Range Rover Sport EV: Sportlich und überraschend agil

Range Rover Sport EV: Sportlich und überraschend agil
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Zaid Hamid
Zaid Hamid
  —  Lesedauer 4 min

Nach dem Range Rover wird nun auch der kleinere Bruder Range Rover Sport (RRS) elektrisch. Laufruhe und Geländegängigkeit sind imposant – doch für echte Dynamik fehlt ihm nicht nur die nötige Höchstgeschwindigkeit.

Dem Entwicklungsteam von JLR war bewusst, dass es sich beim RRS nicht einfach um einen etwas kleineren elektrischen Range Rover handeln sollte. Der 5,05 Meter lange Sport sollte einen schärferen, spürbar dynamischeren Charakter bekommen. Geklappt hat das jedoch nur eingeschränkt. Auch, weil dem 2,8 Tonnen schweren Luxus-Crossover trotz üppiger 260-kW-Elektromotoren an der Vorderachse und einer Gesamtleistung von 550 PS der rechte Schub nach vorne fehlt.

Bei 200 km/h wird die Höchstgeschwindigkeit abgeregelt, der Imagespurt von 0 auf Tempo 100 gelingt in 4,5 Sekunden. Eine Normreichweite von knapp über 600 Kilometern ist bei einer 118,5-kWh-Batterie ebenso zu erwarten wie ein Ladetempo von 350 kW an einem Hypercharger. Seine 800-Volt-Architektur ermöglicht eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in 22 Minuten.

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Dabei hat sich der Range Rover Sport EV 550 durch die Elektrokur unter dem Blech deutlich verändert. Seine Karosseriestruktur ist 61 Prozent steifer als die des Plug-in-Hybridmodells und sein Schwerpunkt liegt durch das schwere Akkupaket 73 mm tiefer. Die elektronische Wankstabilisierung kann bis zu 1400 Nm an jeder Achse bereitstellen, während Doppelventildämpfer, adaptive Fahrdynamikregelung und Allradlenkung dazu beitragen, dass sich der große Elektro-SUV deutlich kompakter und leichter anfühlt, als er tatsächlich ist. Den größten Unterschied zu seinem identisch angetriebenen Range Rover Electric ist die Drehmomentkalibrierung, denn der Schub baut sich beim RRS 50 Prozent schneller auf als beim ungleichen Zwilling.

Erstaunlich agil trotz fast drei Tonnen Gewicht

Im flotten Fahrbetrieb wirkt der RRS spürbar agiler, satter auf der Straße und lenkt direkter ein. Seine Reaktionen sind unmittelbarer, und man hat stärker das Gefühl, dass das Fahrwerk zum aktiven Fahren einlädt, anstatt einen betont komfortabel ans Ziel zu bringen. Allemal beeindruckend, wenn man bedenkt, dass er 2770 kg wiegt. Auf kurvenreichen Strecken ist seine Fähigkeit, diese Masse zu beherrschen, überraschend. Lenkt man entschlossen ein, stabilisiert er sich schnell, kontrolliert sein Gewicht bemerkenswert gut und animiert zu deutlich höherem Tempo, als seine Abmessungen vermuten lassen. Kein Wunder, dass der Brit-Koloss so mehr Fahrspaß bereitet als der betont kommode Range Rover Electric.

Wie relevant das letztlich im Alltag sein dürfte, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Nur wenige Besitzer werden wohl die Grenzen eines derart schweren Luxus-SUVs auf kurvenreichen Straßen ausloten.

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Der Fahrkomfort bleibt auch im Range Rover Sport beachtlich, aber man spürt die Straße unter sich deutlich intensiver. Kleinere Unebenheiten und Veränderungen der Oberflächenbeschaffenheit machen sich durchaus bemerkbar. Genau diesen Charakter wollte Range Rover nach eigener Aussage kreieren. Der Sport ist kontrollierter, reaktionsschneller und letztendlich unterhaltsamer, wenn man ihn mal richtig fordert. Man fragt sich nur, wie oft ein Kunde das bei einem 180.000 Euro teuren Geländewagen tatsächlich tun wird.

Im Gelände scheinen die Grenzen der Physik verschoben

Noch abwegiger wird das im wahrsten Sinne bei der Geländegängigkeit, denn was der Luxus-Brite hier zu leisten imstande ist, lässt einen an den Grenzen der Physik zweifeln. Es erscheint geradezu paradox, einen 2,8 Tonnen schweren Luxus-SUV mit Elektroantrieb über scheinbar ungeeignetes Terrain zu steuern und ihn dieses dann fast mühelos meistern zu sehen. Sein virtueller Allradantrieb und das intelligente Traktionsmanagement können das Motordrehmoment in Millisekunden anpassen, während er eine Wattiefe von 90 Zentimetern beibehält sowie die Fähigkeit, Steigungen von bis zu 45 Grad zu bewältigen.

Beeindruckender denn je ist dabei die elektrische Drehmomentabgabe. Bereits kleinste Gaspedalbewegungen münden in bemerkenswert kontrolliertem Vorankommen, sodass der Sport schwieriges Gelände mit einer Souveränität bewältigt, die nicht zu seiner Größe und seinem Gewicht passt.

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Kritik verdient jedoch die Bedienung. Bereits der normale Range Rover setzt stark auf seinen zentralen Touchscreen, doch zumindest die Fahrmodusauswahl und die Lautstärkeregelung sind dort beruhigend griffige Drehregler. Beim Sport Electric sind selbst diese in den Bildschirm integriert. Das geht zu weit, denn gerade beim Wechsel zwischen Straße und Gelände möchte man diese Bedienelemente schnell und intuitiv bedienen können. Sie hinter einem Touchscreen zu verstecken, führt zu unnötiger Interaktion, wo ein haptischer Regler völlig ausreichend war.

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Unter dem Strich ist der Range Rover die natürlichere, einfachere Wahl für einen Elektroantrieb. Sein Charakter passt nahezu perfekt zu allem, was ein Elektroauto auszeichnet. Der Range Rover Sport beweist jedoch, dass die gleiche Hardware nicht zwangsläufig zum gleichen Fahrerlebnis führen muss. Doch gerade beim RRS darf es gerne auch weiterhin ein Verbrenner sein – auch wegen einer artgerechten Höchstgeschwindigkeit.

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Zaid Hamid

Zaid Hamid

Zaid Hamid arbeitet in der Automobilindustrie, seit er Teenager war und berichtet von den spannendsten Fahrzeugen und Testfahrten aus aller Welt. Für Zaid geht es nicht um das Produkt allein oder nur die Informationen des Herstellers. Er sucht auch die kleinen Geschichten dahinter – je bunter, je besser und gerne auch skurril! Zwar lebt er in London, doch unterwegs ist der Sportwagenfan an sich fast immer – die Geschichten kommen eben nicht von allein auf den Computer.

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