Sind Schwefelbatterien das nächste große Ding?

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Mehrere Forscher, Start-ups und Unternehmen weltweit arbeiten an Batterien, in denen Schwefel eine zentrale Rolle einnimmt. Theion aus Berlin ist laut eigener Aussage der einzige in dieser Reihe, der dabei auf Schwefel in Kristallform setzt, was die Lebensdauer dieser Batteriechemie erheblich erhöhen soll. Nun hat das Start-up über eine Finanzierungsrunde 15 Millionen Euro erhalten, um die Technologie weiterzuentwickeln. In einem Interview mit Automobil Industrie äußerte sich CEO Ulrich Ehmes zu den weiteren Schritten, die diese Geldspritze nun ermöglicht hat.

„Nachdem wir bereits erfolgreiche Tests mit Knopfzellen durchgeführt haben, werden wir nun die nächste Stufe angehen: die Integration unserer Technologie in eine leistungsfähige Pouchzelle“, so Ehmes. Pouchzellen sind ein gängiges Format, wie es auch in Akkus für Elektroautos verwendet wird. Unter den aktuellen Investoren sind bekannte Namen wie Team Global, Enpal und die Geschwister Oetker. „Das Engagement zeigt uns, dass wir mit unserer Batterie nicht nur technologisch auf dem richtigen Weg sind, sondern auch Investoren von ihrer Relevanz für die Energiewende überzeugen konnten“, so Ehmes weiter.

Kristallschwefel-Batterien können im Vergleich zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien mehrere Vorteile mit sich bringen: „Unser Ziel ist es, eine Batterie zu entwickeln, die nur ein Drittel des Gewichts, der Kosten und des CO2-Fußabdrucks herkömmlicher Lithium-Ionen-Batterien hat“, erklärt Ehmes im Gespräch mit Automobil Industrie. Schwefel ersetze in der Batterie von Theion gleich mehrere kritische und teure Rohstoffe, wie etwa Nickel, Mangan, Kobalt oder Eisenphosphat.

Die Kostenersparnis ergebe sich dadurch, dass Schwefel als Nebenprodukt industrieller Prozesse in großen Mengen und somit günstig verfügbar ist. Schwefel koste nur etwa 20 Cent pro Kilogramm, „während Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid (NMC) rund 20 Euro und Eisenphosphat (LFP) etwa acht Euro pro Kilogramm kosten“, so der Gründer. Zudem sei Schwefel sehr leicht, die kristalline Struktur stabilisiere es so, dass „eine besonders effiziente und langlebige Energieaufnahme und -abgabe“ möglich sei, wie Ehmes erklärt. Hinzu komme die hohe Energiedichte: „Schwefel speichert rund fünfmal mehr Energie pro Gewichtseinheit als NMC und etwa siebenmal mehr als LFP.“

In Summe wiege eine Schwefel-Batterie nur noch ein Drittel im Vergleich zu aktuellen Lithium-Ionen-Akkus, bei gleicher Kapazität. Neben stationären Speicherbatterien und Elektroautos hat Theion schon einen weiteren Zukunftsmarkt im Visier: das elektrische Fliegen. „Genau hier spielt unser Leichtbau-Vorteil eine entscheidende Rolle. Deshalb fokussieren wir uns zunächst auf Anwendungen in der Luft- und Landmobilität“, so Ehmes. Bis die Batterie tatsächlich serienreif ist, werde noch „einige Zeit“ vergehen, „aber mit den richtigen Partnern können wir diesen Prozess beschleunigen.“

Langfristig gehe Theion davon aus, „dass genau diese Faktoren – Kostenersparnis, Gewichtsvorteil und Nachhaltigkeit – der Schlüssel sein werden, um uns erfolgreich im Wettbewerb zu positionieren.“

Quelle: Automobil Industrie – „Unsere Kristallschwefel-Batterie ist ein Gamechanger“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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