Rolls-Royce gibt sein 2022 verkündetes Ziel auf, seine Produktpalette bis 2030 gänzlich auf Elektroautos umzustellen. Der Luxusautohersteller will seine Autos mit V12-Verbrennungsmotoren auch nach Ablauf dieses Jahrzehnts weiterhin anbieten. Als Gründe nennt Unternehmenschef Chris Brownridge die Nachfrage der Kunden nach den Verbrennermodellen, aber auch die geänderte Gesetzeslage.
Der britische Autobauer, der zur BMW Group gehört, hat im Jahr 2022 mit dem Spectre sein erstes Elektroauto auf den Markt gebracht. Der damalige CEO Torsten Müller-Ötvös prognostizierte für den Spectre damals einen Anteil von 20 Prozent am Jahresumsatz, den das Unternehmen bis 2028 auf 70 Prozent steigern wolle. Er sagte bei der Vorstellung zudem, dass der Spectre die globale Elektro-Revolution vorantreiben werde.
Prognose war „damals richtig“
Der gegenwärtige CEO Brownridge erklärte, das Versprechen seines Vorgängers, vollständig auf Elektroantriebe umzusteigen, sei „damals richtig“ gewesen. Während er sich nicht dazu äußern wollte, wie hoch der aktuelle Anteil des Spectre an den Gesamtverkäufen ist, verwies er auf die Lockerung regulatorischer und gesetzlicher Vorgaben durch Regierungen weltweit. Die damalige Prognose sei unter anderen Umständen getroffen worden. Welche Bestrebungen Rolls-Royce in Hinblick auf die Emissionsfreiheitsziele unternehmen will und wie viele neue Elektromodelle es in Zukunft geben wird, wollte Brownridge nicht beantworten.
Seitens der Kunden bestehe zudem eine Nachfrage nach den V12-Verbrennerautos. „Wir sind uns bewusst, dass einige Kunden lieber einen V12-Motor hätten. Der V12 ist Teil unserer Geschichte“, sagte der CEO. Der Hersteller baue, was bestellt wird. „Auf jeden Kunden, der Elektroautos liebt, kommt einer, der sie nicht mag“, erklärte er.
Bentley schiebt Pläne ebenfalls auf
Die Ankündigung durch CEO Brownridge erfolgte nur einen Tag, nachdem Bentley, ebenfalls ein britischer Luxusautohersteller, der zum Volkswagen-Konzern gehört, mitgeteilt hatte, dass der erste Elektro-Bentley mindestens zwei Jahre später als erwartet auf den Markt kommt. Ursächlich sei der stockende Übergang zur Elektromobilität. Der Luxusautohersteller hatte zuvor bereits seine Pläne für eine vollständige Umstellung auf Elektroantriebe von 2030 auf 2035 aufgeschoben. Zudem kündigte der Autobauer vergangene Woche an, an seinem Standort im britischen Crewe Hunderte Arbeitsplätze abzubauen.
Die Luxusgüterbranche ist durch die geopolitischen Unsicherheiten stark beeinträchtigt und insbesondere durch die jüngsten Konflikte im Nahen Osten erschüttert. „Wir sehen in den letzten fünf Jahren ein starkes Nachfragewachstum aus dieser Region und gehen davon aus, dass sich dies fortsetzen wird“, erklärte Brownridge. „Für viele unserer Kunden, deren Fahrzeuge voraussichtlich ausgeliefert werden, arbeiten wir so gut wie möglich mit den Logistikpartnern zusammen, um diese Auslieferung zu ermöglichen“, sagte er.
Quellen: The Times – Rolls-Royce scraps 2030 all-electric target / The Guardian – Rolls-Royce scraps goal to go all-electric by 2030







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