Mehrere europäische Automobilhersteller öffnen ihre Werke derzeit für chinesische Marken oder verhandeln über eine solche Zusammenarbeit. Leapmotor lässt künftig im spanischen Stellantis-Werk in Saragossa fertigen, Peugeot holt Dongfeng in ein französisches Werk, und Geely übernimmt Teile des Ford-Werks in Valencia. Nissan führt Gespräche mit Chery über eine gemeinsame Nutzung von Produktionskapazitäten im britischen Werk Sunderland. Hintergrund ist die sinkende Auslastung vieler europäischer Fabriken, während chinesische Hersteller nach schnellen Wegen suchen, ohne aufwändige Neubauten in Europa Fuß zu fassen.
Renault-Chef François Provost sieht diese Entwicklung skeptisch. „Unsere Werke verfügen über keine Überkapazitäten“, sagte er im Interview mit der französischen Zeitung „Les Echos“. Man habe zudem sichergestellt, dass der eigene Strategieplan FutuREady nicht von den Produktionsmengen anderer Hersteller abhängig sei, so Provost weiter. In Europa lege der Konzern Wert darauf, Technologien eigenständig zu entwickeln.
Die europäische Automobilindustrie kämpft ums Überleben
Seit einem Jahr steht Provost an der Spitze der Renault Group und äußerte sich im Interview zu mehreren aktuellen Branchenthemen. „Ja, die Lage ist schwierig. Ja, die europäische Automobilindustrie kämpft ums Überleben“, sagte er, fügte jedoch an, die Renault-Gruppe sei bereit, was keine Naivität, sondern ein Zeichen der Entschlossenheit sei.
Provost betonte erneut, gemeinsam mit europäischen Ingenieur:innen und Zulieferern Autos entwickeln zu wollen, die technologisch mit den besten chinesischen Herstellern mithalten können, und zwar im gleichen Tempo. Das von Renault in China gegründete Entwicklungszentrum ACDC, das maßgeblich an der Entwicklung des elektrischen Twingo in weniger als zwei Jahren beteiligt gewesen sei, diene dazu, die Wettbewerbsfaktoren im chinesischen Ökosystem zu verstehen und anschließend in Europa anzuwenden. Nicht alles solle jedoch übernommen werden: In Bereichen wie Markenmanagement, Produktentwicklung, Kundenerlebnis und Fertigung sehe er den eigenen Konzern gegenüber chinesischen Wettbewerbern im Vorteil.
Von der Politik forderte Provost Unterstützung, die nicht zwingend finanzieller Natur sein müsse. Sollte sich nichts ändern, werde Europa den Niedergang seiner Automobilindustrie weiter vorantreiben, was vor allem auf die hohe Zahl geplanter Regulierungen zurückzuführen sei. Bis 2030 seien 100 neue Automobilvorschriften vorgesehen. Das Ziel, Dekarbonisierung und Fahrzeugsicherheit zu erhöhen, sei zwar nachvollziehbar, treibe jedoch die Preise so stark nach oben, dass sich viele europäische Verbraucher:innen die Fahrzeuge nicht mehr leisten könnten.
Provost forderte, sämtliche Automobilvorschriften für zehn Jahre einzufrieren, ausdrücklich ohne sie zu reduzieren. Ein Viertel der Ingenieur:innen, die derzeit an aus seiner Sicht nutzlosen Aktualisierungen von Vorschriften arbeiteten, könnte sich dann stattdessen der Kostensenkung widmen. Auch im Motorsport zieht der Konzern Konsequenzen: Die Marke Alpine verlässt Ende 2026 die Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC, bleibt der deutlich teureren Formel 1 jedoch treu.
Die Teilnahme an der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft koste ähnlich viel wie die Entwicklung eines neuen Modells, erklärte Provost dazu. Er würde lieber noch ein Auto bauen und bleibe bei dieser Haltung. In der Formel 1 habe er sich hingegen für einen Verbleib entschieden, da diese mit einer Milliarde Fans die weltweit führende Sportveranstaltung sei und dem Konzern die nötigen Ressourcen verschaffe, um die Entwicklung voranzutreiben.
Quelle: Automobilwoche – Renault-CEO Provost will keine chinesischen Hersteller in seine Werke holen








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