Wie Rolls-Royce rein elektrisch werden will

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Die britische Nobelmarke Rolls-Royce will, wie bereits im Vorjahr angekündigt, bis 2030 rein elektrisch werden. In einem Gespräch mit Autocar hat CEO Torsten Müller-Ötvös mehr darüber verraten, wie die Elektrifizierung umgesetzt werden soll und welche Elektro-Modelle man als erstes erwarten darf.

Die Elektrifizierung des gesamten Portfolios, sagte Müller-Ötvös, sei „eine große Aufgabe für ein relativ kleines Unternehmen“. Die für die Elektromobilität erforderlichen Investitionen sollen sich aber nicht automatisch in teurere Autos niederschlagen. Der britische Hersteller will in den kommenden Jahren sein komplettes Sortiment auffrischen und keine Verbrennermodelle mehr auf den Markt bringen – was den Mk2 Ghost zum letzten benzinbetriebenen Rolls-Royce macht, der eingeführt werden soll.

Technische Details der zukünftigen Elektroautos von Rolls-Royce wollte Müller-Ötvös nicht nennen. Das erste E-Modell der Briten soll ein Coupé sein: der Spectre. Der Spule aktuell ein 150 Millionen Meilen (etwa 240 Millionen Kilometer) starkes Testprogramm ab, der getarnte Prototyp wurde bereits mehrfach gesichtet. Ende 2023 soll der Spectre auf den Markt kommen. Rein elektrische Nachfolger von Cullinan, Ghost und Phantom sollen folgen.

Und mit ihnen dürfte ein kleiner Imagewandel einhergehen. Denn das Alter des durchschnittlichen Rolls-Royce-Käufers sei in den letzten Jahren stark gesunken: auf 43. Und viele der Kunden, so Müller-Ötvös, besitzen bereits ein Elektroauto für den Alltag, sei es ein Tesla, ein BMW oder ein anderes Modell.

Eine Priorität in der Entwicklung sollen Eigenschaften sein, die den Verlust des ehrwürdigen V12 von Rolls-Royce kompensieren können, wenn nicht sogar übertreffen: Der elektrische Antriebsstrang des Unternehmens soll „sehr drehmomentig“ sein, versprach Müller-Ötvös, und werde die Rolls-Royce typische „Waftability, leises Dahingleiten wie auf auf einem fliegenden Teppich und höchste Qualität“ bieten.

„Wir wären dumm, dies nicht zu tun“

Ihre Gewinnmargen will die britische Luxusmarke auch mit Elektroautos aufrechterhalten. „Eines ist klar: Wir werden niemals ein Auto auf den Markt bringen, das nicht so profitabel ist wie die Autos mit Verbrennungsmotor. Das ist mein Credo“, so Müller-Ötvös. Er sei innerhalb des BMW-Konzerns, zu dem Rolls-Royce seit 2003 gehört, nicht dafür zuständig, Volumen zu erzielen, sondern Gewinn.

Die Zugehörigkeit zu dem Münchner Konzern bringe einige Vorteile mit sich: „Wir nutzen die Stärke der BMW Group wie auch in der Vergangenheit: auf sehr intelligente Weise“, so Müller-Ötvös. „Wir verwenden Komponenten aus der Gruppe, die zu uns passen und einen Rolls-Royce wirklich zu einem Rolls-Royce machen“. Die Briten seien aber „nicht daran interessiert, bestehende Karosserien aus Massenfahrzeugen als Rolls-Royces umzubauen“, stellte er klar, „also nehmen wir Komponenten. Wir wären dumm, dies nicht zu tun.“

Quelle: Autocar – All current Rolls-Royce models to go electric by 2030

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Norbert Seebach:

Ich Frage mich, wie lange sich diese Firma eine derart arrogante Haltung hinsichtlich der „Mindest-Marge“ noch wird leisten können. Die Welt kann gut auf solche fahrenden Dinosaurier-Schrankwände verzichten!

Wolfbrecht Gösebert:

@ Nick8888:

„spielt da Umweltschutz oder überhaupt Image jenseits der Zurschaustellung von Reichtum überhaupt irgendeine Rolle …?“

Nachdem bei dieser Klientel das Selberfahren inzwischen eine zunehmende Rolle spielt, stellt der E-Antrieb mit Sicherheit noch mal eine Komfortverbesserung dar, die gern zur Kenntnis genommen wird!

Nick8888:

Keine Ahnung, welche Klientel diese Luxusautos kauft, aber spielt da Umweltschutz oder überhaupt Image jenseits der zur Schau Stellung von Reichtum überhaupt irgendeine Rolle bei dieser Käuferschicht? Ich glaube nein

VestersNico:

Hey David: die ‚Kunden‘ mitnehmen? Das sind doch keine Kunden: russische Oligarchen, amerikanische NeureichenNerds oder die arabischen Ölkaftanaken. Und wer Müller-Ötvös heißt (ungarisch für Goldschmied) nimmt nicht alles und jeden mit. Macht eher einen migenommenen Eindruck, der arme Kerl. Für Geld tut der alles…

David:

Man muss die Kunden mitnehmen. Die Kunden müssen bereit sein, umzusteigen. Man kann da auch zu früh im Markt sein. Die Kunden sind sehr wohlhabend. Da hat niemand ein nur sechsstelliges Jahreseinkommen und einen entsprechend hohen Umweltfußabdruck. Man fährt irgendwann Elektro, um mit der Zeit zu gehen, nicht weil einem die Umwelt am Herzen liegt. Zumal Fahrverbote für Verbrenner drohen.

Rolls Royce macht das richtig und bietet routinierte Großserien-Elektrotechnik im bespoke-Kleid einer echten Luxuslimousine an. Die gute Nachricht: Einen Elektroaufpreis wird es vermutlich nicht geben.

brainDotExe:

Nichts an diesem Fahrzeug rechtfertigt heutzutage noch den Betrieb mit fossilen Brennstoffen.

Ein schöner V12 ist nunmal immer noch prestigeträchtiger als ein relativ simpel aufgebauter Elektromotor.

Peter Bigge von Berlin:

RR ist das beste Beispiel für einen typischen Fahrzeugtyp, welcher heute bereits reinelektrische fahren könnte, aber stattdessen nachhaltig die Umwelt verschmutzt.
Nichts an diesem Fahrzeug rechtfertigt heutzutage noch den Betrieb mit fossilen Brennstoffen.
Eine Kostenfrage oder Frage zur Lademöglichkeit kann es wohl kaum geben.

Wenn sofortiges Verbrennerverbot, dann für Autotypen wie die von RR, welche mit hohem Aufwand viel Klimazerstörung verursachen.

Philipp:

Ich weiß garnicht warum die exklusiven Luxusautoanbieter nicht schon viel früher auf den eZug aufgesprungen sind.

Gerade die positiven Eigenschaften: Souveräne, geruchsfreie und lautlose Kraftentfaltung, immer ausreichende Leistungsreserven sowie sattes Fahrwerk passen perfekt auf die Luxusanforderungen.

Langstreckentauglichkeit ist hier sicher nicht eine wichtige Eigenschaft im Lastenheft. Vom 5* Strandhotel ins Casino von Monte Carlo sind es nur ein paar Kilometer… Längere Strecken werden eh mit Hubschrauber oder Privatjet zurückgelegt.

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