer deutscher Elektroautos, kritisierte Mobilitätsexpertin Lena Donat. Die von Söder kritisierten EU-Vorteile für kleinere E-Autos könnten vielmehr den nötigen Druck auf deutsche Hersteller erhöhen, ebenfalls endlich erschwinglichere Modelle anzubieten.

Damit trifft Greenpeace einen wunden Punkt. Die deutsche Automobilindustrie hat die Elektromobilität technisch längst angenommen, ihr Volumengeschäft im unteren Preissegment aber zu lange vernachlässigt. Große SUV, Dienstwagen und Premium-Limousinen sichern Margen, helfen aber kaum der Familie mit klammer Kasse, die einen bezahlbaren Ersatz für ihren Verbrenner sucht. Diese Modelle fehlen aber nun ein Stück weit bei einer Förderung, die sich an Haushalte mit vergleichsweise geringem Einkommen richtet.

Auch andere Verbände sehen die bisherige Förderlogik kritisch. Die Deutsche Umwelthilfe bemängelte, dass auch große Plug-in-Hybride und schwere, teure Fahrzeuge profitieren können. Der VCD bezeichnete die Prämie als sozial unausgewogen und forderte ebenfalls, gebrauchte E-Autos stärker einzubeziehen. Der ADAC verweist zudem darauf, dass nicht nur Kaufprämien entscheidend sind, sondern auch günstigere Strompreise und niedrigere Nebenkosten beim Laden.

Gute Idee, fragwürdige Begründung

Dass der Markt für Elektroautos bereits deutlich anzieht, zeigen die aktuellen KBA-Zahlen für Juni. Insgesamt wurden mehr als 296.000 Pkw neu zugelassen, 15,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Reine Elektroautos kamen auf mehr als 84.000 Neuzulassungen, ein Plus von 78,2 Prozent. Ihr Marktanteil lag damit bei 28,4 Prozent. Im ersten Halbjahr summierten sich die BEV-Neuzulassungen auf gut 368.000 Fahrzeuge, 48 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Söders Forderung nach einer Gebrauchtwagen-Prämie ist deshalb nicht falsch. Falsch wäre es aber, sie vor allem als Schutzprogramm für deutsche Hersteller zu verkaufen. Sinnvoll wäre eine solche Förderung wohl vor allem dann, wenn sie konsequent auf reine Elektroautos, niedrige und mittlere Einkommen, effiziente Fahrzeuge sowie transparente Batteriezustände ausgerichtet wird.

Quelle: Stern – Söder fordert Kaufprämie für gebrauchte E-Autos

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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